Vom hässlichen Entlein zum stolzen Flamingo

Flamingo-Küken zwischen den Großen. Foto von Heidrun Knigge

Heidelberg, 22. Juli 2011 / S. Richter So mancher Zoobesucher wundert sich derzeit über die flauschigen grauen Federknäuel, die sich seit kurzem zwischen den Roten Flamingos tummeln und den langbeinigen, auffälligen Tieren auf den ersten Blick nicht so recht ähnlich sehen wollen. Dabei handelt es sich jedoch nicht etwa um hässliche Entlein sondern tatsächlich um Flamingo-Jungtiere.


Innerhalb kürzester Zeit konnte sich der Zoo Heidelberg über dreifachen Flamingonachwuchs freuen. Am 4., 6. sowie am 15. Juli schlüpfte jeweils ein Junges. Inzwischen haben die Küken ihre Nester verlassen und bilden, da sie meist beieinander stehen, fast schon eine Art Kindergarten. Obwohl die Jungtiere nur wenige Tage voneinander trennen sind deutliche Unterschiede hinsichtlich der Entwicklung zu erkennen. Das Kleinste stakst noch sehr unbeholfen durchs Wasser und kämpft auf dem rutschigen Untergrund am Rande der Flamingoinsel mit dem Gleichgewicht. Küken Nummer zwei hingegen übt sich bereits fleißig im einbeinigen Stehen, was bisweilen jedoch noch recht wackelig aussieht. Das älteste Junge hingegen verlässt seine Altersgenossen durchaus einmal und möchte wohl schon zu den „Erwachsenen“ gehören. Für seine aufmüpfige Art erntet es hin und wieder auch mal einen leichten Kopfstoß von den älteren Vögeln. Nach ausgiebigen Erkundungen kehren die Kleinen wieder in ihre kegelförmigen Nester zurück, um sich auszuruhen. Dort werden sie zumeist von mindestens einem Elternteil bewacht. Das Ausbrüten und die Aufzucht der Küken ist unter Flamingos übrigens Sache beider Elternteile, wobei je Paar nur ein Ei gelegt wird. Mutter und Vater wärmen das Ei zunächst abwechselnd und auch das Füttern nach dem Ausschlüpfen wird von beiden übernommen. Dazu wird in der Speiseröhre eine spezielle Nährflüssigkeit gebildet, die den Jungen eingegeben wird.
Erst nach und nach wandeln die mausgrauen Küken ihr Aussehen hin zur gewohnten Erscheinung eines eleganten, farbenprächtigen Flamingos. Die typische, abgeknickte Form des Schnabels entwickelt sich erst nach zirka zwei Monaten, bis dahin sind die Jungen von der Versorgung durch die Eltern abhängig. Im Alter von zwei Jahren dann nimmt das Gefieder die charakteristische rote Farbe an. Dies wird durch rote Farbstoffe, die die Vögel in freier Wildbahn über den Verzehr kleiner Krebstierchen erhalten, verursacht. Im Teich des Zoo Heidelberg finden die Flamingos diese Krebse zwar ebenfalls, jedoch reicht die Menge für die Anzahl der Vögel nicht aus. Deshalb werden zusätzlich entsprechende Farbstoffe zugefüttert, um zu gewährleisten, dass sich die leuchtendrote Kolonie nicht in eine unscheinbare Gruppe hässlicher Entlein verwandelt.