Pressemitteilungen

Inventurtermin - Der Zoo zählt durch

Resusaffen im Zoo Heidelberg
Resusaffen im Zoo Heidelberg. Foto: Peter Bastian

180 Tierarten leben im Zoo Heidelberg

Wer schon einmal versucht hat, die Rhesusaffen im Zoo Heidelberg zu zählen, erkennt rasch die Problematik. Immer wieder springt einer auf und läuft woanders hin. Bei den Elefanten, ist das sehr viel einfacher: 1, 2, 3, 4 - Ghandi, Tarak, Yadanar und Ludwig - alle da.

Aber wie ist das nun mit den Rhesusaffen? Wieviele Flamingos leben im Zoo? Die Tierpfleger wissen es genau, denn nahezu jeden Tag kontrollieren sie den Bestand ihrer Schützlinge. Zum Jahresende werden alle Zahlen erfasst, denn auch bei regelmäßiger Kontrolle kann es hin und wieder zu Abweichungen kommen. Wie jedes Jahr sind auch 2015 einige Tiere gestorben oder umgezogen und es gab erfreulichen Nachwuchs und Neuzugänge zu verzeichnen.

Bei den Kubaflamingos wurden beispielsweise drei Jungvögel aufgezogen, die die Kolonie seitdem ergänzen. Damit kann deren Anzahl mit 54 Individuen im Zoo Heidelberg bestätigt werden. Bei den Rußköpfchen schlüpften insgesamt sogar zwölf Jungtiere. Stelzenläufer, Säbelschnäbler, Textorweber und Purpurglanzstare können ebenfalls gute Zuchterfolge verzeichnen. Die drei Nachzuchten bei den Grünwangenamazonen gaben besonderen Grund zur Freude, da diese seltenen Vögel in einem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP) geführt werden.

Das Faultierpaar Fred und Wilma trug mit einem gesunden männlichen Jungtier ebenfalls zur Bestandänderung bei. Weitere Nachzuchten gab es bei Kugelgürteltieren, Stachelschweinen, Zebras, Schopfhirschen, Kudus, Ziegen, Schafen, Kängurus, Präriehunden und Roloway-Meerkatzen. Der Nachwuchs bei den seltenen Roloway-Meerkatzen stellt europaweit gesehen ein besonderes Highlight dar: Jedes Jungtier unterstützt die Erhaltung der Art. Der Zoo Heidelberg bleibt mit dem entsprechenden Artenschutzprojekt in Westafrika führend im Kampf um die Zukunft dieser hübschen Primaten, die zu den 25 bedrohtesten Affenarten der Welt zählen. Lokal leistet das auf dem Zoogelände beheimatete Feldhamsterprojekt einen großen Beitrag zum Artenschutz. 2015 wurden in Heidelberg 138 Hamster gezüchtet, die 2016 in der Region ausgewildert werden.

Leider schlagen auch traurige Nachrichten bei der Zooinventur zu Buche. Besonders der Tod des Schimpansen Henry war für das Zooteam ein großer Verlust. Nach einem schweren Bandscheibenvorfall, der zur Lähmung beider Beine führte, starb Henry drei Tage nach der Operation an Herz- und Organversagen. Weitere Abgänge hatte der Zoo unter den älteren Tieren zu verzeichnen. Der Luchs und eine Zebrastute hatten schon Altersrekorde erreicht und aufgrund schwerer Erkrankungen entschloss man sich ebenso wie bei  Löwe Josef zur Euthanasie. Mit fast 20 Jahren gehörte Josef zu den ältesten Löwen, die derzeit in Zoos leben. Das Vogelrevier bedauerte den unerwarteten Verlust eines Palawan-Pfaufasans, der aus einem englischen Zoo übernommen wurde und einige Tage nach seiner Ankunft starb. Ähnlich wie bei einem Revierwechsel im Freiland, führen auch Tiertransporte, obwohl stets das Wohl des Tieres überwacht wird, zu möglichen Stresssituationen, die in Einzelfällen zum Ausbruch latenter Erkrankungen führen können. Tiertransporte sind jedoch zum Austausch von Tieren aus anderen Zoos im Rahmen von Zuchtprogrammen zum Erhalt gefährdeter Tierarten nicht vermeidbar. So wurden eine in der Natur mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits ausgerottete Unterart der Honigpapageien, die Mitchel-Loris, und weitere Vogelarten neu in die Obhut des Heidelberger Zoos übergeben. In die Jungbullen-Gemeinschaft der Asiatischen Elefanten, die ebenso Teil eines Erhaltungszuchtprogrammes bildet, kam wieder Bewegung. Bulle Voi Nam zog zurück in seinen Heimatzoo nach Leipzig. Ludwig, der mit knapp fünf Jahren seine Geburtsgruppe im Zoo München verlassen musste, übernahm das freigewordene „Zimmer“ in der kleinen Elefantengruppe. Im Haustierbereich ergänzen seit letztem Jahr Vertreter des Roten Höhenviehs und der Rhönschafe den Bestand für den künftigen Streichelzoobereich. Zuletzt gingen im Herbst zwei der Seychellen-Riesenschildkröten vorübergehend an den Zoo Karlsruhe.

