Pressemitteilungen

Zugezogen und hiergeblieben: Waschbären

Waschbär mit kleinem Kürbis im Zoo Heidelberg
Mit viel Gefühl untersuchen Waschbären die angebotenen Nahrungsmittel. Foto: Peter Bastian/Zoo Heidelberg

Nordamerikaner im Zoo Heidelberg  

Viele „Einwanderer“ im Tierreich, die wir inzwischen gut kennen, zählen zu den Neozoen. So werden die Tierarten bezeichnet, die von Menschen, sei es absichtlich oder unabsichtlich, in andere Gebiete gebracht werden und sich dort in der Natur etablieren. Neben den in der Region sehr bekannten Halsbandsittichen, gehören die Waschbären ebenfalls nicht zur Urbevölkerung unserer Breitgrade. Sie sind aus Nordamerika eingewandert.

Sogar in Deutschland kann es inzwischen vorkommen, dass man den Waschbären mit seiner typischen Räubermaske bei einem Diebeszug erwischt. In den 20er Jahren wurden einige dieser Kleinbären wegen ihres hübschen Fells nach Europa mitgebracht. Freigelassene oder entwichene Tiere haben sich schnell an die neue Umgebung angepasst. Die Allesfresser mögen das milde Klima und finden in Europa ein vielseitiges Nahrungsangebot. Bevorzugt werden Muscheln, Schnecken, Würmer und Obst. Wenn sich jedoch die Möglichkeit ergibt und die verlockenden Düfte aus der ein oder anderen Mülltonne über die natürliche Scheu siegen, trauen sich die Kleinbären auch in Gärten und auf Terrassen.

Seit den 90er Jahren werden im Zoo Heidelberg Waschbären gehalten. Zur Zeit, als die Waschbären in einem anderen Gehege untergebracht waren, kam es zu einem ungewöhnlichen Ereignis: Einer der kleinen Maskenträger hatte es eines Nachts offenbar geschafft, unbemerkt das Gehege zu verlassen. Die Tierpfleger stellten am nächsten Morgen den Fehlbestand fest und beseitigten das Schlupfloch umgehend. Die Suche nach dem Ausreiser blieb jedoch ohne Erfolg. Nicht schlecht staunte man daher ein paar Tage später im Zoo: Der Waschbär hatte sich ebenso unbemerkt wieder eingeschlichen und überraschender Weise bei seiner Heimkehr gleich einen weiteren Waschbären zusätzlich mit in das Gehege geschmuggelt.

Seit der Zoo im März 2014 ein neues Gehege für die Waschbären fertiggestellt und die komplette Gruppe dorthin umgesiedelt hatte, sind jedoch keine weiteren Freigänge der Waschbären aus dem Zoo vorgekommen. Das ansprechend gestaltete Freigehege mit Teich und Klettermöglichkeiten bietet den kleinen Bären viel Abwechslung und sie können sich auf die gute Versorgung mit Nahrung durch die Tierpfleger verlassen.

Ein häufiger Irrtum, auf den auch der Name der Waschbären zurückführt, ist übrigens die Annahme, dass die Tiere besonders reinlich im Umgang mit ihrer Nahrung sind. Das typische „Waschverhalten“ dient weniger der Reinigung der Nahrung als der Erkennung. Da die dämmerungsaktiven Waschbären mit den kleinen Knopfaugen, die sie in der breiten Augenbinde verstecken, nicht besonders gut sehen können, sind die Tiere sehr auf ihren Tastsinn angewiesen. In ihrer Hornhaut an den Vorderpfoten liegen besonders viele Sinneszellen, mit denen sie das Futter hervorragend erfühlen können. Durch das Drehen nach allen Seiten scheint es daher für den Beobachter, als würden Sie die Nahrung waschen. Hinzukommt, dass Waschbären gerne an Ufern nach Muscheln, Schnecken und Würmern suchen. Das Eintauchen in benachbarte Wasserstellen verstärkt diese Wasch-Wahrnehmung für den Betrachter, dient den Waschbären jedoch zur Steigerung der Sensibilität der Sinneszellen an den Tatzen. Durch das Anfeuchten der Pfoten wird die Hornhaut weicher und der Tastsinn der Tiere verstärkt. Beobachten kann man dies auch manchmal bei den Fütterungen im Zoo Heidelberg, die täglich um 15:45 Uhr stattfinden.

