Pressemitteilungen

Zoo Heidelberg. In der Kälte lässt es sich gut kuscheln

Kuschelnde Pandas - erwischt von Heidrun Knigge

Heidelberg, 10. Februar 2012, S. Richter  Seit zwei Wochen hat uns die Kälte voll im Griff. Aber was machen die Tiere im Zoo, wenn Sie weder eine heiße Tasse Kakao haben, noch Mütze und Schal?
Die meisten Tiere kommen mit den Temperaturen erstaunlich gut durch den Tag. Und so wird auch für den Zoobesucher die Kälte sicherlich nicht zum Nachteil, denn für einen schönen Spaziergang mit Aufwärmen zwischendurch in den Tierhäusern ist der Zoo jetzt im Winter und während der Faschingsferien ideal. Bis auf den Hamster, der sich zum Winterschlaf ins Heu einbuddelt, und die nordamerikanischen Präriehunde, die sich unter der Erde in ihrem Bau verkriechen, sind alle Heidelberger Zootiere zu erleben. Die Kamele haben sich bereits im Herbst ein schönes und dickes Fell zugelegt und die Mähnenrobben nutzen die angenehme Temperatur ihres Wasserbeckens, um sich aufzuwärmen. Einzig die Menschenaffen sind bei diesen Temperaturen ausschließlich im Haus anzutreffen. Die Tiere des Afrikahauses wie Zebras und Kudus sind stundenweise im Freien. Auch die vier Elefantenbullen nutzen für einige Stunden Ihre Außenanlage, sind aber öfter in ihrem komfortablen Haus ganz nah zu erleben. Andere kälteempfindliche Tiere, wie zum Beispiel die Kängurus oder zahlreiche Vogelarten des Zoos, sind „auf Durchgang“. Das heißt, sie können zwischen ihrem Innen- und Außengehege frei wählen und sich in ihren Häusern wann immer sie möchten aufwärmen.
Es gibt aber auch noch andere Strategien. So lassen sich die Roten Pandas ihre Paarungszeit von den klirrenden Temperaturen nicht vermiesen – ganz im Gegenteil. Ganz nach der Devise „Kuscheln gegen die Kälte“ sieht man sie in wärmender Umarmung im Geäst sitzen.
 

Rhein-Neckar-Zeitung übernimmt Patenschaft für Elefant Gandhi

Die kleine Gandhi hat nun auch einen Paten

Heidelberg, 9. Februar 2012 / S. Richter

Nun hat auch Gandhi, unser jüngster Elefant einen Paten. Die Rhein-Neckar-Zeitung hat die Patenschaft für unseren Elefanten Gandhi übernommen. Darüber freuen wir uns sehr.

Hier geht es zum Artikel in der Rhein-Neckar-Zeitung:

Zooschule bringt höheren Lernerfolg als Schulunterricht / Studie

Auch unsere Schimpansen waren Gegenstand der Forschung. Foto: Rose von Selasinsky

Heidelberg, 3. Februar 2012 /  S. Richter

Dr. Brigitte Seybold von der Pädagogischen Hochschule Heidelberg untersuchte in dreijähriger Studie die Effizienz der Heidelberger Zooschule - Thema waren die Menschenaffen im Zoo Heidelberg - und kommt zu dem Ergebnis: "Schüler lernen im Zoo besser".

Zooschulunterricht ist alles andere als langweilig. Umso erstaunlicher, dass bislang noch nicht wissenschaftlich untersucht wurde, wie er sich auf die Lernergebnisse der Schüler auswirkt.  In ihrer Dissertation "Zoopädagogik am Beispiel der Primaten - Nachhaltigkeit von Zooschulprogrammen in der Orientierungsstufe unter besonderer Berücksichtigung der Zooschule Heidelberg" ist Brigitte Seybold der Frage nachgegangen, ob sich Schüler durch den Zooschulunterricht das angeeignete Wissen länger merken können. In einem Zeitraum von drei Jahren wurden über 1000 Schüler der fünften und sechsten Jahrgangsstufe im Großraum Heidelberg/Mannheim befragt. "Die Zooschulbesucher waren motivierter und haben sich die Fakten länger gemerkt, als die Kinder, die sich nur im Unterricht mit den Menschenaffen beschäftigt haben", fasst Seybold zusammen.

