Der Waldrapp ist eine stark gefährdete Vogelart, die lange vom Aussterben bedroht war.

14 Waldrappe reisen nach Spanien

Waldrapp-Auswilderung: 4700 Kilometer für den Artenschutz

Junge Waldrappe aus dem Zoo Heidelberg sollen künftig wieder durch Andalusien fliegen. Vergangene Woche brachten Kurator Joshua Förg und Tierpflege-Auszubildender Aaron Haueis insgesamt 14 Waldrappe zum Zoo Jerez de la Frontera in Südspanien. Dort bereiten sich die Tiere auf ihre Auswilderung im Rahmen des Proyecto Eremita vor. Das langfristige Ziel: Eine dauerhaft ansässige Waldrapp-Population in Andalusien.

Mehr als 4.700 Kilometer legten Joshua Förg und Aaron Haueis zurück, um die 14 Waldrappe sicher an ihren Bestimmungsort zu bringen. Zehn Tiere stammen aus dem Zoo Heidelberg, vier aus dem Zoo Straubing. Alle Vögel sind Nachzuchten aus dem Jahr 2026. Im Zoo Jerez de la Frontera bezogen die Tiere zunächst eine Quarantänevoliere. Nach wenigen Tagen konnten sie bereits in eine größere Auswilderungsvoliere umziehen. Dort lernen sie über mehrere Monate ihre neue Umgebung kennen, bevor die Anlage im Februar 2027 zur Auswilderung geöffnet wird. „Die Fahrt war kräftezehrend, aber jeder Kilometer hat sich gelohnt. Vor Ort konnten wir verschiedene Projektstandorte besuchen und sogar freilebende Waldrappe beobachten. Es war ein unglaubliches Gefühl, zu sehen, wie die Vögel in den Abendstunden zum Schlafen einflogen“, berichtet Joshua Förg.

Das Proyecto Eremita ist ein gemeinsames Artenschutzprojekt der andalusischen Regionalregierung und des Zoos Jerez de la Frontera. Es verfolgt das Ziel, den Waldrapp wieder in Andalusien anzusiedeln. Die Region bietet gute Voraussetzungen für eine ganzjährig ansässige Population.

Der Waldrapp zählt zu den stark bedrohten Vogelarten. In Europa war die Art zwischenzeitlich sogar ausgestorben; nur kleine Kolonien in Marokko und der Türkei überlebten. Seit einigen Jahren helfen Wiederansiedlungsprojekte dabei, neue wildlebende Bestände aufzubauen und langfristig zu sichern. In Mitteleuropa verfolgen Projekte, etwa am Bodensee bei Überlingen, einen anderen Ansatz: Dort müssen die Vögel erst lernen, zwischen ihren Brut- und Überwinterungsgebieten zu ziehen. Bekannt wurde diese Methode unter anderem durch den Einsatz von Leichtflugzeugen des Waldrappteams, mit denen Menschen den Vögeln ihre Zugroute zeigen. Das Waldrappteam engagiert sich gemeinsam mit Partnern im EU-LIFE-Projekt für den Schutz und die Wiederansiedlung von Waldrappen in Europa. Während in Mitteleuropa eine ziehende Population aufgebaut wird, soll in Andalusien eine standorttreue Population entstehen. Beide Ansätze arbeiten gemeinsam am One Plan Approach: Artenschutzmaßnahmen für Tiere in Zoos und in der Natur werden gemeinsam geplant und mit vereinten Kräften aufeinander abgestimmt.

Der Zoo Heidelberg beteiligt sich mit seiner Waldrapp-Zucht am Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP), das vom Alpenzoo Innsbruck koordiniert wird. Auf Empfehlung des Programms konnte der Zoo seine Nachzuchten für das Proyecto Eremita zur Verfügung stellen. Zusätzlich unterstützt der Zoo Heidelberg das Waldrappteam im EU-LIFE-Projekt finanziell über den Artenschutzeuro.

„Wir danken dem Zoo Straubing, dem Alpenzoo Innsbruck, dem Zoo Jerez de la Frontera und allen Projektpartnern für die gute Zusammenarbeit. Dass unsere Nachzuchten einen Beitrag zum Aufbau einer wild lebenden Waldrapp-Population leisten können, ist ein toller Erfolg für den Artenschutz. Unser Dank gilt auch allen Besucherinnen und Besuchern, die mit dem Artenschutzeuro solche Projekte unterstützen“, sagt Joshua Förg. Die Reise nach Andalusien zeigt, wie Zoos durch koordinierte Zuchtprogramme, internationale Zusammenarbeit und gezielte Unterstützung von Artenschutzprojekten dazu beitragen können, bedrohte Tierarten langfristig zu erhalten.

Veröffentlichung: 29.10.2026