Tierbeschäftigung - Enrichment

Löwen im Zoo Heidelberg
Löwen spielen mit Stofftier © S. Fischer

Keine Zeit für Langeweile

Ebenso wie der Zoobesuch den Menschen einen kurzweiligen Tag beschert, werden auch den Tieren des Zoos viele Beschäftigungsmöglichkeiten angeboten. Der wissenschaftliche Begriff lautet "Enrichment", hier beispielhaft zwei Definitionen, was man sich darunter vorstellen kann:
BEAVER (1989): „Ergänzungen in der Umwelt des Tieres, mit denen es „voluntarily“ (freiwillig) interagiert und als Ergebnis verbesserte physische und / oder psychische Gesundheit erfährt“.
VAN DE WEERD & BAUMANS (1995): „Veränderung der Lebensumwelt von in Gefangenschaft gehaltenen Tieren, um Ihnen die Möglichkeit zu geben, mehr von ihrem natürlichen Verhaltensrepertoire ausleben zu können“.

Ein wichtiger Teil dieses „Tierunterhaltungsprogramms“ ist der Zoobesucher selbst. Er wird gerne beäugt und beobachtet, sei es von den aufmerksamen Poitou-Eseln, die auf eine kleine Streicheleinheit warten oder von der vielköpfigen Rhesusaffengruppe.

In freier Natur stellt die Nahrungssuche und -aufnahme den größten Teil des Tagesablaufs vieler Tierarten dar. Auch im Zoo werden diese Tiere durch die Art der Futtergaben über längere Zeiträume beschäftigt. Dabei wird die Nahrung nicht an einer Stelle vorgelegt, sondern an unterschiedlichen Stellen in mehreren kleinen Portionen angeboten. Für die Schimpansengruppe  halten die Pfleger ein besonderes Beschäftigungsprogramm bereit. In der sogenannten Futterbox, einer etwa koffergroßen Kiste, werden wohlschmeckende Leckereien versteckt. Diese können nur in mühsamer Kleinarbeit mit kleinen Stöckchen dort herausgeangelt werden. Unseren Löwen wird das Futter manchmal erhöht aufgehängt, so dass es nur mit einem mächtigen Sprung erreicht werden kann. Andere Tiere, wie die Kamele, freuen sich, wenn sie sich an den extra dafür angebrachten Kratzstellen das Fell reiben können.

Im Rahmen einer Dressur, die täglich um 11.00 Uhr und um 16.00 Uhr (außer freitags) vorgeführt wird, können sich die Mähnenrobben ihr Futter selbst erarbeiten. Die gezeigten Kunststücke sind dennoch freiwilliger Natur, da die Tiere in jedem Fall ihre üppige Fischration erhalten. Die Dressur basiert allein auf der positiven Verstärkung, die der Pfleger den lernfähigen Tieren durch kleine Belohnungen oder lobende Worte zukommen lässt. Die Kunststücke selbst bauen auf natürlichen Verhaltensweisen der Tiere auf.