Dateien

Der Bär, der sich nicht traute

Syrischer Braunbär im Zoo Heidelberg
Neues entdecken auf der großen Bärenaußenanlage. Foto: Petra Medan/Zoo Heidelberg

Grüne Wiesen, Felsen, Baumstämme zum Klettern und Schubbern, schattige Plätze unter großen Bäumen, ein kühler Wasserlauf – das  Bärenleben im Zoo Heidelberg kann so schön sein.  Am 4. Juni 2015 wurde die Erweiterung der Bärenanlage eröffnet und alle waren begeistert – nur die Bären (noch) nicht.

Als Übergang zwischen den Gehegebereichen war die alte Bärenanlage über eine schwenkbare Brücke mit der neuen Außenanlage verbunden worden. Für die Korsakfüchse, die sich das Gehege mit den Syrischen Braunbären teilen, offensichtlich eine willkommene Neuerung – binnen weniger Stunden liefen sie über die Brücke auf die neue Anlage und wieder zurück, als hätten sie ihr ganzes Leben nichts anderes getan.

Und die Braunbären? Sie beobachteten die Füchse beim Tollen auf der neuen Anlage, blieben jedoch auf ihrem vertrauten Terrain. Uschi, 21 Jahre alt, war neugierig genug um ebenfalls, gleich zur Eröffnung die Brücke zu überqueren.  Und nach etwas mehr als einer Woche hatte sie die neue Anlage komplett für sich entdeckt und genoss den dazugewonnen Lebensraum. Doch Benny, der große starke Bärenmann, misstraute dem Ganzen und der Brücke insbesondere. Er war weder mit Futter noch mit guten Worten oder Honig auf die neue Anlage zu locken. Der Anblick der Füchse, die vor seinen Augen die Leckerbissen im neuen Gehegebereich genüsslich verzehrten, erzeugte zwar erheblichen Frust, aber über die Brücke ging er nicht.  Gudrun, die Dritte im Bunde und mit 33 Jahren die älteste Bärin in Heidelberg, wagte den Schritt dann noch vor ihm. Auf der neuen Anlage bekam sie aber Angst vor der eigenen Courage und wollte „heim“. Sie traute sich jedoch nicht zurück über die Brücke. Drei Tage und zwei Nächte blieb sie im ungewohnten Exil, bis sie allen Mut zusammennahm und über die Brücke zurück in das gewohnte und sichere Gehege stürmte. Bisher hat sie das neue Territorium noch nicht wieder betreten, blickt aber immer wieder neugierig hinüber.

Nach intensiven Gesprächen gemeinsam mit den Tierpflegern wurde die Brücke Ende Juli von den Handwerkern des Zoos „angstbärenfreundlich“ für Benny umgestaltet. Anstatt des schwenkbaren Übergangs aus Baumstämmen wurde eine feste Plattform in dreifacher Breite installiert. Benny bekam zudem eine strenge Diät verordnet, um die Verlockung durch die jenseits der Brücke angebotenen Leckereien zu erhöhen. Und tatsächlich, nach weiteren drei Wochen und gutem Zureden seiner Lieblingstierpflegerin Bianca Weißbarth, betrat Benny das neue Gehege. Für den Zoo ein epochales Ereignis, die Mitarbeiter einschließlich des Direktors stürmten zur Anlage um das „Wunder“ mit eigenen Augen zu sehen. Zaghaft erkundete Benny die gesamte Anlage, tauchte den Kopf in das große Wasserbecken, schnüffelte an den Bäumen und war so angespannt, dass er die zugeworfenen Lieblingsbissen ignorierte – die später von Uschi und den Füchsen verzehrt wurden.