Text Brigitte Seybold zur Studie: "Für Schulklassen ist der Zoo Heidelberg eine beliebte Lernquelle. Die Zooschule ist mit jährlich über 20 000 Besuchern eine der größten Zooschulen Deutschlands. Der Zoo (unter Leitung von Dr. Klaus Wünnemann) und seine Zooschule (mit ihrer pädagogischen Leiterin Daniela Vogt) präsentieren in diesen Tagen eine weitere Facette der Öffentlichkeit: die erfolgreiche Evaluation in einem Forschungsprojekt. In einer groß angelegten Studie von Prof. Dr. Christoph Randler (Pädagogischen Hochschule Heidelberg) und Dr. Brigitte Seybold wurde an der Zooschule Heidelberg über einen Zeitraum von drei Jahren die Nachhaltigkeit des Unterrichts von Zooschulen erforscht. Thema waren Menschenaffen. Prof. Dr. Thomas Braunbeck von der Universität Heidelberg begleitete das Projekt. Bei dem wachsenden Zuspruch, dessen sich die Zooschule in den letzten Jahren erfreut, ist es umso erstaunlicher, dass eine wissenschaftliche Untersuchung ihrer pädagogischen Arbeit bisher fehlte. Weit über tausend Schülerinnen und Schüler der 5. und 6. Klassen des Großraums Heidelberg / Mannheim nahmen voller Eifer an diesem Forschungsprojekt teil. „Dies ist weltweit die größte Zooschulstudie ihrer Art“, so Prof. Randler.
Die Schulklassen beobachteten die Affen im Zoo und erfuhren von den engagierten Zoorangern der Zooschule Heidelberg wichtige Details über das Leben der Tiere im Zoo und in freier Wildbahn. In einem eigens darauf abgestimmten Lernprogramm erweiterten sie ihr Wissen dazu im Schulunterricht. Die Ergebnisse der empirischen Studie liegen nun vor und zeigen, dass ein reines Schulbuchwissen nicht ausreicht. Kinder, die den Zoo und die Zooschule besuchen, sind viel motivierter und merken sich wichtige Fakten weitaus länger. Dieser Unterschied besteht selbst ein halbes Jahr später noch. Kinder, die sich in ihrer Freizeit viel mit Tieren beschäftigen, schnitten beim Beantworten der Fragebögen übrigens besonders gut ab.
Die Ergebnisse der Studie sind auch weit über Heidelberg hinaus von Interesse, da viele Schulen die Kooperation mit Zooschulen zur Förderung der Lernmotivation bewusst suchen. Im begleitenden Unterricht erfahren die Schüler u.a., dass in einer globalen Welt die Verantwortung für unsere nächsten Verwandten im Tierreich, die Menschenaffen, allen bewusst sein sollte. Sowohl die Bevölkerung in den Ursprungsländern als auch wir in den westlichen Ländern können z.B. durch den bewussten Umgang mit Ressourcen helfen, diese faszinierenden Tiere zu erhalten. Der Zoo Heidelberg beteiligt sich am Recycling von alten Handys, um den Abbau von Coltanerz in den afrikanischen Ursprungsländern einiger Menschenaffen möglichst einzuschränken oder macht in seinen Unterrichtsprogrammen auf die bedrohliche Vernichtung des Regenwaldes in Indonesien durch die Einrichtung von Palmölplantagen aufmerksam. Die erschreckende Jagd nach Buschfleisch, d.h. die Ermordung ganzer Affenfamilien, muss ebenfalls weltweit ein wichtiges Thema des Artenschutzes sein, wenn auch unsere Enkel noch den Menschenaffen begegnen wollen.
Zoos und Zooschulen tragen, wie eine ergänzende Befragung von weiteren Zooschulen in Deutschland und im europäischen Ausland im Rahmen der Studie zeigte, in besonderem Maße dazu bei, dies ausgehend von der jungen Generation einer breiten Öffentlichkeit bewusst zu machen. Eindrücke der aktuellen Lebensbedingungen der Menschenaffen in den afrikanischen und asiatischen Heimatländern erweitern das Gesamtbild der Studie.

