Zoo Heidelberg: Deutschsprachige Tagung zur Tierbeschäftigung in Heidelberg

Gruppenbild: Über 160 Tierpfleger, Tierärzte und Kuratoren tagten zum Thema "Tierheschäftigung"

Heidelberg, 9.5.2011 / S. Richter  „Enrichment“, so der englischsprachige Begriff für Tierbeschäftigung, wird von vielen Zoos bereits erfolgreich praktiziert. Das zeigte auch das große Interesse an der „Deutschsprachigen Tagung für Tierbeschäftigung“, die vom Heidelberger Zoo und vom „Berufsverband der Zootierpfleger e.V. (BdZ) organisiert wurde. 160 Zoo-Tierpfleger, Tierärzte und Kuratoren trafen sich vom 6. bis 8. Mai in Heidelberg, um sich bei den zahlreichen Vorträgen und Workshops über die vielfältigen Beschäftigungsmöglichkeiten für Zootiere auszutauschen. Ebenso wie der Zoobesuch den Menschen einen kurzweiligen Tag beschert, werden auch den Tieren des Zoos viele Beschäftigungsmöglichkeiten angeboten
Ein wichtiger Teil dieses „Tierunterhaltungsprogramms“ ist der Zoobesucher selbst. Er wird gerne beäugt und beobachtet, was er so vor dem Gehege treibt. Doch in einer modernen Zootierhaltung wird neben einer großzügigen Gestaltung der Gehege und der bestmöglichen Versorgung der Tiere auch ihr Alltag möglichst artegerecht und abwechslungsreich gestaltet. Tierbeschäftigung ist heute ein wichtiger Bereich im Zootiermanagement, mit der sich viele Wissenschaftler und Pfleger beschäftigen und die erheblich zum Wohlbefinden der tierischen Pfleglinge beiträgt. In freier Natur stellt die Nahrungssuche und -aufnahme einen großen Teil des Tagesablaufs vieler Tierarten dar. Die Sinne werden durch Umweltreize ständig neu gefordert, was selbst in einem gut strukturierten und natürlich gestalteten Tiergehege nur eingeschränkt der Fall sein kann. Deshalb sind in einem modernen Zoo engagierte Tierpfleger gefragt, die sich um das psychische Wohlergehen ihrer Tiere kümmern und sich immer neue Beschäftigungsmöglichkeiten ausdenken. Es geht hierbei nicht um willkürliche Bespaßung der Tiere, auch nicht um Marketing-Strategien für sensationsbegeisterte Zoobesucher, sondern um die Erhaltung des natürlichen Wohlbefindens der anvertrauten tierischen Schützlinge. Auf diese Weise zeigt sich ein abwechslungsreiches Verhaltensrepertoire, Aggressionen und Stereotypen werden vermieden, das Spielverhalten gestärkt.
Der Heidelberger Zoo zählt zu den führenden Zoos im Bereich der Tierbeschäftigung. Die Haltung, Beschäftigung und das Training der vier jungen Elefantenbullen zählt zu den qualitativ herausragenden Beispielen für gelungenes Enrichment ebenso wie das ausgefeilte Beschäftigungsprogramm für die Menschenaffen. Anderen Affenarten wie den Hulmans oder Roloway-Meerkatzen werden Hängebrücken, Seile oder Strickleitern in ihr Gehege gehängt, um so ihrem natürlichen Spiel- und Bewegungsdrang nachkommen zu können. Den Löwen und Tigern wird das Futter manchmal erhöht aufgehängt, so dass es nur mit einem mächtigen Sprung erreicht werden kann. Andere Tiere, wie die Kamele, freuen sich, wenn sie sich an den extra dafür angebrachten Kratzstellen das Fell reiben können. Im Rahmen einer Dressur, die täglich um 11.00 Uhr und um 16.00 Uhr (außer freitags) vorgeführt wird, können sich die Mähnenrobben ihr Futter selbst erarbeiten. Die gezeigten Kunststücke sind freiwilliger Natur, da die Tiere in jedem Fall ihre üppige Fischration erhalten. Die Dressur basiert allein auf der positiven Verstärkung, die der Pfleger den lernfähigen Tieren durch kleine Belohnungen oder lobende Worte zukommen lässt. Die Kunststücke selbst bauen auf natürlichen Verhaltensweisen der Tiere auf. Im Sommer ist bei den syrischen Braunbären eine Eisbombe der Hit. Zahlreiche Leckereien werden in einem Eimer mit Tee, Fruchtsaft oder Wasser eingefroren. Keas, die neuseeländischen Bergpapageien, kann man mit verschlossenen Kisten, die es zu öffnen gilt, aus der Reserve locken.