Nach dieser Expedition ins Ungewisse und den vielen neuen Erfahrungen auf der großen Anlage war Benny fix und fertig. So vergingen weitere zwei Wochen, bevor er erneut den Schritt in die schöne neue Heimat wagte. Seitdem können ihn die Zoobesucher fast  jeden Tag dort beobachten. „Das war ein tolles Lehrstück in Verhaltensbiologie: Die Korsakfüchse als opportunistische Kleinräuber müssen neue Ressourcen sofort nutzen, um zu überleben und so haben sie die Anlage blitzschnell angenommen. Dass mit Benny das ranghöchste Tier am vorsichtigsten ist, ist nicht ungewöhnlich. In ähnlichen Fällen haben Bären und andere Tiere neue Gehegebereiche bis zu einem Jahr lang nicht betreten – da waren unsere Bären vergleichsweise schnell und neugierig. Unsere Tierpfleger haben das sehr gut hinbekommen.“ bewertet Zoodirektor Dr. Klaus Wünnemann das Geschehen. 

Wer Benny heute wie selbstverständlich durch die neue Anlage stapfen sieht, kann sich kaum vorstellen, dass er der Bär ist, der sich nicht traute.

Dateien

Seniorentag am 27. September im Zoo Heidelberg

Historie, Alter Zooeingang
Archivfoto Zoo Heidelberg: Blick vom Eulenturm auf den Haupteingang

Am Sonntag, den 27. September, laden der Zoo und die Zooschule von 14:00 Uhr bis 17:30 Uhr alle unternehmungslustigen Senioren zu einen besonderen Nachmittag ein.

An vier Stationen, die sich je nach Wetter in oder vor den Tierhäusern befinden, geben Zooranger auf Fragen rund um Elefanten, Menschenaffen, Raubtiere & Co kompetente Auskunft und halten neben Informationen auch Material zum Anschauen und Anfassen bereit.

Viele Besucher begleiten den Zoo Heidelberg schon seit Jahrzehnten. Seit seiner Eröffnung im Jahre 1934 wurde schrittweise ein Wandel des Tiergartens hin zu einem modernen Naturschutzzentrum vollzogen. Im Zuge dieses Prozesses wurden viele Gehege nach und nach umgewandelt oder neu gebaut, sodass sie den natürlichen Lebensbedingungen der Tiere so nahe wie möglich kommen.

1934 gegründet von Nobelpreisträger Prof. Dr. Carl Bosch und Prof. Dr. Otto Fehringer, einem passionierten Ornithologen, lag der Schwerpunkt anfänglich bei der Haltung einheimischer und exotischer Vögel mit Europas größter Freiflugvoliere für Greifvögel. Am Ende des zweiten Weltkrieges wurde der Tiergarten stark zerstört und erlebte danach einen anfänglich von finanziellen Schwierigkeiten geprägten Wiederaufbau. In den 60er Jahren kamen unter Zoodirektor Wolfgang Rohr vermehrt exotische Großtiere in den Tiergarten. Von 1972 bis 1998 leitete Dr. Dieter Poley den Tiergarten, eine Phase mit vielen Neubauten, in der das Afrikahaus, das Raubtierhaus und auch das Menschenaffenhaus entstanden. Seit 1998, Dienstbeginn des heutigen Zoodirektors Dr. Klaus Wünnemann, entwickelt sich der Zoo Heidelberg stetig zu einem modernen Naturschutzzentrum, in dem unterschiedlichste Tierarten und die Besucher gleichermaßen im Mittelpunkt stehen. „ Wir freuen uns sehr über unsere älteren Besucher, die uns aus den frühen Jahren des Tiergartens berichten, die wir nicht miterlebt haben. In ihren Geschichten wird die Jugendzeit des Tiergartens wieder lebendig. Einige Gehege erinnern heute noch an diese Zeit, wie das historische Bärengehege, in dem jetzt die Stachelschweine leben.“ erläutert Zoodirektor Dr. Klaus Wünnemannn.

Als besonderer Dank für die oft jahrzehntelange Treue unserer älteren Zoobesucher gilt an diesem Tag für alle Seniorinnen und Senioren bis Jahrgang 1955 bei Vorlage des Ausweises ein Sondertarif von 5,- € für den Eintritt. Und wer zusätzlich noch ein Bild aus dem Tiergarten von vor 1965 als Geschenk für den Zoo mitbringt, erhält freien Eintritt.