Hector – der neue heilige Affe im Zoo Heidelberg

Hector knackt die Nuss - Foto von Antje Hoyer

Heidelberg, 26. Januar 2012, S. Richter  Hector ist ein stattlicher, neunjähriger Hulman, kommt aus dem Zoo Ostrava (Tschechien) und lebt seit Anfang Dezember 2011 im Zoo Heidelberg. Hulmans werden in Indien auch als Hanuman-Languren bezeichnet, in Anlehnung an Ramas General Hanuman, der im indischen Nationalepos Ramayama eine wichtige Rolle spielt. Sie zählen als Kulturfolger und heilige Tiere zu den bekanntesten Affenarten Indiens. In vielen Tempelanlagen Indiens finden sich ganze Scharen dieser ausgesprochen schönen Affenart mit ihrem schwarzen Gesicht und dem silbrig-grauen Fell. Hulmans sind reine Pflanzenfresser und ihr Magen weist eine Besonderheit im Reich der Primaten auf: Er ist in vier Kammern unterteilt, um die schwerverdauliche Zellulose zersetzen zu können und ähnelt deshalb dem Magen der Wiederkäuer.
Nachdem Erwin, der ehemalige Chef der Gruppe, im Mai letzten Jahres in hohem Alter verstarb, war der Zoo auf der Suche nach einem geeigneten Nachfolger, denn Hulmans leben bevorzugt in Harems- oder Einmanngruppen. Man sollte meinen, paradiesische Zustände für den sanften Hector, traf er doch im Zoo Heidelberg auf eine Hulmangruppe mit vier Weibchen und zwei kastrierten jungen Männchen. Allerdings verhielt sich der Haremstrupp anfangs recht kühl und reserviert. Geflissentlich ignorierten die Damen den schönen Hector, sie taten so, als sei er gar nicht da. Das Blatt hat sich für Hector inzwischen gewendet, denn die vier Hulman-Weibchen scheinen ihn zunehmend zu akzeptieren und sich an seiner Anwesenheit zu erfreuen. Dies erkennen die Tierpfleger unter anderem daran, dass Hector von den Weibchen immer öfter eine ausgiebige Körper- und Fellpflege erhält. Dieses „grooming“, wie der wissenschaftliche Begriff dazu lautet, stellt bei vielen Primaten eine wichtige soziale Komponente dar und spiegelt auch die Gruppenhierarchie wider. „Spätestens wenn die erste Hulman-Dame empfängnisbereit ist, sollte sich Hector als Chef in der Gruppe etabliert haben“, hofft Sandra Reichler, Kuratorin im Zoo. „Über hübschen Hulman-Nachwuchs würde sich das Zoo-Team sehr freuen, denn es ist nun schon ein paar Jahre her, seit das letzte Hulman-Kind geboren wurde“.
Die Hulman-Gruppe im Zoo Heidelberg lebt im „kleinen Affenhaus“, in dem auch Kaiserschnurrbarttamarine, Seidenäffchen, eine Gruppe Roloway-Meerkatzen und afrikanische Weißbauchigel untergebracht sind.

Einsortiert in:

