In der Natur sind Vietnamfasane höchstwahrscheinlich ausgestorben.

Hoffnung für den Vietnamfasan

Der Zoo Heidelberg beteiligt sich an der Wiederansiedlung der bedrohten Vietnamfasane und freut sich aktuell über Nachwuchs

Der Zoo Heidelberg hat momentan doppelt Grund zur Freude. Vergangene Woche sind acht Vietnamfasane geschlüpft, Besucher können diese schon jetzt in der Voliere beobachten. Außerdem wurden vor kurzem 20 Fasane aus europäischen Zoos nach Vietnam überführt, um dort perspektivisch die höchstwahrscheinlich ausgestorbene Tierart wieder anzusiedeln. Eines dieser Tiere ist 2022 im Zoo Heidelberg geschlüpft.

Zwischen dem Laub huschen kleine braune Federbälle durch die Voliere, bleiben kurz stehen und orientieren sich sofort wieder an den erwachsenen Tieren. Die acht jungen Vietnamfasane, die vergangene Woche im Zoo Heidelberg geschlüpft sind, erkunden inzwischen aufmerksam ihre Umgebung. Für Besucher sind die Jungvögel derzeit besonders gut zu sehen. Noch unterscheiden sich Männchen und Weibchen äußerlich kaum. Erst in einigen Monaten entwickeln die männlichen Tiere das tiefblaue Federkleid, für das die Art bekannt ist.

Der aktuelle Nachwuchs ist für den Zoo Heidelberg weit mehr als ein schöner Zuchterfolg. Vietnamfasane zählen zu den seltensten Hühnervögeln der Welt: auf der Roten Liste der Weltnaturschutzorganisation IUCN werden die Vögel als „akut vom Aussterben bedroht“ geführt, der letzte gesicherte Nachweis eines Vogels in der Natur liegt jedoch mehr als 25 Jahre zurück. Deshalb wurde 2024 der Zusatz „Probably Extinct in the Wild“ (wahrscheinlich in der Natur ausgestorben) auf der Liste ergänzt. Ursache für den dramatischen Rückgang sind vor allem Lebensraumzerstörung, Jagd sowie die langfristigen Folgen des Vietnamkriegs. Damals wurden große Waldflächen durch Entlaubungsmittel wie „Agent Orange“ massiv geschädigt oder vollständig zerstört. Dadurch gingen wichtige Lebensräume verloren.

Wie eng die internationale Zusammenarbeit inzwischen funktioniert, zeigt das Projekt „Bring Back Blue“. Vergangene Woche wurden 20 Vietnamfasane nach Vietnam überführt – ein Meilenstein für den Artenschutz. Das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) koordiniert aus dem Zoo Prag die Zucht der Vietnamfasane in europäischen Einrichtungen und stellt sicher, dass eine genetisch vielfältige Population für das Projekt zur Verfügung steht. In den letzten Jahrzehnten haben zoologische Einrichtungen und die Mitglieder der World Pheasant Association (WPA) entscheidend dazu beigetragen, die Art zu erhalten und zu züchten. Besonders erfreulich: Einer der kürzlich transportierten Vietnamfasane stammt aus dem Zoo Heidelberg, er schlüpfte dort im Juni 2022. Vor Ort wird mit den Vögeln zunächst eine stabile Zuchtgruppe aufgebaut, später können die Tiere schrittweise in geeignete Waldgebiete entlassen werden. Möglich wird dies nur durch jahrelange Vorbereitungen in Vietnam: Schutzgebiete wurden geschaffen, Zuchtstationen aufgebaut und Konzepte für die Auswilderung entwickelt.

„Solche Momente zeigen, warum eine kontinuierliche Zucht im Zusammenspiel von Privathaltern und Zoos eine so wichtige Bedeutung für den ganzheitlichen Artenschutz haben“, erklärt Vogelkurator Joshua Förg. „Die Rückkehr der Fasane nach Vietnam ist nur durch die jahrzehntelange Arbeit von WPA-Züchtern und Zoos möglich. Dass ein in Heidelberg geschlüpfter Vogel nun direkt zum Erhalt seiner Art im Ursprungsland beiträgt, freut uns ganz besonders.“

Veröffentlichung: 22.05.2026