Seltener gefiederter Nachwuchs im Zoo Heidelberg

Küken und Mama Sonnenralle: Schönes Foto von Thomas Bersch

Heidelberg, 19. Juli 2012, S. Richter  Der Klapperstorch war in den letzten Wochen im Vogelrevier im Zoo Heidelberg fleißig unterwegs und hat nicht nur seinen Verwandten, den Schwarzstörchen, sondern auch dem Sonnenrallen-Pärchen ein gesundes Küken beschert. Beide Jungtiere sind wohlauf und werden von ihren Eltern hingebungsvoll umsorgt und beschützt.
Sonnenrallen gehören in zoologischen Gärten zu den Vogelarten, die nicht so häufig zur Brut schreiten und deren Bestand in einem Europäischen Zuchtbuch betreut wird. Deshalb ist man im Zoo Heidelberg besonders froh über die erfolgreiche Nachzucht dieser schönen Vogelart aus den Tropen Lateinamerikas. Ihr Lebensraum sind Fluss- und Seeufer innerhalb tropischer Regenwälder. Das Gefieder der Sonnenralle ist markant schwarz, weiß, rotbraun und gelblich gemustert. Auffällig sind die großen Augenflecke auf der Flügeloberseite. Wenn sie ihre großen, runden Flügel auffächert, etwa während der Balz oder in Drohstellung, kommt diese Zeichnung erst voll zur Geltung.
Die Aufzucht teilt sich das monogam lebende Elternpaar fair unter sich auf: Beide sind zu gleichen Teilen für das Brüten zuständig, wobei der nicht-brütende Elternteil seinen Partner –und inzwischen auch das noch flauschige Jungtier – mit Futter versorgt. Vermeintlichen Gefahren stellen sich die Eltern todesmutig in den Weg – fauchend, mit geschwellter Brust und aufgestelltem Schwanz gehen sie auf alles und jeden los, der sich zu nahe an das Nest heran wagt. Das muss auch Faultier „Wilma“ auf ihren Spaziergängen durch das Gehege gelegentlich am eigenen Leib erfahren. Sie weicht dem mit Moos gestalteten Nest aus, zeigt sich ansonsten vom Imponiergehabe des wütenden, jedoch gerade einmal rund 200 Gramm schweren Vogels aber sichtlich unbeeindruckt. Die Drohgebärden sind trotzdem gerechtfertigt, denn die kleinen Küken sind sehr unselbstständig und werden erst nach 22 bis 30 Tagen flügge. In dieser Zeit sind sie besonders anfällig für Gefahren und deswegen auf den Schutz der Elterntiere angewiesen.
Auch die Schwarzstorcheltern leben monogam und kümmern sich abwechselnd um ihren Nachwuchs, der bereits das metallisch-glänzende schwarze Gefieder ausbildet, das für den Schwarzstorch so typisch ist. Die ersten drei bis vier Wochen steht er unter ständiger Beobachtung seiner Eltern, die, genau wie die Sonnenralle, etwaige Eindringlinge energisch abwehren. Hierbei zeigen die sehr stimmbegabten Vögel vollen Körpereinsatz: Unterstützt durch stöhnende Rufe vollführen sie mit schlängelnden Kopfbewegungen einen regelrechten „Tanz“, um ihre Feinde zu beeindrucken.
Im Gegensatz zu seinem Verwandten, dem Weißstorch, ist der Schwarzstorch ein Kulturflüchter, der sehr scheu ist und besonders in der Paarungs- und Brutzeit ausgesprochen sensibel auf Störungen reagiert. Deswegen ist die Nachzucht dieser empfindlichen Vögel besonders schwierig. Schon vor drei Jahren hatten die Schwarzstörche hoffnungsvolle Brutversuche gestartet, doch bis heuer musste der Zoo auf den ersten Aufzuchterfolg warten. Umso glücklicher ist man im Vogelrevier über das schwarzgefiederte Junge: „Das Revier ist sehr stolz, nach so vielen Jahren gesunden Nachwuchs zu haben, der von den Eltern aufgezogen wird“, berichtet Thomas Bersch, Leiter des Vogelreviers.
Die Sonnenrallen leben in der Südamerika-Voliere neben dem Elefantenhaus. Sie teilen sich das Freiflug-Gehege mit verschiedenen anderen Vogelarten und der Faultier-Familie. Die Schwarzstörche sind zusammen mit den Waldrappen in den Ibis-Volieren bei der Robbenanlage untergebracht.