Die kleinen Goldkatzen sind fast 6 Wochen alt.

Wertvoller Goldkatzen-Nachwuchs geboren

Sensationeller Zuchterfolg im Zoo Heidelberg

Im Zoo Heidelberg sind zwei Jungtiere der gefährdeten Asiatischen Goldkatze zur Welt gekommen. Die Aufzucht ist ein bedeutender Meilenstein für das Europäische Erhaltungszuchtprogramm, welches für diese bedrohte Tierart in Heidelberg von Sandra Reichler koordiniert wird. In europäischen Zoos sind Goldkatzen eine absolute Seltenheit, seltener als beispielsweise Große Pandas.

Im Zoo Heidelberg gibt es einzigartigen Nachwuchs: Die Asiatische Goldkatze hat Anfang März zwei männliche Jungtiere geboren. Die beiden kleinen Kater sind für den internationalen Artenschutz von großer Bedeutung – der Bestand dieser scheuen Katzenart in europäischen Zoos ist mit nur sechs erwachsenen Tieren extrem gering. In Deutschland ist der Zoo Heidelberg neben dem Tierpark Berlin die einzige zoologische Einrichtung, die aktuell Goldkatzen hält. „Nun leben insgesamt acht Goldkatzen in den Zoos Europas,“ freut sich Zoodirektor Dr. Klaus Wünnemann. „Selbst Große Pandas sind im Vergleich zu den Goldkatzen weit häufiger in Zoos anzutreffen und werden wesentlich öfter gezüchtet.“

Die Geburt stellte das Zoo-Team vor eine schwierige Entscheidung: Da die Jungtiere in der Nacht auf den
1. März im Außengehege geboren wurden und die Temperaturen noch sehr niedrig waren, bestand die Gefahr, dass die beiden nachts unterkühlen. „Normalerweise vermeiden wir eine Handaufzucht unbedingt, um eine Prägung auf den Menschen zu verhindern“, erklärt Kuratorin Sandra Reichler. „In diesem Fall war es jedoch die einzige Möglichkeit, das Überleben und die erfolgreiche Aufzucht der Jungtiere zu sichern.“

Die Aufzucht erforderte in den ersten Wochen großen Einsatz: Rund um die Uhr versorgte ein Team aus Tierpflegern, Tierärztin und Kuratorin die Jungtiere, anfangs im Zwei-Stunden-Takt – auch nachts. Die Tiere hatten kurz nach der Geburt ein Gewicht von rund 150 Gramm, die Augen waren die ersten zwei Wochen noch geschlossen. „Inzwischen haben die kleinen Goldkatzen die Augen geöffnet und beide fressen bereits Fleisch.“, erklärt Bianca Weißbarth, Leiterin des Raubtierreviers. Der Kontakt zum Menschen wird bewusst auf ein Minimum reduziert, um Fehlprägungen zu vermeiden. Auch deshalb ist es sehr wichtig, dass die beiden Jungtiere gemeinsam aufwachsen und so wichtigen Sozialkontakt untereinander haben.

Für den Zoo Heidelberg ist die Geburt ein besonderer Erfolg. Seit 1976 engagiert sich der Zoo in der Haltung und Zucht Asiatischer Goldkatzen und zählt mit insgesamt 26 erfolgreich aufgezogenen Jungtieren zu den erfahrensten Einrichtungen Europas. Dennoch liegt der letzte Zuchterfolg mehr als 20 Jahre zurück. „Die Population in europäischen Zoos ist stark zurückgegangen. Es fehlt an genetisch geeigneten Tieren für die Zucht“, so Reichler. „Die Mutter der Jungtiere stammt aus dem Tierpark Berlin, der sich sehr für die Goldkatzen engagiert und sie aus einem Zoo in Südostasien importiert hat. Wir bedanken uns bei den Kollegen in Berlin ganz herzlich und freuen uns, dass unsere Kooperation so schnell Früchte getragen hat“, erläutert Zoodirektor Dr. Klaus Wünnemann.

Die Haltung gilt als anspruchsvoll, da über die scheuen Tiere nur sehr wenig bekannt ist. Umso wichtiger ist die Forschung im Zoo: Mithilfe von Kameraüberwachung und Verhaltensstudien sammeln die Tierpfleger und Kuratorin Reichler kontinuierlich neue Erkenntnisse über die Tiere. Perspektivisch soll die Zusammenarbeit mit Zoos in Asien weiter ausgebaut werden, da die Art außerhalb Europas nur dort gehalten wird.

Die Asiatische Goldkatze ist in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet von Nepal bis Sumatra zunehmend bedroht. Lebensraumverlust, Wilderei und illegaler Handel setzen den Beständen stark zu. Der Zoo Heidelberg unterstützt daher auch Artenschutzprojekte vor Ort. Bei diesen Projekten werden unter anderem Anti-Wilderer-Einheiten gebildet, die Fallen im Lebensraum der Goldkatze einsammeln. Um Konflikte zwischen Bauern und Goldkatzen zu reduzieren, bauen die Artenschützer darüber hinaus raubtiersichere Hühner- und Ziegenställe. Durch Aufklärungsarbeit wird die Bevölkerung vor Ort über die Goldkatze informiert werden.

Der aktuelle Nachwuchs ist für die weitere Zucht von besonderer Bedeutung: Samin und Mirza, wie die beiden Kater getauft wurden, stärken die kleine Population in Europa und leisten einen wichtigen Beitrag zur langfristigen Sicherung der Art. „Jedes Jungtier zählt“, betont Reichler. „Ohne erfolgreiche Nachzuchten wird es in einigen Jahren keine Goldkatzen mehr in europäischen Zoos geben.“

Mit etwas Glück können Besucher die jungen Goldkatzen in den kommenden Wochen im Gehege neben den Alpakas beobachten – ein seltener Anblick: In den letzten zehn Jahren wurden in allen europäischen Zoos nur vier Goldkatzen geboren.

Veröffentlichung: 08.04.2026