Das Warten hat ein Ende: Das neue Schildkrötenhaus im Zoo Heidelberg ist offiziell eröffnet
Mehr als 200 geladene Gäste feierten am Donnerstagnachmittag die Eröffnung des neuen Schildkrötenhauses im Zoo Heidelberg. Unter den Gästen waren Kollegen und Freunde aus anderen Zoos, Sponsoren, Spender und viele mehr. Gemeinsam mit den Mitarbeitern des Zoo Heidelberg erlebten sie die offizielle Eröffnung des neuen Gebäudes, das sich den vielfältigen Auswirkungen des Klimawandels auf Tiere und ihre Lebensräume widmet.
Die feierliche Eröffnung übernahm Heidelbergs Bürgermeister für Klimaschutz, Umwelt und Mobilität Raoul Schmidt-Lamontain. Anschließend konnten die Gäste das neue Haus erstmals besichtigen und einen Blick auf seine tierischen Bewohner werfen. Besonders groß war die Freude über die Rückkehr der Aldabra-Riesenschildkröten. Mit Iulius, Einstein und Hemingway sind bereits drei der vier Riesenschildkröten nach Heidelberg zurückgekehrt. Emil wird in den kommenden Wochen folgen. „Bei der ersten Abholung konnten wir nicht alle Tiere gleichzeitig transportieren, Emil hat schlicht nicht mehr in den Transporter gepasst“, erklärt Kurator Joshua Förg, der die Tiere wenige Tage vor der Eröffnung selbst von Prag nach Heidelberg gefahren hat.
Der Weg bis zur Eröffnung war lang: Im Februar 2022 beschädigte ein umgestürzter Baum das damalige Schildkrötenhaus so schwer, dass ein Neubau erforderlich wurde. Nach intensiver Planung und einer Bauzeit von rund anderthalb Jahren entstand ein modernes Gebäude, das weit mehr als ein Zuhause für die Schildkröten ist. „Dieses Haus war baulich eine besondere Herausforderung“, erklärt Zoodirektor Dr. Klaus Wünnemann bei der Eröffnung. „Im Bereich der Riesenschildkröten schaffen wir mit Wärmepumpe, Fußbodenheizung und Benebelungsanlage ein warmes und feuchtes Klima. Der Ausstellungsbereich wird nicht geheizt und ist demnach eher kühl und trocken. Diese sehr unterschiedlichen Anforderungen unter einem Dach zu vereinen, war eine anspruchsvolle Aufgabe.“
Im Mittelpunkt des neuen Hauses stehen die Auswirkungen des Klimawandels auf Tiere und Ökosysteme. Die Aldabra-Riesenschildkröten fungieren dabei als Botschafter für Inselökosysteme, die durch den steigenden Meeresspiegel stark bedroht sind. Ein weiterer Themenbereich widmet sich Tieren in Gebirgsregionen. Dort geraten viele hoch spezialisierte Arten unter Druck, da sie sich aufgrund steigender Temperaturen immer weiter in höhere Lagen zurückziehen müssen. Am Beispiel der Peruanischen Samtschrecke wird deutlich, wie empfindlich Arten mit sehr kleinen Verbreitungsgebieten auf Veränderungen ihres Lebensraums reagieren können. Der dritte Bereich beschäftigt sich mit Arten, die vom Klimawandel profitieren. Dazu gehören beispielsweise die Gottesanbeterin, Mauergeckos oder Italienskorpione. Sie stehen stellvertretend für Tiere, die ihr Verbreitungsgebiet aufgrund steigender Temperaturen ausdehnen und zunehmend in Regionen vorkommen, in denen sie früher nicht heimisch waren.
Wie stark sich der Klimawandel bereits direkt vor unserer Haustür bemerkbar macht, zeigt der vierte Themenbereich anhand heimischer Amphibien, wie beispielsweise der Gelbbauchunke Diese leidet zunehmend unter Hitzeperioden und austrocknenden Gewässern. Am Ende des Rundgangs werden den Besuchern Möglichkeiten aufgezeigt, wie sich selbst engagieren können. „Fast 500.000 Menschen besuchen den Zoo Heidelberg jedes Jahr. Diese Reichweite bringt Verantwortung mit sich“, erklärt Kurator Joshua Förg. „Mit der Ausstellung im neuen Schildkrötenhaus möchten wir die Menschen auch für die Herausforderungen des Klimawandels sensibilisieren und zeigen, dass jeder Einzelne einen Beitrag leisten kann.“
In den Wintermonaten lohnt sich ein Besuch im neuen Schildkrötenhaus besonders. Der Bereich der Aldabra-Riesenschildkröten wird ganzjährig auf etwa 28 Grad beheizt und bietet damit selbst an kalten Tagen eine tropische Atmosphäre.