Nach all diesen Wechseln, die im Laufe des letzten Jahres stattfanden, wurden somit am 31.12.2015 die aktuellen Bestände mit 2669 Tiere in 180 Arten im Zoo Heidelberg erfasst – darunter natürlich auch die 25 Rhesusaffen.

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Einer wird 60 und setzt blühende Zeichen

Frank-Dieter Heck bei Pflanzaktion
Frank-Dieter Heck bei den Pflanzarbeiten für „seine“ Zaubernuss. Foto: Zoo Heidelberg

Frank-Dieter Heck, kaufmännischer Geschäftsführer im Zoo Heidelberg zeigt auch an seinem Geburtstag Einsatzbereitschaft

Eigentlich plante Frank-Dieter Heck, kaufmännischer Geschäftsführer des Zoos, einen ganz normalen Arbeitstag. Er wollte kein großes Aufheben um seinen „Runden“. Seine Kollegen und Mitarbeiter im Zoo Heidelberg sahen dies jedoch anders.

Als er am Donnerstag im Büro ankam, standen bereits die Mitarbeiter bereit und sangen ihm ein vollmundiges Happy Birthday. Die anschließenden, amüsant gefassten Worte von Zoodirektor Dr. Wünnemann erheiterten nicht nur das Geburtstagskind. Als Herr Heck sich jedoch wieder in sein Büro zurückziehen wollte, wartete noch ein besonderer Arbeitseinsatz auf ihn, denn 60 wird man nicht jeden Tag.

Schnell waren Spaten, Gummistiefel und eine Arbeitsjacke zur Hand und ehe er sich versah, stand er knietief in einem Pflanzloch. Unter fachkundiger Anleitung der Gartenabteilung erhielt heute der Chef dazu selbst wohlwollende Anweisungen: „Das muss noch 15 cm tiefer.“ klärte Matthias Dörner, Gärtner im Zoo, die Lage. Wer Frank-Dieter Heck kennt, ahnt bereits, dass diese Anweisung sofort umgesetzt wurde. Zum Dank für seine tatkräftige Leistung und Unterstützung hatte er als besonderes Geburtstagsgeschenk eine frühblühende Pflanze erhalten, die im Zoo ihren Platz erhalten sollte: Eine Zaubernuss. Aus Kostengründen - man wolle es sich ja mit der kaufmännischen Leitung nicht verderben - sollten die Pflanzarbeiten jedoch in Eigenleistung erbracht werden.

Der bereits in der kalten Jahreszeit blühende Strauch steht nun direkt im Eingangsbereich neben dem „Frosch-Wunschbrunnen“, in Sichtweite von Herrn Hecks Büro und zur Freude vieler Zoobesucher.

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Adler im Zoo Heidelberg

Riesenseeadler auf Baumstumpf
Riesenseeadler im Zoo Heidelberg - Foto: Heidrun Knigge

Riesenseeadler erkunden ihre frisch renovierte Voliere

Seit einigen Wochen warteten sowohl Riesenseeadler als auch Mitarbeiter gespannt auf diesen Moment. Nun war es endlich soweit. Die mächtigen Vögel durften wieder in ihr neues altes Zuhause einziehen. Die Renovierung der 210 m² großen Riesenadlervoliere am Ende des Yellowstonesees ist abgeschlossen.

Die alte Sitzbäume wurden entfernt und durch neue ersetzt. Für die Mitarbeiter wurde dies zu einer echten Herausforderung. Unter anderem musst ein vier Meter hoher Baum mit über zwei Meter breiten Querästen von der Flamingoanlage bis in die Voliere manövriert werden. Für den eigens dafür gemieteten Bagger war jdeoch vor dem Eingang in die Voliere der Dienst beendet. Durch die Tür der Voliere konnte der der neue Sitzbaum nur mit Muskelkraft und viel Geduld getragen werden. Zusätzlich zu vielen neuen Sitzgelegenheiten bekamen die Vögel auch eine neue Nistbox. Am hinteren Ende der Voliere steht nun in 2,6 m Höhe eine etwa 11 m² große Holzhütte auf Stelzen. Diese ergänzt den bisher von den Vögeln nicht als Nistmöglichkeit angenommene Felsvorsprung.

