Rindvieh ist nicht gleich Rindvieh

zwei Jungkühe, Rotes Höhenvieh
Rotes Höhenvieh mit Odenwälder Genen. Foto: Zoo Heidelberg

Ursprüngliche Odenwälder im Zoo Heidelberg eingezogen

Die heutige Rassenvielfalt bei den Nutztieren basiert zumeist auf speziellen Züchtungen. Dass dadurch aber auch eine Ausrottung ursprünglicher Rassen erfolgen kann, zeigte sich in den 80er Jahren deutlich. Fast unbemerkt wurden einige der ursprünglich in unserer Region beheimaten Nutztierrassen immer seltener. So zählen auch die beiden Neuzugänge im Zoo Heidelberg zu einer Rasse, die vor ein paar Jahren komplett zu verschwinden drohte.

Kuh ist eben nicht gleich Kuh: Die beiden Kühe, die seit einer Woche im Zoo ein neues Zuhause erhalten haben, zählen zum Roten Höhenvieh, einer der ursprünglichsten Nutztierrassen in Deutschland. Bei der Zucht wurden auch Gene der einzig anerkannten Lokalrasse „Odenwälder Rotvieh“ eingekreuzt. 

Genetisch gesehen zogen somit sozusagen Ureinwohner unserer Region im Zoo Heidelberg ein. Das durchgehend rot-braune Fell ist das besondere Merkmal der Rasse. Die beiden Neuankömmlinge wirken klein und robust. Umso überraschender scheint die Tatsache, dass die Rasse seit einigen Jahren vom Aussterben bedroht ist. Das Rote Höhenvieh ist äußerst anspruchslos in seiner Ernährung. Bereits die Kelten schätzten die Vielseitigkeit und Genügsamkeit der Tiere. Kräftig gebaut eigneten sie sich zur Feldarbeit und lieferten trotz kärglicher Nahrung zuverlässig Milch und Fleisch. Das Odenwälder Rotvieh oder Rote Höhenvieh zählte zu den treuen Begleitern im Mittelgebirge und war auch als Keltenvieh bekannt. Im Rahmen der Motorisierung der Arbeitsgeräte und als nur „mittelmäßig“ guter Fleisch- und Milchlieferant verloren die Tiere jedoch mehr und mehr an Bedeutung. Den leistungsfähigen Alleskönnern wurde ihr Allround-Talent zum Verhängnis. Bei zunehmender Spezifizierung in der Landwirtschaft, ist Vielseitigkeit nicht mehr gefragt. Während manche Rinderarten massig gebaut sind und besonders große Mengen Fleisch liefern, punkten andere mit riesigen Eutern für große Mengen in der Milchproduktion. Das Rote Höhenvieh war bekannt für beides - allerdings nicht so gut, als dass sich die Zucht für die moderne Landwirtschaft lohnte. Als in den achtziger Jahren der Wert der Rasse wieder erkannt wurde, konnten gerade mal noch 20 weibliche Tiere gefunden werden. So erhielt das Rote Höhenvieh 1997 den wenig glorreichen Titel „Gefährdete Nutztierrasse des Jahres“ von der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH).

Inzwischen sind erfreulicherweise in Deutschland wieder Bestände entstanden und werden weiter aufgebaut. „Die beiden Jungkühe, Elli und Frieda, sind bereits zwei der neuen Bewohner des künftigen Streichelzoo-Konzepts im Zoo Heidelberg“, teilt Zoodirektor Dr. Klaus Wünnemann mit und kündigt damit an, dass Ende 2016 der Ausbau des Streichelzoobereichs im Zoo fertiggestellt werden soll.

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