Zählen, wiegen und messen – der Heidelberger Zoo macht tierische Inventur

Unser erster Nachwuchs bei den Faultieren: Foto von Thomas Bersch

Heidelberg, 18. Januar 2012  S. Richter  Einmal im Jahr werden im Zoo nicht nur die Besucher gezählt, sondern auch die Tiere, Futtersäcke, Werkzeuge, Reinigungsmittel und vieles mehr. Während es bei Gegenständen oder Futter meist wenig Überraschendes gibt, ist die Tierinventur für die Zoomitarbeiter immer wieder spannend. Kein Zoobewohner kann sich verstecken, nicht die fixeste Inkaseeschwalbe bleibt unentdeckt. „Im letzten Jahr konnten wir uns über zahlreichen gesunden Nachwuchs freuen“, berichtet Sandra Reichler, wissenschaftliche Assistentin im Zoo und verantwortlich für die Tierinventur, „darunter auch Nachwuchs von seltenen und bedrohten Tierarten“. Die kleine Roloway-Meerkatze, die am 11. März 2011 das Licht der Welt erblickte, gehört zu den etwa 30 Tieren, die in den Zoos weltweit gehalten werden. Der Zoo Heidelberg hält mit sieben Tieren damit ein Viertel des Weltbestandes der Roloway-Meerkatzen in menschlicher Obhut. Im Juni wurde Gorilla-Junge „Kwame“ geboren, mit „Pebbles“ gab es den ersten Nachwuchs von Faultierpaar „Wilma“ und „Fred“. Mehrfacher Nachwuchs bei den possierlichen Erdmännchen entzückte die Besucher und Mähnenrobbenbaby „Awa“, im Juli geboren, planschte und schwamm sich rasch in alle Herzen. Weiterhin gab es Nachwuchs bei den Stachelschweinen, Kamelen, großen Kudus und Kaiserschnurrbarttamarinen. Einmalig in Europa war die Geburt von Schopfhirsch „Maya im Oktober.
Die Tierinventur einmal im Jahr dient dazu, die ständig beobachteten und notierten Veränderungen im Tierbestand mit der tatsächlichen Zählung abzugleichen und eventuelle Abweichungen zu überprüfen. Da kann es schon mal passieren, dass das Geschlecht eines Tieres kurz nach der Geburt doch falsch bestimmt worden war oder dass der Verlust einer Ente durch einen Fuchs erst bei der Inventur bemerkt wird. Mehrere Tage mühten sich die Tierpfleger, um alle Tiere zu erfassen, aber nicht jede Tierart ist dabei so kooperativ und leicht zu zählen wie zum Beispiel ein Zebra. Die flinken Rhesusaffen wollen nie stillhalten und entwischen keck in alle Richtungen und die Vögel fliegen sowieso alle durcheinander. Trotz solcher „Widrigkeiten“ müssen alle Tiere sorgfältig aufgenommen werden. Zur Inventur zählt zum Beispiel bei den Mähnenrobben auch, dass sie gewogen werden, um so die Entwicklung, den Gesundheitszustand oder eine eventuelle Trächtigkeit zu überwachen. Dank einer neuen Waage klappt das für Tier und Pfleger reibungslos. Mähnenrobbenbulle Atos, der mit seinen sechs Jahren fast die Pubertät hinter sich gebracht hat, wiegt stolze 320 Kilo. Kaum zu glauben, dass der jetzt bereits mächtige Bulle in den nächsten Jahren weitere 200 Kilo zunehmen kann.

Am 31.12.2011 lebten im Zoo Heidelberg insgesamt 1301 Tiere in 170 Arten, das entspricht in etwa dem Bestand vom Vorjahr. Die größte Tiergruppe sind die Vögel, die mit 89 Arten und 526 Individuen vertreten sind, dicht gefolgt von den Säugetieren mit 62 Arten und 440 Individuen.
Einige Tiere sind gestorben, wie die beiden Löwenmänner Banka und Tschatscha und der Sumatra-Tiger Sabu. Aber es kamen auch gewichtige Neuzugänge, wie im April der fünfjährige Elefantenbulle Gandhi aus Kopenhagen, der in die Gruppe der Jungbullen-WG sehr gut integriert ist. Auch Sari, ein charmantes und lebhaftes Orang-Utan Weibchen aus dem Zoo Moskau, hat sich seit ihrer Ankunft im Oktober 2011 bereits prächtig eingelebt. Mit gleich fünf weiblichen Rotbauchmakis ist eine neue und liebenswerte Tierart an den Neckar gezogen. Die dunkelbraun gefärbten Rotbauchmakis mit ihren kugelrunden, leuchtenden Augen zählen zu den Lemuren, eine Primatenart, die nur auf Madagaskar heimisch ist.
„Insgesamt kann der Zoo Heidelberg auf ein äußerst erfolgreiches Jahr in der Tierhaltung zurückblicken“ so Zoodirektor Dr. Klaus Wünnenmann. „Wir hoffen, dass wir im Jahr 2012 so weitermachen können!“