Die Adlervoliere wurde ursprünglich am 7. April 2009 eröffnet. Seitdem wird sie von dem Riesenseeadler-Paar bewohnt. Das fast zwölfjährige Weibchen und das zehneinhalbjährige Männchen kamen 2006 als beschlagnahmte Tiere nach Heidelberg. Damals wurden sie mit dem Ziel, erfolgreich Nachwuchs zu züchten im Europäischen Zuchtbuch aufgenommen. Bisher haben sie sich jedoch für dieses Ziel nicht sonderlich interessiert. Mit der neu gestalteten Voliere, die optimale Bedingungen bietet, besteht große Hoffnung auf den lang ersehnten Nachwuchs.

Riesenseeadler auch Steller-Seeadler sind in Kamtschatka, entlang der Westküste der Beringsee und auf Japan und Korea beheimatet. Dort leben sie meist monogam paarweise zusammen. Derzeit leben nur noch etwa 4.600-5.100 Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum. Seeadler dienen wegen ihres imponierenden Erscheinungsbildes oft als Wappenvogel wie zum Beispiel der Weißkopfseeadler in den USA. Ihre Lebensgewohnheiten sind aber oft alles andere als imponierend. Anstatt kühn die Lüfte auf der Suche nach Beute zu durchstreifen nutzen Seeadler jede Möglichkeit so einfach wie möglich an Nahrung zu kommen. Da sind die Abfälle von Fischern und Schlachthöfen ebenso begehrt wie angeschwemmtes Aas. Die schönen Vögel lassen sich in ihrer neu gestaltete Voliere im Zoo Heidelberg sehr gut beobachten und es lässt sich leicht erkennen, dass ihr Name auf ihrer beeindruckenden Größe gründet. Mit einem Gewicht von bis zu 9 kg und einer Körperlänge von knapp einem Meter gehören sie zu den größten Greifvögeln. Der alternative Name Steller-Seeadler bezieht sich auf den Naturforscher Georg Wilhelm Steller, der nach einer Expedition in den 1760er Jahren den ersten Riesenseeadler und damit diesen damals unbekannte Vertreter der Greifvögel nach Europa brachte.

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Erfolgreiche Nachzucht bei den Blessböcken

Blessbock-Jungtier
Blessbock-Jungtier auf der Außenanlage. Foto: Zoo Heidelberg

Junger Blessbock steht schon nach vier Tagen sicher auf den Beinen

Manche Besucher haben den neuesten Zuwachs im Zoo Heidelberg vielleicht schon entdeckt: Ein Blessbock-Männchen kam am Montag, dem 08. Februar, direkt auf der Afrikaanlage zur Welt. Als typisches Fluchttier unternahm es gleich danach die ersten Steh- und Gehversuche und stand nur 20 Minuten später mehr oder weniger sicher auf den Beinen.

Der junge Blessbock kann nun bei seinen ersten Ausflügen im Außengehege beobachtet werden. Das erst wenige Tage alte Kalb bleibt bei aller Neugier immer wieder nah bei seiner Mutter. Die beiden dürfen zeitweise alleine auf der weitläufigen Afrikaanlage umherstreifen, sodass der kleine Blessbock in Ruhe seine Umgebung erkunden kann. Anfangs – seinen ersten Ausflug durfte er mit zwei Tagen unternehmen – stakste er hier noch vorsichtig umher. Inzwischen tollt der kleine Blessbock schon ganz mutig über die Außenanlage und folgt seiner Mutter überallhin.

Blessböcke verdanken ihren Namen der auffälligen Blesse, die sich über den gesamten Nasenrücken zieht. Bei dem Jungtier ist diese jedoch noch nicht ausgebildet: Noch trägt der Nachwuchs ein hellbraunes Jugendkleid, mit dem er in den Landschaften seiner Heimat gut getarnt ist.

Diese Unterart des Buntbocks gehört zu den Antilopen und ist nur im südlichen Südafrika heimisch. Die geselligen Paarhufer ernähren sich ausschließlich von Gräsern und Kräutern, die wegen ihrer schwer verdaulichen Zusammensetzung wiedergekäut werden müssen.

In Südafrika gab es vom Blessbock Ende des 19. Jahrhunderts nur noch etwa 2.000 Tiere, er war von der Ausrottung gefährdet. Nur durch ein besonderes Auswilderungsprogramm von Tieren aus den ansässigen Tierparks und Zoos konnte der Bestand wieder stabilisiert werden, sodass inzwischen wieder über 200.000 Blessböcke im südlichen Afrika leben.

