Zooschule bringt höheren Lernerfolg als Schulunterricht / Studie

Auch unsere Schimpansen waren Gegenstand der Forschung. Foto: Rose von Selasinsky

Heidelberg, 3. Februar 2012 /  S. Richter

Dr. Brigitte Seybold von der Pädagogischen Hochschule Heidelberg untersuchte in dreijähriger Studie die Effizienz der Heidelberger Zooschule - Thema waren die Menschenaffen im Zoo Heidelberg - und kommt zu dem Ergebnis: "Schüler lernen im Zoo besser".

Zooschulunterricht ist alles andere als langweilig. Umso erstaunlicher, dass bislang noch nicht wissenschaftlich untersucht wurde, wie er sich auf die Lernergebnisse der Schüler auswirkt.  In ihrer Dissertation "Zoopädagogik am Beispiel der Primaten - Nachhaltigkeit von Zooschulprogrammen in der Orientierungsstufe unter besonderer Berücksichtigung der Zooschule Heidelberg" ist Brigitte Seybold der Frage nachgegangen, ob sich Schüler durch den Zooschulunterricht das angeeignete Wissen länger merken können. In einem Zeitraum von drei Jahren wurden über 1000 Schüler der fünften und sechsten Jahrgangsstufe im Großraum Heidelberg/Mannheim befragt. "Die Zooschulbesucher waren motivierter und haben sich die Fakten länger gemerkt, als die Kinder, die sich nur im Unterricht mit den Menschenaffen beschäftigt haben", fasst Seybold zusammen.

Text Brigitte Seybold zur Studie: "Für Schulklassen ist der Zoo Heidelberg eine beliebte Lernquelle. Die Zooschule ist mit jährlich über 20 000 Besuchern eine der größten Zooschulen Deutschlands. Der Zoo (unter Leitung von Dr. Klaus Wünnemann) und seine Zooschule (mit ihrer pädagogischen Leiterin Daniela Vogt) präsentieren in diesen Tagen eine weitere Facette der Öffentlichkeit: die erfolgreiche Evaluation in einem Forschungsprojekt. In einer groß angelegten Studie von Prof. Dr. Christoph Randler (Pädagogischen Hochschule Heidelberg) und Dr. Brigitte Seybold wurde an der Zooschule Heidelberg über einen Zeitraum von drei Jahren die Nachhaltigkeit des Unterrichts von Zooschulen erforscht. Thema waren Menschenaffen. Prof. Dr. Thomas Braunbeck von der Universität Heidelberg begleitete das Projekt. Bei dem wachsenden Zuspruch, dessen sich die Zooschule in den letzten Jahren erfreut, ist es umso erstaunlicher, dass eine wissenschaftliche Untersuchung ihrer pädagogischen Arbeit bisher fehlte. Weit über tausend Schülerinnen und Schüler der 5. und 6. Klassen des Großraums Heidelberg / Mannheim nahmen voller Eifer an diesem Forschungsprojekt teil. „Dies ist weltweit die größte Zooschulstudie ihrer Art“, so Prof. Randler.
Die Schulklassen beobachteten die Affen im Zoo und erfuhren von den engagierten Zoorangern der Zooschule Heidelberg wichtige Details über das Leben der Tiere im Zoo und in freier Wildbahn. In einem eigens darauf abgestimmten Lernprogramm erweiterten sie ihr Wissen dazu im Schulunterricht. Die Ergebnisse der empirischen Studie liegen nun vor und zeigen, dass ein reines Schulbuchwissen nicht ausreicht. Kinder, die den Zoo und die Zooschule besuchen, sind viel motivierter und merken sich wichtige Fakten weitaus länger. Dieser Unterschied besteht selbst ein halbes Jahr später noch. Kinder, die sich in ihrer Freizeit viel mit Tieren beschäftigen, schnitten beim Beantworten der Fragebögen übrigens besonders gut ab.
Die Ergebnisse der Studie sind auch weit über Heidelberg hinaus von Interesse, da viele Schulen die Kooperation mit Zooschulen zur Förderung der Lernmotivation bewusst suchen. Im begleitenden Unterricht erfahren die Schüler u.a., dass in einer globalen Welt die Verantwortung für unsere nächsten Verwandten im Tierreich, die Menschenaffen, allen bewusst sein sollte. Sowohl die Bevölkerung in den Ursprungsländern als auch wir in den westlichen Ländern können z.B. durch den bewussten Umgang mit Ressourcen helfen, diese faszinierenden Tiere zu erhalten. Der Zoo Heidelberg beteiligt sich am Recycling von alten Handys, um den Abbau von Coltanerz in den afrikanischen Ursprungsländern einiger Menschenaffen möglichst einzuschränken oder macht in seinen Unterrichtsprogrammen auf die bedrohliche Vernichtung des Regenwaldes in Indonesien durch die Einrichtung von Palmölplantagen aufmerksam. Die erschreckende Jagd nach Buschfleisch, d.h. die Ermordung ganzer Affenfamilien, muss ebenfalls weltweit ein wichtiges Thema des Artenschutzes sein, wenn auch unsere Enkel noch den Menschenaffen begegnen wollen.
Zoos und Zooschulen tragen, wie eine ergänzende Befragung von weiteren Zooschulen in Deutschland und im europäischen Ausland im Rahmen der Studie zeigte, in besonderem Maße dazu bei, dies ausgehend von der jungen Generation einer breiten Öffentlichkeit bewusst zu machen. Eindrücke der aktuellen Lebensbedingungen der Menschenaffen in den afrikanischen und asiatischen Heimatländern erweitern das Gesamtbild der Studie.