Dateien

Außergewöhnliches Praktikum im Zoo Heidelberg für Studenten

Studenten erkunden den Bau der Präriehunde
… bei der Erkundung des Baus der Präriehunde - Foto: Zoo Heidelberg

Studienkurs Tiergartenbiologie

Einmal im Jahr bietet der Zoo Heidelberg Studenten der Biowissenschaften an der Universität Heidelberg im Kurs „Tiergartenbiologie“ die Möglichkeit, hinter die Kulissen des Zoos zu schauen.

Das Seminar mit anschließendem Praktikum erfreut sich großer Beliebtheit, da man hier in einen Bereich der Biologie hineinschnuppern kann, von dem man im Studium sonst kaum etwas mitbekommt. Die Zoologie nimmt in den meisten Biologiestudiengängen nur einen geringen Anteil ein. So entstand der Kurs Tiergartenbiologie, der nun schon seit über zehn Jahren angeboten wird. In diesem Jahr nahmen wieder neun Studenten daran teil.

Viele der Studenten waren sich zuvor nicht genau bewusst, was sie im Praktikum erwartet. Von den Aufgaben eines Tierpflegers hatten sie eine ungefähre Vorstellung. Doch welche Aufgaben hat ein Biologe im Zoo, was macht ein Zoopädagoge und wie sieht der Alltag eines Zootierarztes aus?

In all diese Bereiche erhalten die Praktikumsteilnehmer Einblick und ihnen wird vermittelt, wie ein Zoo arbeitet und welche Aufgaben er hat. Das beinhaltet zunächst detaillierte Informationen während unterschiedlicher Führungen und Vorträge zu Themen wie Zoopädagogik, Verhaltensforschung und Zootiermedizin.

Selbst aktiv werden die Studenten im anschließenden Praktikum, nachdem sie bestimmten Tierarten zugeteilt wurden, mit denen sie sich zwei Wochen intensiv beschäftigen.

In diesem Jahr waren es Strauße, Kakadus, Rote Pandas und Präriehunde. Die Studenten sollten für ihre Tierart ein spezielles Beschäftigungsprogramm entwickeln, ein ideales Gehege und die passende Beschilderung entwerfen und eine Unterrichteinheit zu der jeweiligen Tierart vorbereiten. Dazu mussten sich die Gruppen zunächst Grundwissen zu ihrer Tierart erarbeiten und typische Verhaltensmuster durch Beobachtung identifizieren. Sie setzten dabei unterschiedliche Methoden der Verhaltensforschung ein, in die sie zuvor eine theoretische Einführung bekamen. Die Fokusmethode konzentriert sich auf ein Tier, das durchgehend über eine gewisse Zeit beobachtet wird. Bei der Scanmethode wird bei der Beobachtung einer ganzen Gruppe in Zeitabstanden notiert, was die einzelnen Individuen gerade tun.

Dabei ist eine wissenschaftliche und nicht emotionale Bewertung des Verhaltens besonders wichtig. Fehler können auftreten, wenn die Tiere vermenschlicht werden und ihr Verhalten dadurch falsch interpretiert wird. Was für den Menschen wie ein Lachen klingt kann bei manchen Tieren ein Warnruf sein und ein scheinbares Grinsen kann Aggression bedeuten.

Nachdem sich die Studenten mit dem jeweiligen Verhalten vertraut gemacht hatten, sollte ein Konzept entwickelt werden, um die Tiere vermehrt zu natürlichen Verhaltensweisen, wie z.B. die Futtersuche, zu motivieren. Dazu wurden passend zu der Tierart denkbare Beschäftigungsmöglichkeiten entwickelt und den Tieren präsentiert. Dadurch konnte evaluiert werden, wie die Beschäftigung angenommen wurde. Danach folgte erneut die Beobachtung, ob die Tiere überhaupt Interesse zeigen und ob sich die Zeit verlängert oder die Frequenz signifikant erhöht, in der die gewünschte Verhaltensweisen ausgeführt werden.

Nicht alle Ideen stießen bei den Tieren gleich auf Interesse und so kamen die Studenten, wie so oft in der Wissenschaft, nur mit „Versuch und Irrtum“ voran. Das kann frustrierend sein und war keine einfache Aufgabe, die die Studenten jedoch mit großer Kreativität lösten.