In einigen Tagen wird das Jungtier im Außengehege mit den anderen Bewohnern der Afrikaanlage schrittweise zusammengeführt. Es wird dann interessant zu beobachten sein, wie es sich mit seinen Mitbewohnern verstehen wird: In Heidelberg leben die Blessböcke gemeinsam mit Großen Kudus, Zebras, Straußen und Bronzeputen auf einem Terrain, das hinüber bis zu dem Teich der Pelikane reicht. Solche Vergesellschaftungen sind in modernen Zoos inzwischen üblich, aber es ist für Besucher und Zoomitarbeiter immer wieder aufs Neue ein spannendes Bild, die vergesellschafteten Tiere in Interaktion zu erleben.

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Der letzte Löwenlauf startet im Zoo Heidelberg

Läufer starten im Zoo Heidelberg zum Löwenlauf 2015
Start Löwenlauf 2015 im Zoo Heidelberg - Foto: Susi Fischer

Wettlauf durch den Zoo mit positivem Nebeneffekt

Für die Heidelberger Löwen geht es in die letzte Runde. An der außergewöhnlichen Spendenaktion „Laufen für die Löwen“ konnten sich in den letzten Jahren zahlreiche Sportler und Läufer für das Projekt im Zoo engagieren. Jetzt ist es bald soweit. Der Bauantrag ist gestellt und die verschiedenen Maßnahmen für die Neugestaltung der Löwenanlage im Zoo werden vorbereitet. Dank vieler Sponsoren und Spender konnte ein gutes Drittel der geplanten Kosten finanziert werden. „Wir freuen uns sehr, dass wir die benötigten Mittel für die Umsetzung unserer Ideen auf diese Weise aufbringen können und danken ganz herzlich allen Unterstützern.“ erklärt Frank-Dieter Heck, kaufmännischer Geschäftsführer im Zoo Heidelberg. Als ambitionierter Läufer hatte er vor drei Jahren die Idee für den besonderen Spendenlauf. „Es ist sehr schön zu sehen, wie sehr der Zoo den Menschen am Herzen liegt.“ zeigt sich auch Dr. Klaus Wünnemann, Zoodirektor, begeistert. „Jeder Einzelne kann dabei stolz auf seine persönliche Leistung und den Beitrag zu dem großen Projekt sein. Wir werden mit dem neuen Gehege beste Bedingungen für unsere Tiere sowie eine interessante und abwechslungsreiche Begegnung zwischen den Zoobesuchern und den Tieren schaffen.“

Jetzt nimmt die Vision einer naturnah gestalteten Umgebung für die Löwen und eines außergewöhnlichen Erlebnisses für die Zuschauer Form an. Der Ausbau wird den Löwen, Erdmännchen und Stachelschweinen die sechsfache Fläche und  reichhaltige Strukturen für ein tiergerechtes und erfülltes Leben bieten. Auch wenn die bald 20jährige Sita aktuell noch die einzige Löwin in Heidelberg ist, ist der Ausbau des Geheges ein großer Schritt in die Zukunft. „Wir werden später eine neue Löwengruppe in Heidelberg etablieren, um mit diesen extrem charismatischen Tieren für der Artenschutz zu werben.“ erklärt Zoodirektor Dr. Klaus Wünnemann.

Wer noch am Spendenlauf für die Löwen teilnehmen möchte, kann sich über die Webseite des Zoos anmelden. Einige Starterplätze sind noch frei. Die Laufstrecke beginnt am Löwengehege und führt vorbei an den Kamelen und Menschenaffen. Nach einem Abschnitt außerhalb des Zoos bis zum Wehrsteg, am Neckarufer entlang, führt die Strecke im Zoo weiter an den Elefanten und Flamingos vorbei, zurück zu den Löwen. Wahlweise können ein bis drei Runden gelaufen werden. Mit jeweils 3050 m hat jeder Läufer die Möglichkeit, selbst die optimale Länge seiner Rennstrecke auszuwählen. Die Startgebühr beträgt 30,- € und beinhaltet neben dem Startpaket mit Zoo-Eintritt und Laufshirt eine Spende zugunsten der Erweiterung des Löwengeheges. Die Gesamtteilnehmerzahl ist begrenzt. Noch bis zum 25. März 2016 können sich Zoofreunde und Laufinteressierte per Online-Formular anmelden. Weitere Infos unter www.zoo-heidelberg.de/loewen-spendenlauf

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Gartengestaltung im Hochformat

Baumstamm mit Aushöhlung für Pflanzen
Für die Bepflanzung mit Epiphyten vorbereiteter Baumstamm im Menschenaffenhaus im Zoo Heidelberg

Projektarbeit für Gehegegestaltung im Zoo Heidelberg

„Was sind das für seltsam ausgehöhlte Baumstämme, die seit Kurzem im Menschenaffenhaus stehen?“, mag sich mancher Besucher des Zoo Heidelberg in den letzten Tagen gefragt haben.

