Zoo Heidelberg: Artenschutz heißt Leben retten

Sumatra Tiger-Dame Kim. Foto von Rose v. Selasinsky

Heidelberg. 5. Januar 2012 / S. Richter  Jeder Einzelne kann einen Beitrag zur Bewahrung der Natur – auch vor der eigenen Haustür – leisten. „Wenn jeder unserer 600.000 Zoobesucher den Zoo mit ein wenig mehr Engagement für den Naturschutz verlässt als er ihn betreten hat, dann haben wir ein ganz wichtiges Ziel erreicht,“ erklärt Zoodirektor Dr. Klaus Wünnemann. Der Schutz der natürlichen Vielfalt ist eine der wichtigsten Aufgaben unserer Zeit. Immer stärker greift der Mensch in die Natur ein, weltweit weicht der Lebensraum vieler Tier- und Pflanzenarten den menschlichen Aktivitäten, werden Tiere aus unterschiedlichen Gründen gejagt und getötet. Hilfe ist dringender nötig denn je. Die besten Zoos in aller Welt reagieren auf diese Probleme und haben sich zur Aufgabe gesetzt, den Artenschutzgedanken durch direkte Schutzbemühungen und durch Bildung ihrer Besucher voranzutreiben.
„Der Zoo Heidelberg zählt den Artenschutz zu seinen Kernaufgaben“, betont Zoodirektor Dr. Klaus Wünnemann. Die Bestände mancher Tierarten sind in freier Wildbahn so rückläufig, dass sie nur durch die Haltung und gezielte Vermehrung in Menschenobhut vor der Ausrottung bewahrt werden können. Der Zoo Heidelberg bietet Lebensraum für viele bedrohte Tierarten. „Wenn immer möglich, stellen wir im Zoo gezüchtete Tiere zur Wiederansiedlung zur Verfügung“, erklärt die Biologin Sandra Reichler. Die bei der Haltung und Zucht gewonnenen, wissenschaftlichen Erkenntnisse kommen auch den Artgenossen in freier Wildbahn zugute. Dazu wurden zentral koordinierte Europäische Erhaltungszuchtprogramme (EEP) geschaffen, an denen sich viele Zoos beteiligen. Der Zoo Heidelberg nimmt aktuell an 17 Europäischen Erhaltungszuchtprogrammen teil und das Team des Zoos am Neckar arbeitet aktiv in Erhaltungszuchtprogrammen vieler Arten wie Gorillas und asiatischen Elefanten mit. Sandra Reichler führt das Zuchtbuch der seltenen Asiatischen Goldkatze. „Wichtig ist vor allem die Zusammenarbeit mit Schutzprojekten in Südostasien, damit diese wunderschöne Katzenart vor der Ausrottung bewahrt werden kann“, so Reichler. Die Zerstörung des Tropischen Regenwaldes, aber auch die Jagd auf ihr rotgoldenes Fell haben die Asiatische Goldkatze selten werden lassen. Neben der Zucht bedrohter Tiere leistet auch die Bildung der Zoobesucher einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz. Besonders die Programme der Zooschule legen großen Wert auf die Vernetzung von naturwissenschaftlichem Wissen und handlungsorientierten Naturschutz.
Außerdem beteiligt sich der Zoo Heidelberg an den jährlichen Artenschutzabkommen des Europäischen Zooverbands (EAZA). Mit Unterschriften und Sammlungen werden dringende Naturschutzprobleme wie die Ausrottung der Menschenaffen bekannt gemacht und Aktionen zum Schutz der betroffenen Tiere gestartet. Die nächste EAZA-Kampagne 2012 widmet sich bedrohten Tierarten in Südostasien. Im Zoo Heidelberg sind viele Tiere aus Südostasien beheimatet, zum Beispiel die scheue und schöne Goldkatze, die neugierigen Binturongs oder die quirligen Kurzkrallenotter.
Zusätzlich zu den Aktivitäten in Heidelberg beteiligt sich der Zoo an verschiedenen Projekten innerhalb (In-situ) der natürlichen Lebensräume bedrohter Tierarten. Dafür wird ein fester Etat bereitgestellt. Die Zoobesucher unterstützen mit einem Teil Ihrer Eintrittsgelder die Artenschutzprogramme des Zoos. So flossen im Jahr 2011 über 50.000 Euro der Zooeinahmen sowie Spenden der laufenden Kampagnen direkt in Artenschutzprojekte. Seit über 10 Jahren engagiert sich der Zoo in Westafrika. In den letzten Resten der westafrikanischen Regenwälder leben die seltensten Affen Afrikas. Unter ihnen ist auch die elegante Roloway-Meerkatze, die im Zoo Heidelberg gehalten wird. 2001 hat der Zoo dort die „West African Primate Conservation Action“, kurz WAPCA, gegründet, um durch Naturschutz und Umweltbildung in Ghana und der Elfenbeinküste die bedrohten Affenarten vor der Ausrottung zu bewahren.
Der Zoo Heidelberg kümmert sich aber auch um ein Artenschutzprojekt direkt vor unserer Haustür. Kaum einer weiß, dass der Feldhamster in unseren Breiten fast ausgestorben ist. Zusammen mit dem Mannheimer Artenhilfsprogramm für den Feldhamster werden die Tiere im Zoo Heidelberg nachgezüchtet, um dann die Jungtiere wieder in geeigneten Lebensräumen des Rhein-Neckar-Raumes auszuwildern.
Beide „in-situ-Projekte“ des Zoos wurden vom Weltzooverband WAZA mit dem „Zertifikat für In-situ-Artenschutz“ als beispielhaft ausgezeichnet.
Neben Roloway-Meerkatze und Feldhamster stehen aktuell bedrohte Tierarten Madagaskars, der Philippinen und die Mähnenrobben Südamerikas im Fokus. Zusätzlich hilft ein Notfallfond, falls weitere Projekte dringend finanzielle Hilfe benötigen.