Studieren ganz nahe bei den Tieren. Einmal im Jahr findet das Seminar „Tiergartenbiologie“ statt

Die Studenten zeigen stolz ihre Entwürfe für idealtypische Gehege und didaktische Tierbeschilderung

Heidelberg, 30. August 2013  S. Richter  Der Zoo Heidelberg bietet für Studierende der Biowissenschaften der Universität Heidelberg einmal im Jahr zwei Lehrveranstaltungen zum Thema „Tiergartenbiologie“ an. Das Seminar und das anschließende Praktikum erfreuen sich bei den Studenten aufgrund der engen Verzahnung von Theorie und Praxis großer Beliebtheit.
„Es ist so toll, dass wir mit den Tieren direkten Kontakt haben und so viel Interessantes über den Zoo und die Arbeit mit Tieren lernen“, schwärmt Désirée Grawunder. Die Studentin der Biowissenschaften an der Universität Heidelberg absolviert mit sieben weiteren Kommilitonen die Lehrveranstaltung „Tiergartenbiologie“, die seit über zehn Jahren im Zoo Heidelberg angeboten und von der Kuratorin des Zoos Sandra Reichler betreut wird. Alle sind begeistert, dass sie während des Studiums die Bedeutung des Zoos als außerschulischen Lernort kennenlernen und sich wissenschaftlich mit der Tierhaltung auseinandersetzen können. Aber ohne Theorie geht es natürlich nicht. Der theoretische Teil der Lehrveranstaltung umfasst die Einführung in eine vielschichtige Thematik mit Referaten über die geschichtliche Entwicklung der Tierhaltung, über die Zoo-Pädagogik, über die zootierärztliche Betreuung aber auch über spezielle Themen wie die Elefantenhaltung. Im Anschluss folgt dann der zweiwöchige Praxisteil, bei dem die Studenten in Kleingruppen aufgeteilt werden und vier konkrete, praktische Aufgaben für jeweils eine Tierart zugewiesen bekommen. Für die ausgewählte Tierart – in diesem Jahr waren das die Hulmans, Aras und Seychellen-Riesenschildkröten – sollen Beschäftigungsprogramme entwickelt und im Anschluss wissenschaftlich evaluiert werden. Bei dieser Aufgabe müssen sich die Studenten mit verhaltensbiologischen Aspekten auseinandersetzen und Ziele unter den Fragestellungen festlegen wie: Erreiche ich, dass das Tier längere Zeit mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt ist oder bringe ich das Tier dazu, bestimmte Verhaltensweisen häufiger zu zeigen, wie zum Beispiel Spielverhalten? Da Seychellen-Riesenschildkröten sich selbst nicht kratzen können, Insektenstiche aber heftig jucken, bastelte die Gruppe eine „Bürstenkonstruktion“. Diese, so die Hoffnung der Studenten, sollen die gepanzerten Riesen als Kratzstation erkennen und wenn möglich auch mit Begeisterung nutzen. Ein erster Erfolg zeigte sich recht schnell. Der über 200 Kilogramm schwere Emil nahm die Konstruktion sofort in Augenschein und hievte sich beherzt über die kratzigen Besen hinweg. Den cleveren Hyazinth-Aras wurde eine Wippe ins Gehege gestellt, auf der auf der einen Seite Walnüsse versteckt platziert wurden. Die schlauen Tiere fanden in Sekundenschnelle alle Nüsse und zerlegten bei der Gelegenheit die gesamte Wippe gleich mit. Die Hulmans erhielten mit Futter gefüllte kleine Plastikbälle, aufgehängt an Feuerwehrschläuchen. Es oblag dem neugierigen und mutigen Haremschef „Hector“, als erster die Leckerlis aus den Plastikbällen zu angeln. Aufgabe zwei stellt die Studenten vor die Herausforderung, ein Idealgehege für ihre Tierart zu planen. Ziel ist zu lernen, was eine Tierart braucht, um artgerecht gehalten zu werden. Die dritte Aufgabe verlangt, ein möglichst interaktives und didaktisch gestaltetes Themenschild zu entwerfen. Aufgabe vier ist das Schreiben einer Pressemeldung über das jeweilige Projekt.

„Lehrveranstaltungen in Tiergartenbiologie sind im Rahmen des Studiums durchaus sinnvoll, da die klassische Zoologie bei der Ausbildung von Biologen eine immer geringere Rolle spielt, erklärt Steffanie Richter, Pressesprecherin des Zoos. „In den zwei Wochen können wir wenigstens die Grundzüge der Tiergartenbiologie vermitteln“, beschreibt Kuratorin Sandra Reichler ihre Ziele für das Seminar. „Die Studenten sollten ein Einblick in die Arbeit eines zoologischen Gartens erhalten. Wir freuen uns sehr, wenn die Studierenden den Zoo als wichtigen außerschulischen Lernort wahrnehmen. Wichtig ist, dass die Studenten lernen, die Tierhaltung nicht nur subjektiv und emotional sondern vor allem wissenschaftlich zu bewerten.

Studentin Ann-Katrin Fahl kann das nur bestätigen: „Nach diesem intensiven Blick hinter die Kulissen beurteile ich Zoos in ihrer Arbeit nun ganz anders, gerade im Hinblick auf die Mühe, die man sich bei der Beschäftigung für die Tiere gibt“.

Auch die Zooschule bietet in Kooperation mit der Pädagogischen Hochschule Heidelberg im kommenden Wintersemester ein Seminar zum Thema „Außerschulischer Lernort Zoo“ an. Die angehenden Lehrer entwickeln in diesem Seminar Unterrichtseinheiten zu unterschiedlichen Tierarten und wenden ihre Erkenntnisse dann auch im Unterricht an.