Rotbauchmakis – Eine neue Tierart ist in den Zoo Heidelberg gezogen

Zwei der fünf Rotbauchmakis - tolles Foto von Thomas Bersch

Heidelberg, 13. Oktober 2011 / S. Richter  Rotbauchmakis kuscheln gerne, das sieht der Zoobesucher auf den ersten Blick. Man könnte meinen, es handele sich um ein einziges dunkelbraunes Knäuel, das es sich auf der Astgabel gemütlich gemacht hat. Bei näherem Hinsehen entdeckt man dann aber zwei kugelrunde Augenpaare, die einem neugierig betrachten.
Seit wenigen Wochen leben im Zoo Heidelberg gleich fünf weibliche Rotbauchmakis, drei von ihnen kommen aus dem Zoo Valencia und die beiden anderen aus dem Zoo Verona. Rotbauchmakis zählen zu den Lemuren, eine Primatenart, die nur auf Madagaskar heimisch ist. Der Name dieser Tierart leitet sich übrigens von den „Lemures“ ab. Lemures waren in der römischen Religion die Geister von Verstorbenen. Der Bezeichnung spielt auf die oft nächtliche Lebensweise dieser Tiere ab und auf ihre großen, intensiv blickenden und leuchtenden Augen.
Jetzt ist es an der Zeit, dass sich die beiden Damengruppen aneinander gewöhnen und zu einem Familienverbund zusammenwachsen. „Nach anfänglichen Streitereien, die üblich sind, um die Rangordnung zu klären, akzeptieren die fünf Weibchen sich inzwischen“, freut sich Tierpfleger Simon Borchardt. Die Tiere sind den Pflegern gegenüber sehr zutraulich und fressen gerne auch aus der Hand. Ihr Speiseplan ist wohl ausgewogen und vitaminreich: So erhalten sie aus der Futterküche des Zoos einen gesunden Mix aus gekochtem Gemüse und Obst, vor allem Äpfel, sowie frisch zubereitetem Milchbrot und hin und wieder auch Hundepellets. Der Futterplan orientiert sich dabei immer an den natürlichen Gegebenheiten der Ursprungsländer und an den Erfahrungen von Zoo-Experten.
Rotbauchmakis erreichen eine Länge von 75 bis 93 cm, wobei der Schwanz mit bis zu 53 cm länger ist als ihr Körper. Ihr Fell ist lang und sehr dicht, damit der Regen daran abperlen kann. Ihren Namen verdanken die geschickten und flinken Kletterer dem rötlichen Bauchfell der Männchen. Der Bauch der Jungtiere und Weibchen ist dagegen weiß-grau gefärbt.

Die Heimat der Rotbauchmakis, Madagaskar, ist die viertgrößte Insel der Erde, liegt vor der Ostküste Afrikas und beherbergt eine einzigartige Flora und Fauna. Über 80 Prozent aller madagassischen Tier- und Pflanzenarten kommen an keinem anderen Ort der Welt vor. Jedoch sind die Tage vieler dieser Tiere und Pflanzen gezählt, denn ihre Lebensräume schrumpfen in einem rasanten Tempo. Seit der Besiedelung durch den Menschen vor etwa 2000 Jahren ist dieses Naturparadies nahezu zerstört worden. Waldgebiete werden großflächig abgeholzt, um Land für Rinderhaltung und für landwirtschaftliche Ertragsflächen zu gewinnen, und um das wertvolle Holz der Bäume wirtschaftlich zu nutzen. Laut dem Auswärtigem Amt sind bei der Abholzung von Edelhölzern zwischen Februar 2009 bis Februar 2010 mindestens 1.187 Container mit Edelhölzern (geschätztes Gesamtvolumen zirka 36.730 Tonnen) illegal exportiert worden. Die instabile politische Lage führt zudem dazu, dass von der Vorgängerregierung geplante umweltpolitische Programme und der Ausbau von Schutzflächen nur sehr zögernd umgesetzt werden.
Und so ist auch der Lebensraum der Rotbauchmakis, die Tropischen Regenwälder im Osten Madagaskars, bis auf wenige Waldreste vernichtet. Die Art wird deshalb als „gefährdet“ eingestuft und der Zoo in Mulhouse führt das Europäische Erhaltungszuchtprogramm für diese hübschen Tiere.
Im Zoo Heidelberg sind noch weitere äußerst seltene Tierarten aus Madagaskar zu bewundern. Die eleganten und kräftigen Fossa, die größten Landraubtiere der Insel, und die ebenfalls zu den Raubtieren zählenden Ringelschwanzmungos mit ihrem glänzenden weinroten Fell und einem buschigen schwarz-rot gestreiften Schwanz.