Die Antwort geben Sonja Wiegert und Alicia Wolf, zwei junge Damen, die im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes und des Freiwilliges Ökologischen Jahres die Gärtner im Tiergarten unterstützen.

Sie lernen dabei, dass Gartenarbeit im Zoo weit mehr beinhaltet, als nur Unkrautjäten und Laubkehren und konnten dies nun in einer besonderen Projektarbeit zeigen. Während der letzten Monate beschäftigten sich die beiden jungen Frauen mit einem speziellen Thema: Epiphyten.

Das Projekt zu diesem besonderen Pflanzentyp wurde gemeinsam mit Wolfgang Müller, Leiter des Gartenbereichs im Zoo Heidelberg, geplant. „Wir machten uns Gedanken, wie wir den Bereich zwischen den Pflanzen am Boden und den Kletterbereichen für die Krallenäffchen mit geeigneten Pflanzen gestalten können. Dabei haben wir uns an den tropischen Wäldern orientiert.“ erklärt Alicia Wolf die Idee und schildert, dass Epiphyten Pflanzen sind, die auf anderen Pflanzen wachsen und sich beispielsweise in Astgabelungen ansiedeln, in denen sich Regenwasser sammelt. Sie nutzen dabei die exponierte Lage, um mehr Licht zu bekommen. Schönblühende Vertreter dieses Pflanzentyps, zu dem auch Farne und Moose zählen, sind Orchideen. Als geeignete Anpflanzplätze wurden in zwei Kastanienstammstücke Vertiefungen gesägt und ausgehöhlt. In diese pflanztopfgroßen Löcher werden später unterschiedliche Pflanzen eingesetzt, sodass eine optisch attraktive Zwischenebene in der Gehegegestaltung entsteht.

„Es ist auf jeden Falle eine interessante Aufgabe und wir haben sehr viel über die Eigenarten unterschiedlicher Pflanzen gelernt“, sind sich beide Frauen einig. Während sich die jungen Gärtnerinnen intensiv mit der Wahl der sogenannten Aufsitzerpflanzen beschäftigen, recherchierten Alicia und Sonja alles Wissenswerte über die Epiphyten, um nicht versehentlich eine für die Tiere schädliche Pflanze auszuwählen. Sie ermittelten, welches Substrat benötigt wird und wie tief die Aushöhlungen gefüllt sein müssen. Zu jeder Aushöhlung wurde ein „Abfluss“ für überschüssiges Wasser eingeplant, damit der Trägerstamm nicht zu faulen beginnt. Bei der Auswahl der Pflanzen galt es zudem, unterschiedliche Blühzeiten sowie die Pflegebedingungen zu beachten.

Da einer der Stämme im Gehege stehen wird, in dem auch ein Goldaguti lebt, dürfen die Pflanzen nicht zu tief angesetzt werden. Das Aguti knabbert als typischer Nager alles an, was in seiner Reichweite sitzt und würde die Pflanzen sicher bald als Futter entdecken. „Wir sind gespannt, wie die kleinen Äffchen auf die Neuerung im Gehege reagieren und hoffen, dass sie die Pflanzen nicht gleich ausbuddeln und die Mulden für sich selbst beanspruchen.“ gibt Sonja zu bedenken. In den nächsten Tagen werden sie die Pflanzen besorgen und die Stämme bestücken. So kann sich im Laufe der nächsten Wochen zeigen, ob das neue Gestaltungskonzept bald Blüten tragen wird - sofern es auch den Äffchen gefällt.

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Sensation im Zoo Heidelberg: Neue Art entdeckt

Wildputen im Zoo Heidelberg
Bakterienart lebt in der Bürzeldrüse von Wildputen. Foto: Heidrun Knigge/Zoo Heidelberg

Bakterienart lebte bisher unentdeckt in der Bürzeldrüse von Wildputen

Corynebacterium uropygiale, so lautet der schwer auszusprechende Name des neu entdeckten Bakteriums. Bis vor kurzem noch lebte es unentdeckt in der Bürzeldrüse von Wildputen. Der neu gegebene Artname verrät dies bereits. Uropygiale kommt aus dem Griechischen und steht für οὐρά (oura), was übersetzt "Schwanz" heißt und πυγή (puge) was übersetzt „Hinterteil“ bedeutet. Die Bürzeldrüse liegt genau an der Oberseite der Schwanzwurzel bei Vögeln. Das Foto unten zeigt die Lage der Bürzeldrüse (Pfeil) bei einem Guirakuckuck, der gerade ein Sonnenbad hält. Die Bürzeldrüse dient dazu, ein fettreiches Sekret abzusondern. Dieses wird beim Putzen von den Vögeln mit dem Schnabel im gesamten Gefieder verteilt, um es geschmeidig zu halten. Außerdem bleibt es dadurch wasserabweisend. Bei Entenvögeln, die viel Zeit im Wasser verbringen, sind die Bürzeldrüsen besonders stark ausgeprägt.Foto Guirakuckuck: Heidrun Knigge/Zoo Heidelberg

