Zoo Heidelberg: Schrullig oder schillernd – an den Bronzeputen scheiden sich die Geister

Ganz eindeutig der Hahn im Korb. Foto von Heidrun Knigge

Zoo Heidelberg, 29. Februar 2012 / S. Richter  Sie sind aufgeweckt, neugierig und ihrem schwarzen Gefieder, das in einem schönen Bronzeton glänzt und in allen Regenbogenfarben schillert, verdanken sie ihren Namen: Bronzeputen. Der Zoo Heidelberg beherbergt seit Kurzem drei Weibchen und ein Männchen dieser alten und heute gefährdeten Nutztierrasse.
Die recht stattlichen Bronzeputen sind aktive und lauffreudige Tiere. Sobald sich ein Besucher dem Gehege nähert, wird mit ihm Kontakt aufgenommen. Gerne plustert sich das Männchen bei der Gelegenheit auf, zeigt sein prächtiges Gefieder und schlägt ein Rad, was die Besucher und vor allem seine Frauen beeindruckt. Auch kommt es oft vor, dass die Tiere den Besucher am Gehege entlang rennend begleiten oder rasch einen Baum umrunden, was wirklich sehr lustig ist.
Ihr Äußeres mag auf den ersten Blick nicht sehr gewinnend sein – mit ihrem langgestreckten kräftigen Rumpf, kahlem Kopf und den roten Fleischwarzen am Hals gibt die Bronzepute ein etwas schrulliges Bild ab. Puten sind wie Hühner sogenannte Scharrvögel. Sie sind schnelle und ausdauernde Läufer und haben eine gute Weitsicht. Zum Ruhen fliegen sie gerne auf Bäume. Zu ihrer Nahrung gehören Gräser, Blätter, Früchte, Schnecken, Insekten sowie andere Kleintiere. Als Verdauungshilfen nehmen sie Sand und kleine Steinchen auf, welche die Nahrung zusätzlich zerkleinern. Weibliche Bronzeputen sind zuverlässige Brüterinnen. Eine Bronzepute legt im Jahr 20-50 Eier, die Brutzeit dauert in der Regel 28 Tage. Erst die schlüpfenden Jungen geben ihr das Zeichen, nicht weiter zu brüten. Sollte allerdings ein Ei taub sein, brütet die Pute dennoch weiter, bis sie verhungert. Der Mensch muss sie deshalb vom Nest nehmen, damit sie Futter und Wasser aufnimmt.
Anfang des 16ten Jahrhunderts kamen die aus Nordamerika stammenden Ahnen der heutigen Bronzeputen nach Europa. Sie gelangten über Spanien nach England und schließlich 1533 nach Deutschland. Durch Beschaffung eines englischen Hahnes im Jahre 1909 wurde die Zucht der Bronzepute in Deutschland nachhaltig geprägt. Leider gehört die Bronzepute, auch Bronzepute alten Schlags genannt, in Deutschland zu den bedrohten Nutztierrassen und steht auf der Roten Liste. 1997 gab es in Deutschland nur noch 334 Tiere, mittlerweile hat sich der Bestand ein wenig erholt.
Mit den Bronzeputen erweitert der Zoo seinen Bestand an bedrohten Haustierrassen. Im Zoo leben nicht nur exotische Tiere aus fernen Ländern sondern auch Tiere aus unserem direktem Umfeld, über die wir viel lernen können: Hühner, Ziegen, Esel, Ponys, Schafe, Schweine und nun auch die Bronzeputen.