Zoo Heidelberg: Artenschutz heißt Leben retten

Sumatra Tiger-Dame Kim. Foto von Rose v. Selasinsky

Heidelberg. 5. Januar 2012 / S. Richter  Jeder Einzelne kann einen Beitrag zur Bewahrung der Natur – auch vor der eigenen Haustür – leisten. „Wenn jeder unserer 600.000 Zoobesucher den Zoo mit ein wenig mehr Engagement für den Naturschutz verlässt als er ihn betreten hat, dann haben wir ein ganz wichtiges Ziel erreicht,“ erklärt Zoodirektor Dr. Klaus Wünnemann. Der Schutz der natürlichen Vielfalt ist eine der wichtigsten Aufgaben unserer Zeit. Immer stärker greift der Mensch in die Natur ein, weltweit weicht der Lebensraum vieler Tier- und Pflanzenarten den menschlichen Aktivitäten, werden Tiere aus unterschiedlichen Gründen gejagt und getötet. Hilfe ist dringender nötig denn je. Die besten Zoos in aller Welt reagieren auf diese Probleme und haben sich zur Aufgabe gesetzt, den Artenschutzgedanken durch direkte Schutzbemühungen und durch Bildung ihrer Besucher voranzutreiben.
„Der Zoo Heidelberg zählt den Artenschutz zu seinen Kernaufgaben“, betont Zoodirektor Dr. Klaus Wünnemann. Die Bestände mancher Tierarten sind in freier Wildbahn so rückläufig, dass sie nur durch die Haltung und gezielte Vermehrung in Menschenobhut vor der Ausrottung bewahrt werden können. Der Zoo Heidelberg bietet Lebensraum für viele bedrohte Tierarten. „Wenn immer möglich, stellen wir im Zoo gezüchtete Tiere zur Wiederansiedlung zur Verfügung“, erklärt die Biologin Sandra Reichler. Die bei der Haltung und Zucht gewonnenen, wissenschaftlichen Erkenntnisse kommen auch den Artgenossen in freier Wildbahn zugute. Dazu wurden zentral koordinierte Europäische Erhaltungszuchtprogramme (EEP) geschaffen, an denen sich viele Zoos beteiligen. Der Zoo Heidelberg nimmt aktuell an 17 Europäischen Erhaltungszuchtprogrammen teil und das Team des Zoos am Neckar arbeitet aktiv in Erhaltungszuchtprogrammen vieler Arten wie Gorillas und asiatischen Elefanten mit. Sandra Reichler führt das Zuchtbuch der seltenen Asiatischen Goldkatze. „Wichtig ist vor allem die Zusammenarbeit mit Schutzprojekten in Südostasien, damit diese wunderschöne Katzenart vor der Ausrottung bewahrt werden kann“, so Reichler. Die Zerstörung des Tropischen Regenwaldes, aber auch die Jagd auf ihr rotgoldenes Fell haben die Asiatische Goldkatze selten werden lassen. Neben der Zucht bedrohter Tiere leistet auch die Bildung der Zoobesucher einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz. Besonders die Programme der Zooschule legen großen Wert auf die Vernetzung von naturwissenschaftlichem Wissen und handlungsorientierten Naturschutz.
Außerdem beteiligt sich der Zoo Heidelberg an den jährlichen Artenschutzabkommen des Europäischen Zooverbands (EAZA). Mit Unterschriften und Sammlungen werden dringende Naturschutzprobleme wie die Ausrottung der Menschenaffen bekannt gemacht und Aktionen zum Schutz der betroffenen Tiere gestartet. Die nächste EAZA-Kampagne 2012 widmet sich bedrohten Tierarten in Südostasien. Im Zoo Heidelberg sind viele Tiere aus Südostasien beheimatet, zum Beispiel die scheue und schöne Goldkatze, die neugierigen Binturongs oder die quirligen Kurzkrallenotter.
Zusätzlich zu den Aktivitäten in Heidelberg beteiligt sich der Zoo an verschiedenen Projekten innerhalb (In-situ) der natürlichen Lebensräume bedrohter Tierarten. Dafür wird ein fester Etat bereitgestellt. Die Zoobesucher unterstützen mit einem Teil Ihrer Eintrittsgelder die Artenschutzprogramme des Zoos. So flossen im Jahr 2011 über 50.000 Euro der Zooeinahmen sowie Spenden der laufenden Kampagnen direkt in Artenschutzprojekte. Seit über 10 Jahren engagiert sich der Zoo in Westafrika. In den letzten Resten der westafrikanischen Regenwälder leben die seltensten Affen Afrikas. Unter ihnen ist auch die elegante Roloway-Meerkatze, die im Zoo Heidelberg gehalten wird. 2001 hat der Zoo dort die „West African Primate Conservation Action“, kurz WAPCA, gegründet, um durch Naturschutz und Umweltbildung in Ghana und der Elfenbeinküste die bedrohten Affenarten vor der Ausrottung zu bewahren.
Der Zoo Heidelberg kümmert sich aber auch um ein Artenschutzprojekt direkt vor unserer Haustür. Kaum einer weiß, dass der Feldhamster in unseren Breiten fast ausgestorben ist. Zusammen mit dem Mannheimer Artenhilfsprogramm für den Feldhamster werden die Tiere im Zoo Heidelberg nachgezüchtet, um dann die Jungtiere wieder in geeigneten Lebensräumen des Rhein-Neckar-Raumes auszuwildern.
Beide „in-situ-Projekte“ des Zoos wurden vom Weltzooverband WAZA mit dem „Zertifikat für In-situ-Artenschutz“ als beispielhaft ausgezeichnet.
Neben Roloway-Meerkatze und Feldhamster stehen aktuell bedrohte Tierarten Madagaskars, der Philippinen und die Mähnenrobben Südamerikas im Fokus. Zusätzlich hilft ein Notfallfond, falls weitere Projekte dringend finanzielle Hilfe benötigen.