Wissenschaftler sind dabei, die Funktionen dieser Bürzeldrüsen bei Vögeln genauer zu untersuchen. Im Rahmen seiner Forschung nahm daher Markus Braun von der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg im Frühjahr 2013 unter anderem Proben des Drüsensekrets der Wildputen im Zoo. In diesem Sekret wurde das Bakterium Corynebacterium uropygiale gefunden. Coryneforme Bakterien, zu denen auch die im Zoo Heidelberg entdeckte Art gehört, bilden eine Gruppe von bisher knapp über 90 verschiedenen entdeckten Arten. Bisher wurde jedoch noch nie ein solches Bakterium in Bürzeldrüsen von Vögeln entdeckt. Und das, obwohl viele Vögel sehr häufig in menschlicher Obhut gehalten werden. Diese erstmalige Entdeckung bei den Wildputen ist eine absolute Sensation. „Besonders faszinierend an dieser Entdeckung“, so Markus Braun, „ist, dass die Bakterien nur auf sehr fettigen Medien wachsen. Das heißt, sie benötigen unbedingt Bedingungen, die denen in der Bürzeldrüse sehr ähnlich sind, um zu wachsen. Die Bakterien sind also kleine Sensibelchen.“

Lediglich beim Wiedehopf und beim Grünen Baumhopf haben die Wissenschaftler bisher Bakterien in der Bürzeldrüse nachgewiesen, diese gehörten jedoch zu einer anderen Gattung, dem Enterococcus. Beim Wiedehopf unterstützt dieser Enterococcus, andere, gegebenenfalls schädliche Bakterien, abzutöten. Die Bakterien haben dabei eine, das Immunsystem unterstützende, Wirkung und sind somit für den Vogel sehr nützlich.

Ob das Bakterium in der Bürzeldrüse der Wildputen ebenfalls eine ähnlich positive Funktion erfüllt, konnte bisher noch nicht eindeutig geklärt werden. Die Wissenschaftler widmen sich weiterhin diesem spannenden Forschungsgebiet und können hoffentlich noch weitere außergewöhnliche Entdeckungen machen, die in ferner Zukunft sogar dem Menschen von Nutzen werden könnten.   

Eine Zusammenfassung des englischen Originalartikels zu den neu entdeckten Bakterien finden Sie unter www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0723202015001824.

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Ein gutes Zoo-Jahr beendet

Zebras im Schnee
Foto: Heidrun Knigge/Zoo Heidelberg

Weitere Zukunftsprojekte für 2016 im Zoo Heidelberg geplant

2015 ging zu Ende und der Zoo Heidelberg konnte fast 500.000 Besuche verzeichnen. Das ist das drittbeste Ergebnis in der Geschichte des Zoos. Das Rekordjahr 2014 wurde knapp verfehlt.

496.638 – bei dieser Zahl blieb die Zählung des Zoo Heidelberg am Jahresende stehen. Das sind knapp 30.000 oder 6 % weniger als im Rekordjahr 2014. Alleine in den Monaten März, Juni, August und Oktober kamen fast 42.000 Besucher weniger als im Vorjahr. Da konnten die guten Monate Mai und Dezember die Zahlen nicht wettmachen. „Die Tagesbesuche sind wetterabhängig – und vor allem der Sommer war für die Zoobesuche zu heiß. Bei den langfristig orientierenden Käufern von Jahreskarten haben wir das sehr gute Vorjahresergebnis nochmals übertroffen. Ich denke damit können wir insgesamt zufrieden sein.“ zieht Zoodirektor Dr. Klaus Wünnemann sein Resümee.  

Höhepunkt des Jahres für den Zoo war die Eröffnung der neuen Bärenanlage im Juni, mit der die Gestaltung des Zooeingangs abgeschlossen wurde. Die Elefantenbullen wurden kräftig neu gemischt. Mit Voi Nam verließ der Gruppenchef den Zoo am Neckar und zog zurück in seine Geburtsstadt Leipzig. Für ihn kam mit Ludwig aus München, genannt „Wiggerl“, ein neuer Wonneproppen in die Kurpfalz. Besonders seltene Neuzugänge gab es im Vogelrevier zu verzeichnen: Monserrat-Trupiale, Socorro-Tauben, Mitchell-Loris und andere Arten  verstärken die Ausrichtung des Zoos zu Arten, deren Lebensräume auf Inseln immer mehr dahinschmelzen.   