Da auch die Gehege einen entscheidenden Einfluss auf das Wohlbefinden der Tiere haben und der Zoo konstant bemüht ist, seine Gehege zu optimieren, sollten die Studenten auch Gehege für ihre jeweilige Tierart planen. Dabei stellte sich die generelle Frage nach einem idealen Gehege. Es sollte möglichst gut alle Bedürfnisse einer speziellen Tierart erfüllen, deren natürlichen Lebensraum abbilden, gleichzeitig sicher sein und für den Zoobesucher gut einsehbar. Außerdem sollte es für die Tierpfleger gut zugänglich und möglichst leicht zu reinigen sein. Klingt kompliziert? Ist es auch. Gehege, speziell größere Anlagen, wie die neue Bärenanlage im Zoo Heidelberg, erfordern oft mehrere Jahre in der Planung.

Bei den Präriehunden hatten die Studenten eine tolle Idee. Um herauszufinden, wie ein optimales Gehege aussehen könnte, wollten sie das Gangsystem, das sich die Präriehunde unterirdisch gegraben haben, genauer erforschen. Sie verwandten dazu ein Endoskop und erlangten so über die kleine Kamera einen ganz neuen Einblick in das Leben der Präriehunde, das sich Großteils unterirdisch abspielt. „Es war toll mal einen Blick hinter die Zookulissen zu bekommen“ berichtet eine der Studentinnen gegen Ende des Praktikums.

Sandra Reichler, Kuratorin im Zoo Heidelberg und Betreuerin des Praktikums, äußert sich ebenfalls positiv: „Das Praktikum bringt allen etwas. Den Studenten Erfahrungen und den Tieren tolle Beschäftigungsmöglichkeiten, die ihr Leben bereichern.“

Dateien

Erfahrungsaustausch im Zoo Heidelberg

Logo BdZ

Über 70 Vogelpfleger aus ganz Deutschland kamen nach Heidelberg

Das Treffen der Vogelpfleger fand in diesem Jahr im Zoo Heidelberg statt. Über den BdZ (Berufsverband der Zootierpfleger e.V.) finden die jährlichen Treffen wechselnd in den angeschlossenen Zoos, Tiergärten und Vogelparks statt. Die über 70 Teilnehmer nutzten die Gelegenheit, sich mit den Heidelberger Vogelpflegern im Zoo auszutauschen.

Besonders die Konzepte des Zoo Heidelberg zur künftigen Vogelhaltung, die von den Vogelpflegern des Zoos, Alexandra Dussel, Nadja Lippold, Chantal Lorenz und Simon Borchardt, vorgestellt wurden, trafen auf großes Interesse bei den Zuhörern.

Vogelkurator Simon Bruslund stellte das vom Zoo unterstützte außergewöhnliche Niasbeo-Artenschutzprojekt und die aktuellen Erfolge vor. Er berichtete ebenfalls über die richtungsweisende Arbeit der Spezialistengruppe für Papageien, der inzwischen mehr als 35 Personen weltweit angehören.

Weitere Vorträge zu aktuellen Themen wie Vogelgrippe und Kupierverbot, aber auch zu den Anforderungen bei der Haltung verschiedener Vogelarten boten viel Potenzial für einen regen Austausch der Vogelpfleger untereinander.

Im Rahmen einer Versteigerungsaktion unter den Gästen, bei der verschiedene Zoo- und Vogelbücher sowie weitere kleinere Gegenstände von den Teilnehmern selbst zur Verfügung gestellt wurden, kamen, nicht zuletzt dank einer großzügigen Aufrundung des BdZ, insgesamt 1.500 € zusammen. 1.000 € davon gehen an das Niasbeoprojekt und das Cikananga-Projekt in Indonesien wird mit 500 € unterstützt.

Auf einer abschließenden Führung durch den Zoo konnten sich die Teilnehmer am Sonntag ein umfassendes Bild von der Vielfalt und Gestaltung der Vogelhaltung im Zoo Heidelberg machen. Nach dem 2-tägigen Treffen stimmten alle Teilnehmer darin überein, dass das Treffen ein voller Erfolg war und die angereisten Gäste nahmen viele Anregungen mit nach Hause.