 

Zoo Heidelberg freut sich über ein erfolgreiches Jahr 2011

Ein schönes Ereignis im Jahr 2011: Die Geburt des kleinen "Kwame". Foto von H. Knigge

Heidelberg, 30. Dezember 2011, S. Richter  Seit seiner Eröffnung im Jahr 1934 konnte der Zoo Heidelberg noch nie so viele Besucher willkommen heißen wie 2011 – rund 610.000 Menschen besuchten in diesem Jahr den Zoo. „Ausschlaggebend für das hervorragende Ergebnis war in erster Linie das gute Zoowetter im Frühjahr und Herbst und der nicht zu heiße Sommer. Aber auch die steigende Attraktivität des Zoos durch Neubauten wie das Elefantenhaus oder die Vergrößerung der Schimpansen-Außenanlage dürfte viele zusätzliche Besucher angelockt haben“, freut sich Zoodirektor Dr. Klaus Wünnemann. „Das Ziel ist, uns auf diesem Niveau zu etablieren“.

Im Trend liegt dabei mehr denn je das Jahresticket, berichtet Wünnemann. Unter den Besuchern sind inzwischen rund 2.500 Familien der Region, die eine solche Dauerkarte erworben haben. Dass der Zoo weit über die Stadtgrenzen beliebt ist, zeigt die Statistik, nach der die Besucher aus allen Städten und Gemeinden der Metropolregion und zunehmend aus anderen Bundesländern kommen.
Der kaufmännische Geschäftsführer Frank-Dieter Heck sieht in der hohen Besucherzahl auch eine Verpflichtung für den Zoo: „Die Infrastruktur für die Besucher muss weiter verbessert werden“. So wird sich im nächsten Jahr im Zoo Heidelberg vieles tun. Das neue Service-Zentrum, das ein zooeigenes Parkhaus mit 397 Plätzen, den Zooeingang und Zoo-Shop verbindet, soll im Frühjahr 2012 eröffnet werden. Vom Auto gelangen die Besucher direkt in das Eingangsgebäude, wo sie alle Informationen finden und im Zooshop nach Lust und Laune stöbern können. Der jetzige Eingangsbereich des Zoos wird völlig neu gestaltet. Das von außen einsehbare Gemeinschaftsgehege der syrischen Braunbären und Korsakfüchse wird vergrößert und den Besucher erwarten interessante neue Einblicke in die Tierwelt. Der bisher vom Zooshop genutzte gläserne Kubus wird zum Cafe umgestaltet und die Anzahl der Besuchertoiletten deutlich erhöht. Auch soll 2012 mit dem Umbau der Löwenanlage begonnen werden. Die neue Anlage wird neben der sechsfachen Fläche mit einer reichhaltigen Struktur ihren Teil zu einem artgerechten und erfüllten Leben der Tiere beitragen.

Es bleibt spannend im Zoo Heidelberg.


 

Weihnachten im Zoo Heidelberg Tiergeschichten mit Zoodirektor Dr. Klaus Wünnemann

