Zählen, wiegen und messen – der Heidelberger Zoo macht tierische Inventur

Unser erster Nachwuchs bei den Faultieren: Foto von Thomas Bersch

Heidelberg, 18. Januar 2012  S. Richter  Einmal im Jahr werden im Zoo nicht nur die Besucher gezählt, sondern auch die Tiere, Futtersäcke, Werkzeuge, Reinigungsmittel und vieles mehr. Während es bei Gegenständen oder Futter meist wenig Überraschendes gibt, ist die Tierinventur für die Zoomitarbeiter immer wieder spannend. Kein Zoobewohner kann sich verstecken, nicht die fixeste Inkaseeschwalbe bleibt unentdeckt. „Im letzten Jahr konnten wir uns über zahlreichen gesunden Nachwuchs freuen“, berichtet Sandra Reichler, wissenschaftliche Assistentin im Zoo und verantwortlich für die Tierinventur, „darunter auch Nachwuchs von seltenen und bedrohten Tierarten“. Die kleine Roloway-Meerkatze, die am 11. März 2011 das Licht der Welt erblickte, gehört zu den etwa 30 Tieren, die in den Zoos weltweit gehalten werden. Der Zoo Heidelberg hält mit sieben Tieren damit ein Viertel des Weltbestandes der Roloway-Meerkatzen in menschlicher Obhut. Im Juni wurde Gorilla-Junge „Kwame“ geboren, mit „Pebbles“ gab es den ersten Nachwuchs von Faultierpaar „Wilma“ und „Fred“. Mehrfacher Nachwuchs bei den possierlichen Erdmännchen entzückte die Besucher und Mähnenrobbenbaby „Awa“, im Juli geboren, planschte und schwamm sich rasch in alle Herzen. Weiterhin gab es Nachwuchs bei den Stachelschweinen, Kamelen, großen Kudus und Kaiserschnurrbarttamarinen. Einmalig in Europa war die Geburt von Schopfhirsch „Maya im Oktober.
Die Tierinventur einmal im Jahr dient dazu, die ständig beobachteten und notierten Veränderungen im Tierbestand mit der tatsächlichen Zählung abzugleichen und eventuelle Abweichungen zu überprüfen. Da kann es schon mal passieren, dass das Geschlecht eines Tieres kurz nach der Geburt doch falsch bestimmt worden war oder dass der Verlust einer Ente durch einen Fuchs erst bei der Inventur bemerkt wird. Mehrere Tage mühten sich die Tierpfleger, um alle Tiere zu erfassen, aber nicht jede Tierart ist dabei so kooperativ und leicht zu zählen wie zum Beispiel ein Zebra. Die flinken Rhesusaffen wollen nie stillhalten und entwischen keck in alle Richtungen und die Vögel fliegen sowieso alle durcheinander. Trotz solcher „Widrigkeiten“ müssen alle Tiere sorgfältig aufgenommen werden. Zur Inventur zählt zum Beispiel bei den Mähnenrobben auch, dass sie gewogen werden, um so die Entwicklung, den Gesundheitszustand oder eine eventuelle Trächtigkeit zu überwachen. Dank einer neuen Waage klappt das für Tier und Pfleger reibungslos. Mähnenrobbenbulle Atos, der mit seinen sechs Jahren fast die Pubertät hinter sich gebracht hat, wiegt stolze 320 Kilo. Kaum zu glauben, dass der jetzt bereits mächtige Bulle in den nächsten Jahren weitere 200 Kilo zunehmen kann.

Am 31.12.2011 lebten im Zoo Heidelberg insgesamt 1301 Tiere in 170 Arten, das entspricht in etwa dem Bestand vom Vorjahr. Die größte Tiergruppe sind die Vögel, die mit 89 Arten und 526 Individuen vertreten sind, dicht gefolgt von den Säugetieren mit 62 Arten und 440 Individuen.
Einige Tiere sind gestorben, wie die beiden Löwenmänner Banka und Tschatscha und der Sumatra-Tiger Sabu. Aber es kamen auch gewichtige Neuzugänge, wie im April der fünfjährige Elefantenbulle Gandhi aus Kopenhagen, der in die Gruppe der Jungbullen-WG sehr gut integriert ist. Auch Sari, ein charmantes und lebhaftes Orang-Utan Weibchen aus dem Zoo Moskau, hat sich seit ihrer Ankunft im Oktober 2011 bereits prächtig eingelebt. Mit gleich fünf weiblichen Rotbauchmakis ist eine neue und liebenswerte Tierart an den Neckar gezogen. Die dunkelbraun gefärbten Rotbauchmakis mit ihren kugelrunden, leuchtenden Augen zählen zu den Lemuren, eine Primatenart, die nur auf Madagaskar heimisch ist.
„Insgesamt kann der Zoo Heidelberg auf ein äußerst erfolgreiches Jahr in der Tierhaltung zurückblicken“ so Zoodirektor Dr. Klaus Wünnenmann. „Wir hoffen, dass wir im Jahr 2012 so weitermachen können!“