Die Riesenschildkröten kehren bald nach Heidelberg zurück
Das neue Schildkrötenhaus im Zoo Heidelberg erreicht den nächsten Meilenstein: Der Rohbau steht, in dieser Woche beginnt der Holzbau. Nach der Fertigstellung erwartet die Besucher ein ganzjährig zugänglicher Ausstellungsbereich rund um Klimawandel und dessen Auswirkungen auf die Tierwelt. Zu den Höhepunkten werden die vier Riesenschildkröten zählen, die nach Abschluss der Bauarbeiten wieder im Zoo Heidelberg leben werden. Darüber hinaus werden mehr als zehn weitere Tierarten in das Haus einziehen.
Wo bis vor wenigen Monaten noch eine Baugrube das Bild im Zoo Heidelberg prägte, wächst Schritt für Schritt das neue Schildkrötenhaus. Im Inneren entsteht weit mehr als ein neues Zuhause für die Riesenschildkröten: Besucher erwartet künftig ein Themenbereich, der zeigt, welche Folgen der Klimawandel für Tierarten weltweit und direkt vor unserer Haustür hat. Im Februar 2022 zerstörte ein umgestürzter Baum während eines Sturms große Teile des Schildkrötenhauses im Zoo Heidelberg. Nach Abklärung der Finanzierung und intensiver Planungszeit wurde das alte Gebäude im Sommer 2025 abgerissen, anschließend begannen die Erdarbeiten und der Rohbau. Inzwischen steht der Massivbau. Die Außenhülle des Gebäudes besteht aus energieeffizienten Materialien, das Betondach wurde bereits fertiggestellt und wird bald abgedichtet. In dieser Woche beginnt der Holzbau. Als Nächstes folgen unter anderem Heizung, Lüftung, Wasser- und Elektroinstallation.
„Die eigentliche Herausforderung liegt in dem vergleichsweisen kleinen Gebäude, in dem eine Vielzahl technischer und planerischer Anforderungen stecken“ erklärt die Architektin des Zoos Silke Hendel. „Mehrere Fachplanungsbüros und rund 20 Gewerke greifen hier ineinander. Viele Arbeitsschritte müssen aufeinander abgestimmt werden. Umso schöner ist es zu sehen, wie das Haus nun Stück für Stück wächst.“
Zahlreiche Arbeiten übernimmt das Zoo-Team selbst. So entstehen beispielsweise die künstlichen Felsen für die Tieranlagen in Eigenleistung. Die Zoo-Handwerker bauen sie gemeinsam mit Bundesfreiwilligendienstleistenden aus Spritzbeton. Bereits an kleineren Bauvorhaben im Zoo konnten die jungen Erwachsenen diese Technik erlernen und weiterentwickeln.
Inhaltlich dreht sich im neuen Schildkrötenhaus alles um die Folgen des Klimawandels für Tiere und ihre Lebensräume. Vier Themenbereiche beleuchten unterschiedliche Facetten: Die Aldabra-Riesenschildkröten stehen als Botschafter für Inselökosysteme, die durch den steigenden Meeresspiegel stark bedroht sind. In einem weiteren Bereich geht es um Gebirgsregionen, in denen hoch spezialisierte Arten aufgrund der Erderwärmung immer weiter in höhere Lagen ausweichen müssen. Profiteure des Klimawandels wie der Italienskorpion und der Mauergecko zeigen, wie einzelne Tierarten in der Folge der Erderwärmung ihren Aktionsradius nach Norden hin ausdehnen und als Neozoen, also gebietsfremde Arten, Ökosysteme ins Ungleichgewicht bringen können. Der vierte Themenbereich verdeutlicht, welche Folgen langanhaltende Dürren und starke Hitzewellen für einheimische Arten haben, die an Feuchtgebiete gebunden sind. Wechselkröten, Gelbbauchunken und Eurasische Zwergmäuse vereint etwa, dass sie zunehmend mit austrocknenden Gewässern zu kämpfen haben. Insgesamt neun Terrarien machen diese Zusammenhänge mit lebenden Tieren für die Besucher anschaulich.
Besonders freut sich das Zoo-Team auf die Rückkehr seiner vier Aldabra-Riesenschildkröten. Die Tiere leben seit dem Sturmschaden vorübergehend im Zoo Prag und werden nach Fertigstellung wieder nach Heidelberg zurückkehren. Im neuen Haus erwartet sie eine großzügige Innenanlage mit einem ganzjährig tropischen Klima von etwa 22 bis 25 Grad Celsius. Den Riesenschildkröten stehen spezielle UV-Strahler, eine Luftbefeuchtungsanlage und ein geräumiges Badebecken zur Verfügung. Ergänzt wird das Gebäude durch eine Außenanlage für die Tiere. „Mit dem Schildkrötenhaus schaffen wir einen Bereich, der unseren Besuchern ganzjährig Tierbeobachtungen ermöglicht und gerade im Winter die Aufenthaltsqualität im Zoo deutlich erhöht“, sagt Zoodirektor Dr. Klaus Wünnemann. „Gleichzeitig können wir unseren Tierbestand um einige spannende Reptilien, Amphibien und Wirbellose erweitern und komplexe Themen rund um den Klimawandel anschaulich vermitteln.“