Rhesusaffen tun sich am Weihnachtsbaum gütlich. Foto von H. Knigge

Heidelberg, 21. Dezember 2011, S. Richter  Was tun am 24. Dezember, wenn der Morgen so ewig lang erscheint und die Kinder auf die Bescherung warten? Um die Zeit zu verkürzen, hat der Zoo von 9-13 Uhr geöffnet, ebenso der Zooshop. Neben schönen Geschenken können auch die beliebten Jahreskarten erworben. Um 11 Uhr liest Zoodirektor Dr. Klaus Wünnemann aus seinen liebsten Tiergeschichten vor. „Es ist eine schöne Art, den Tag für die Kinder zu verkürzen und uns bei all den Besuchern zu bedanken, die dieses Jahr besonders treue Kunden waren“. Treffpunkt ist um kurz vor 11 Uhr beim Weihnachtsbaum am großen Spielplatz. Anschließend unternimmt der Zoodirektor mit den Kindern einen kurzen Rundgang zu den Alpakas und Elefanten. Die Veranstaltung ist kostenlos – es ist nur der Zooeintritt zu entrichten.
Für die Tiere im Zoo Heidelberg kommt übrigens die eigentliche Bescherung kurz nach Weihnachten. Der Zoo erhält seit vielen Jahren von der Raiffeisengenossenschaft Handschuhsheim, Schriesheim und Heddesheim ausgewählte Weihnachtsbäume, die bis zum 24. Dezember 12 Uhr nicht mehr verkauft werden konnten. Dieses großzügige Geschenk ist eine ganz besondere leckere Überraschung für fast alle Zootiere. Während manche Tiere nur die Nadeln oder nur die Rinde verzehren, wälzen sich die Löwen mit Vorliebe in den Nadelbäumen, um sich mit dem Harzduft zu parfümieren. Das Affenrevier beschenkt seine Schützlinge auf eine besondere Weise. Die Nadelbäume werden mit Spagetti-„Lametta“ dekoriert und dann ab dem 25. Dezember in den Gehegen aufgestellt. Ob Gorilla, Orang-Utan, Schimpanse, Hulman oder Rhesusaffe – die Freude bei den Tieren ist riesengroß.

Der Zoo Heidelberg hat in den Wintermonaten November bis Februar an jedem Tag von 9 bis 17 Uhr geöffnet, selbstverständlich auch an Neujahr. An Silvester schließt der Zoo um 13 Uhr.

Zuwachs bei den großen Kudus im Zoo Heidelberg

Die beiden Kudu-Weibchen - im Hintergrund ein neugieriges Zebra-Damentrio

Heidelberg, 15. Dezember 2011, S. Richter  „Papa, haben die denen die Ohren lang gezogen?“, ist eine häufig gestellte Frage von Kindern, wenn Sie das erste Mal einen „großen Kudu“ sehen. Neben den dunklen Glanzaugen zählen die riesigen, runden Ohren der „großen Kudus“ sicher zu den auffälligen Merkmalen dieser schönen, afrikanischen Antilopenart. Die markanten Ohren haben eine durchaus wichtige Funktion. Kudus sind sehr scheu und mit ihren großen, beweglichen Ohren können sie verdächtige Geräusche aus beträchtlicher Entfernung wahrnehmen und entsprechend reagieren. Sie können sogar die Ohren nach hinten drehen und so hören, was hinter ihnen passiert.

Im Zoo Heidelberg sind vor kurzem zwei Kudu-Weibchen aus dem Zoo Hoyerswerda eingezogen. Die 2003 geborene Arusha und ihre 2008 geborene Tochter Sabi bilden nun mit dem prächtigen Kudubock Kaito, dem Weibchen Stobi und deren Sprössling Tawanda eine kleine Herde. Die Kudus in Heidelberg teilen sich mit Zebras, Blessböcken und Pelikanen die bei den Besuchern sehr beliebte weitläufige Afrika-Anlage. Die Anlage ist das größte Gehege des Zoos und vermittelt einen Eindruck des Zusammenlebens verschiedener Huftiere der afrikanischen Savanne.
Da die zwei Neuankömmlinge bislang aber nie mit anderen Tieren eine Anlage geteilt haben, müssen sie von den Pflegern behutsam an die weiteren Bewohner der Afrikaanlage gewöhnt werden. Deshalb wurden Sie zunächst mit den anderen Kudus, anschließend mit den Blessböcken und nun mit der Zebraherde zusammengelassen. Das Staunen war in den ersten Tagen auf beiden Seiten entsprechend groß, sie leben sich aber zunehmend gut in die Gemeinschaft ein.
Der große Kudu mit einer Schulterhöhe von zirka 150 Zentimeter bewohnt in kleinen Familienverbänden die Baumsavannen vom Nil bis an die südliche Spitze Afrikas. Die hübschen Tiere sind schlank und hochbeinig, ihre Grundfarbe ist graubraun. An den Flanken laufen 6-10 weiße Streifen von der Rückenmitte nach unten. Ein weißer Streifen bildet auf dem Rücken einen Aalstrich, ein weiterer Strich verbindet die Augen. Die Kuduböcke tragen ein markantes, schraubenförmiges Gehörn, das über ein Meter lang werden kann – ein Grund, warum sie bei Jägern sehr beliebt sind.