Im Bereich der Forschung im Zoo hat 2015 ein wichtiges, von der Klaus Tschira Stiftung gefördertes, Forschungsprojekt seine Bewährungsprobe bestanden. Die Untersuchungen zur Kognitionsleistung bei Menschenaffen haben nicht nur bewiesen, dass die eigens für die Studien konzipierten Touchscreen-Apparate selbst den härtesten Anforderungen durch die Orang-Utans genügen. Es wurden zudem bei den Menschenaffen des Zoos Heidelberg und anderer Zoos erste hochinteressante Ergebnisse erzielt, die die Spannung auf das Forschungsjahr 2016 erhöhen.

2016 steht ganz im Zeichen wichtiger Zukunftsprojekte des Zoos. Löwenanlage, Streichelzoo und die Integration des Explo stehen auf dem Programm. Veränderungen und Ergänzungen, mit denen der Zoo weiterhin seine Attraktivität und Status als Zoo der Metropolregion Rhein-Neckar ausbauen wird. Da können sich nicht nur die Jahreskartenbesitzer weiterhin auf eine konstante Entwicklung mit viel Abwechslung freuen.

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Den Zoo im Schnee neu entdecken

roter Panda im Schnee
Roter Panda im Schnee. Foto: Heidrun Knigge

Wie Tiere im Zoo Heidelberg das kalte Weiß erleben

Wer bisher den Zoo ausschließlich als Ausflugsziel für die warmen Sommermonate eingestuft hat, sollte mal an einem Wintertag mit frischem Schnee den Zoo besuchen.

Es ist schon ein ganz besonderer Augenblick, wenn der erste Schnee fällt und man den Rhesusaffen zusehen kann, wie sie vorsichtig aus dem Affenhaus kommen. Bevor die Ersten den Schritt auf das kalte Weiß wagen, wird erst einmal ertastet, wie sich das denn anfühlt. Kalt, feucht. Bei den großen Asiatischen Elefanten wird der frische Schnee ebenfalls zunächst intensiv berüsselt. Der ungewohnte Anblick ist für die Zootiere jedes Mal wieder eine interessante Erfahrung. Bei den Ziegen und Schafen im Streichelzoo können die Besucher den jungen Zicklein zuschauen, die zum ersten Mal dem Schnee begegnen.

So bietet ein winterlicher Rundgang durch den verschneiten Zoo interessante Einblicke. Viele Tiere sind von der weißen Pracht sichtlich angetan, auch wenn es uns bei den winterlichen Temperaturen fröstelt. Die syrischen Braunbären sind putzmunter und genießen ausgelassen den Schnee. Ihre Mitbewohner, die flinken Korsakfüchse, tragen zurzeit ein schönes dickes Winterfell. Einige Vogelarten sind in der kalten Jahreszeit sogar besonders aktiv. Die Seevögel im Küstenpanorama sind schließlich ganz andere, kältere, Temperaturen gewöhnt.

Während Trampeltiere und Alpakas in ihrem dicken Wollkleid gut gegen Kälte, Schnee und Wind geschützt sind, genießen die in den Regenwäldern beheimateten Flachland-Gorillas und Orang-Utans, ebenso wie mancher Zoobesucher, die Wärme in den Tierhäusern.

Für Hobby-Fotografen bieten sich nun besonders interessante Farbkontraste im Zoo. Die Kuba-Flamingos in ihrem roten Federkleid sind ein wahrer Farbklecks in der Winterlandschaft. Ebenso die beiden Roten Panda, die man im Winter besonders gut im Geäst des Nussbaums entdecken kann. Die beiden sind bei jedem Wetter auf ihrer Außenanlage und trotzen Regen, Schnee und Kälte. Sie sind dämmerungs- und nachaktive Tiere, die aber auch in den Vor- und Nachmittagsstunden rege sind.

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Zoo Heidelberg praktiziert Artenschutz in der Region

Feldhamster mit Jungtier
Hamsterzucht im Zoo Heidelberg. Foto: Peter Dollinger

Europäischer Feldhamster ist Wildtier des Jahres 2016

Die Schutzgemeinschaft deutsches Wild kürte erneut den Europäischen Feldhamster (Cricetus cricetus) zum Wildtier des Jahres. Die Nagerart erhielt den Titel bereits 1996. Die erneute Verleihung will auf die anhaltende Gefährdung der Art aufmerksam machen. In großen Teilen Europas ist der Feldhamster gefährdet oder gar vom Aussterben bedroht. Eines der beiden letzten Feldhamstervorkommen in Baden-Württemberg befindet sich am Rand von Mannheim.

