Zählen, wiegen und messen – der Heidelberger Zoo macht tierische Inventur

Einmal im Jahr werden im Zoo nicht nur die Besucher gezählt, sondern auch die Tiere, Futtersäcke, Werkzeuge, Reinigungsmittel und vieles mehr. Während es bei den nicht-lebenden Gegenständen meist wenig Überraschendes gibt, ist die Tierinventur für die Zoomitarbeiter immer wieder spannend. Kein Zoobewohner kann sich verstecken, nicht der kleinste Igeltanrek bleibt unentdeckt.

„Bei unseren Blessböcken konnten wir uns im letzten Jahre über zahlreichen Nachwuchs freuen“, erklärt Sandra Reichler, wissenschaftliche Assistentin im Zoo und verantwortlich für die Tierinventur. „Auch bei den Kängurus kündigte sich Ende 2009 dreifacher Nachwuchs an, ein Jungtier hüpft bereits über die Anlage“. Sehr erfolgreich verlief auch die Zucht der Kugelgürteltiere. Vier Jungtiere dieser seltenen Tierart wurden geboren. Schmerzlich traf das gesamte Zooteam und viele Freunde und Besucher des Heidelberger Zoos der plötzliche Tod des charismatischen Mähnenrobbenbullen „Henry“, der Anfang Juli an einer Lungenentzündung verstarb. Glücklich konnte der Zoo deshalb über die Geburt von Mähnenrobben-Mädchen Holly sein, die am 25. Juni als Tochter von Henry geboren wurde. Bei den Seychellen-Riesenschildkröten gab es nur Gutes zu berichten. Sie erhielten ein großes Freigehege und bezogen Anfang Januar 2009 ein modernes Schildkrötenhaus. Außerdem bekamen die ältesten Bewohner des Heidelberger Zoos im Laufe des Jahres Gesellschaft von fünf weiteren Artgenossen, so dass die Zoobesucher, wenn das Wetter es bald wieder zulässt, sieben Tiere dieser beindruckenden Art auf der Außenanlage bewundern können.

Die Tierinventur einmal im Jahr dient dazu, die ständig beobachteten und notierten Veränderungen im Tierbestand mit der tatsächlichen Zählung abzugleichen und eventuelle Abweichungen zu überprüfen. Da kann es schon mal passieren, dass das Geschlecht eines Tieres kurz nach der Geburt doch falsch bestimmt worden war oder dass der Verlust einer Ente durch einen Fuchs erst bei der Inventur bemerkt wird. Mehrere Tage mühten sich die Tierpfleger, um alle Tiere zu erfassen, aber nicht jede Tierart ist dabei so kooperativ wie zum Beispiel ein Zebra. Sicher kann manch ein Tierpfleger die alljährliche Inventur entspannt sehen, da er seine Schützlinge, handelt es sich beispielsweise um Gorillas und Tiger, problemlos zählen kann. Die flinken Rhesusaffen aber wollen nicht stillhalten und entwischen keck in alle Richtungen und die Vögel fliegen natürlich auch alle durcheinander.

Trotzdem: Alle Tiere müssen sorgfältig aufgenommen werden. Am 31.12.2009 lebten im Zoo Heidelberg insgesamt 1319 Tiere in 159 Arten, das entspricht in etwa dem Bestand vom Vorjahr, obwohl es einige bedeutsame Veränderungen gab. In der großen Ibis-Voliere gab es bei den Braunen und Roten Sichlern zahlreichen Nachwuchs. Mit den Rosa Löfflern, auch Neuzugänge im Zoo 2009 und wie die Sichler südamerikanischer Herkunft, erfreuen prächtig leuchtende Gefieder dieser hübschen Tiere das Auge der Besucher.

Die beiden Elefantendamen Jenny und Ilona sind Ende des Jahres in den Zoo Karlsruhe umgezogen. Dafür werden im Sommer 2010, wenn des neue Elefantenhaus fertig gestellt ist, drei Elefantenbullen einziehen, um eine Junggesellen-WG zu gründen. Ende des alten und Anfang des neuen Jahres zogen mit zwei Alpakas (eine dritte Alpaka-Dame kommt im Laufe des Januar nach Heidelberg) eine neue und liebenswerte Tierart in den Zoo.
„Der Tiergarten kann insgesamt auf ein äußerst erfolgreiches Jahr in der Tierhaltung zurückblicken“ so Zoodirektor Dr. Klaus Wünnenmann. „Wir hoffen, dass wir im Jahr 2010 so weitermachen können!“

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