Erwachende Liebe bei asiatischen Schönheiten

Wunderschönes Goldkatzenportrait von Rose von Selasinsky

Heidelberg, 8.12.2011 / S. Richter  Der Zoo Heidelberg kann sich über zwei wichtige Ereignisse bei den extrem seltenen Asiatischen Goldkatzen freuen. Seit Mitte September hat der sechsjährige Goldkatzenkater „Saigon“ mit der 14 Jahre alten „Vung-Tau“ eine neue Partnerin gefunden. Nach intensiven Bemühungen ist es gelungen, eine genetisch besonders wertvolle weibliche Goldkatze aus dem Allwetter-Zoo Münster in den Zoo Heidelberg zu holen.
Mit seiner vorhergehenden Partnerin verstand sich Saigon weniger gut und trotz zweijähriger Versuche wollte sich das Paar nicht aneinander gewöhnen. Das Goldkatzenpaar im Allwetter-Zoo Münster hatte sich zwar gut verstanden, aber nicht gezüchtet. Aus diesem Grund einigten sich die Zooverantwortlichen auf einen Partnertausch.
Und nun bahnt sich zur großen Freude der Tierpfleger im dichten Dschungelgrün des Geheges eine romantische Liebesgeschichte zwischen den asiatischen Schönheiten an: Sie kuscheln und schnurren und lecken sich gegenseitig ihr goldfarbenes Fell – eindeutige Anzeichen für erblühende Liebesgefühle. Die beiden sind bereits mehrere Stunden am Tag gemeinsam im Gehege, nachts werden sie aber zur Sicherheit noch abgetrennt. Es mag übertrieben klingen, die erfolgreiche Annäherung der Katzen so zu betonen. Selbstverständlich ist das regelrecht zärtliche Beieinander jedoch ganz und gar nicht. Von Seiten der Tierpfleger war Fingerspitzengefühl, Erfahrung und Engagement nötig, die wertvollen Goldkatzen in ihren ersten kritischen Wochen des Kennenlernens zu begleiten. Die hochbedrohten Asiatischen Goldkatzen sind extrem scheue Einzelgänger. Die Zucht in Menschenobhut gelingt nicht überall. Zurzeit gibt es in Europa auch nur acht Zoos, die Goldkatzen halten. Deshalb kommt der überraschend guten Beziehung zwischen „Saigon“ und „Vung-Tau“ eine besondere Bedeutung zu, auch im Hinblick auf Nachwuchs.Die Haltung und Zucht von Goldkatzen hat im Zoo Heidelberg Tradition. Seit 35 Jahren gilt der Zoo als das Zentrum für die Zucht dieser schönen Tiere. Seit 2002 übernimmt der Zoo Heidelberg die Verantwortung für das gesamte Zuchtmanagement der Asiatischen Goldkatze in Europa. Koordinatorin für das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) ist Sandra Reichler, Kuratorin des Zoos. Die Aufgaben eines EEPs sind vielfältig. Die Daten sämtlicher in den Zoos Europas jemals gehaltenen Goldkatzen müssen zusammengetragen und in ein spezielles Computerprogramm eingegeben werden. Dieses Zuchtbuch enthält wichtige Informationen über die Verwandtschaftsverhältnisse, die durchschnittliche Lebenserwartung, die Wurfgröße und die Geschlechtsreife der Goldkatzen. Aus diesen Informationen werden dann Empfehlungen zur Zucht, zur Abgabe und zum Tausch einzelner Individuen an alle Halter weitergegeben. Auch Haltungsempfehlungen für diese wertvolle und schwierig zu haltende Kleinkatzenart wurden von der Biologin erarbeitet. „Wir sind Anlauf- und Sammelstelle für alle wissenschaftlichen Daten, die zu Asiatischen Goldkatzen in den Zoos und auch im Freiland aufgenommen werden. Sie werden hier bearbeitet und dann an alle interessierten Wissenschaftler und Kollegen weitergeleitet“ erklärt Sandra Reichler. „Wichtig ist vor allem die Zusammenarbeit mit Schutzprojekten in Südostasien, damit diese wunderschöne Katzenart vor der Ausrottung bewahrt werden kann.“ Die Zerstörung des Tropischen Regenwaldes, aber auch die Jagd auf ihr rotgoldenes Fell haben die Asiatische Goldkatze selten werden lassen. Neben dem Tiger gehört sie zu den am stärksten gefährdeten Katzen des Tropischen Asien.
 

Inhalt abgleichen