Der Feldhamster bewohnt vor allem offene Ackerlandschaften. An Feldrändern gräbt er seine bis zu zwei Meter tiefen Bauten, in denen sich mehrere Kammern befinden, die zur Jungenaufzucht, als Schlafnest oder als Vorratskammer dienen. Darin legt er seine Wintervorräte an, indem er in seinen Backentaschen vor allem Getreide hineinträgt – er „hamstert“ sprichwörtlich. Ein einzelnes Tier kann im Extremfall so bis zu 30 kg Samen sammeln! Diese braucht der Nager, um während seines Winterschlafs nicht zu verhungern. In der Regel reichen ihm aber 1 – 2 kg an Sämereien. Von September bis März hält der Feldhamster Winterruhe und wacht nur alle paar Tage auf, um etwas zu fressen. Während der übrigen Zeit liegt er zusammengerollt in seinem Schlafnest.
Im Zoo Heidelberg können Besucher einen Einblick in einen solchen Feldhamsterbau bekommen, in der Nähe der Hamsterzuchtstation im Zoo befindet sich hierzu ein spezieller „Schaukasten“. Dort kann man den dämmerungsaktiven quirligen Nager mit etwas Glück beobachten, wie er sein Schlafquartier vorbereitet oder sein Futter in die Höhle bringt.

Da auch im Rhein-Neckar-Kreis die Populationsgrößen zurückgehen, wurde 2002 ein Artenhilfsprojekt gegründet. 2004 wurde im Zoo Heidelberg ein Zuchtprogramm für den Feldhamster aufgebaut. In der dortigen Zuchtstation, die von den Dipl.-Biologen Dr. Ulrich Weinhold, Lisa Heimann und Marco Sander betreut wird, leben momentan knapp 170 Tiere. Das erfolgreiche Projekt erreicht alljährlich eine gute Nachwuchsquote, sodass regelmäßig Jungtiere in Mannheim ausgewildert werden können. Jeden Mai werden Jungtiere des Vorjahres mit elektronischen Chips zur Identifikation ausgestattet und in vorbereiteten Gebieten angesiedelt. Einige von ihnen bekommen auch ein Senderhalsband, mit denen auch mehrere Monate nach der Auswilderung ihr Aufenthaltsort bestimmt werden kann. So kann inzwischen mit Hilfe des Zuchtprogrammes und der einhergehenden Sensibilisierung für die Bedrohung eine leichte Erholung der Population beobachtet werden. Das Überleben der Feldhamster bei Mannheim ist jedoch noch nicht gesichert.

Die akute Bedrohung des Feldhamsters ist eine Folge unterschiedlicher Umstände: Zum einen ist es die Modernisierung der Landwirtschaft,  in der die Getreideernte verstärkt mit immer effektiveren Maschinen erfolgt, sodass für die Ernte statt mehrerer Wochen nur noch kurze Zeit benötigt wird. Die wesentlich gründlichere Einbringung des Ertrages lässt kaum Reste auf den Feldern. So gelingt es dem Feldhamster nur schwer, die benötigten Wintervorräte zu sammeln. Zudem werden auf den Feldern kaum Stoppeln stehen gelassen, die dem Nager als Deckung gegen Fressfeinde dienen können.  Zahlreiche Hamstertode gehen daher auf das Konto von Fuchs, Habicht und Co. Hinzu kommt, dass die verbliebenen Lebensräume für Neubaugebiete sowie Straßenbau erschlossen und die Ackerflächen so weiter reduziert werden. Durch dieses sukzessive Zusammenspiel entwickelte sich der Europäische Feldhamster, der einst als Ernteschädling und Plage galt, zu einer vom Aussterben bedrohten heimischen Tierart. Für die Schutzgemeinschaft deutsches Wild ist er ein drastisches Beispiel für den Wandel in der Existenz von Tierarten innerhalb weniger Jahrzehnte, verursacht durch den Menschen, seine Ausbreitung und technischen Methoden. Gab es den Hamster noch vor 40 Jahren in so großen Beständen, dass hauptamtliche Fänger auf ihn angesetzt wurden, so zählt er heute zu den lokal vom Aussterben bedrohten Tierarten. Seine erneute Wahl zum „Tier des Jahres“ soll weiterhin helfen, um Öffentlichkeit, Wissenschaft und Naturschutz zu seiner Erhaltung zu sensibilisieren.

Weitere Informationen zum Artenschutzprojekt „Feldhamster in Mannheim“ finden Sie auch in den Jahresberichten unter: https://www.mannheim.de/buerger-sein/downloads und unter: www.institut-faunistik.net .

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