Tagesablauf ohne Langeweile

Roloways mit Beschäftigungsfutter im Zoo Heidelberg
Beschäftigung für die Rolowaymeerkatzen. Foto: Antje Hoyer/Zoo Heidelberg

Tierbeschäftigung im Zoo Heidelberg schafft Abwechslung im Zoo-Alltag

In freier Wildbahn beeinflusst die Nahrungssuche einen großen Teil des Tagesablaufs vieler Tiere. Stundenlanges Lauern auf Beute, die mehrfach vergebliche Jagd oder die Suche nach Früchten, Wurzeln und Wasser bestimmen den Tag.

Im Zoo Heidelberg müssen die Tiere keine weitläufigen Waldstücke oder Geröllwüsten nach Nahrung absuchen. Dennoch bekommen selbst Löwen, die auch in freier Wildbahn einen großen Teil des Tages dösen, ein breites Angebot abwechslungsreicher Bewegungsmöglichkeiten. Programme zur Beschäftigung, Enrichment genannt, bilden wesentliche Elemente moderner Zootierhaltung und sind ebenso entscheidend für das Wohlbefinden der Tiere wie gesunde Ernährung und tierärztliche Betreuung. Damit bei den Tieren erst gar keine Langeweile aufkommt, lassen sich die Tierpfleger immer wieder etwas Interessantes einfallen. Mit dem Ziel, die Tiere durch abwechslungsreich gestaltete Tagesabläufe zu vielfältigen Verhaltensweisen anzuregen, wird das Futter bei nahezu allen Zootieren – ob bei den Zebras, Stinktieren oder Fossas – im Gehege verteilt und in unterschiedlichen Gegenständen versteckt.

Elefanten sind in Asien täglich bis zu 20 Stunden unterwegs, um ihren Hunger zu stillen. Da im Zoo diese aufwendige Futtersuche entfällt, werden die Dickhäuter mehrmals am Tag so gefüttert, dass sie sich lange mit der angebotenen Nahrung beschäftigen können. Leckereien wie Karotten, Äpfel und Pellets werden in Röhren versteckt, Heunetze aufgehängt oder frische Äste mit Laub und Rinde in das Gehege gelegt. Bei den Menschenaffen füllen die Pfleger Joghurt oder Brei in Schläuche und verstecken Sonnenblumenkerne im Stroh oder Labyrinth-Holzkisten, sodass sich die Tiere etwas einfallen lassen müssen, um an die Leckereien zu gelangen.

Den Mähnenrobben, die einen Teil des Futters im Rahmen des kommentieren Trainings erhalten, können die Zoobesucher täglich um 11.00 Uhr und um 16.00 Uhr (außer freitags) zuschauen. Die dabei gezeigten Übungen sind freiwilliger Natur und bauen auf natürlichen Verhaltensweisen der Tiere auf. Das Training hat zudem einen wichtigen Nebeneffekt: Hat die Mähnenrobbe spielend gelernt, sich hinzulegen und berühren zu lassen, lässt sie sich auch ohne Stress abtasten oder Blut für Untersuchungen abnehmen.

Weitere Enrichmentmethoden, die Zootieren besondere Reize bieten, sind Geruchsspuren. Besucher im Zoo Heidelberg sind oft überrascht, wenn es im Raubtierhaus angenehm aromatisch nach Zimt, Zitrone oder Eukalyptus riecht. Das liegt dann natürlich nicht nur am frischen Rindenmulch, der regelmäßig in den Innengehegen ausgelegt wird. „Wir regen die Sinne unserer Löwen und Tiger durch das Legen von Duftspuren an“, erklärt Jörg Kubacki, Revierleiter im Robben- und Raubtierrevier. Die Raubkatzen lieben Gewürze wie Minze, Oregano, ätherische Öle und Parfüme. Zusätzlich werden Gerüche anderer Tiere beispielsweise über Kot und Wolle von Ziegen, Schafen oder Kamelen in Säcken in den Gehegen der Raubtiere platziert. Die Wildkatzen reiben sich mit Begeisterung auf den „duftenden“ Säcken und wälzen sich darauf. So „parfümieren“ sich Löwen auch in freier Wildbahn, um den verräterischen Eigengeruch zu übertünchen, der die Beute frühzeitig warnen könnte.

Bei den Bären legen die Tierpfleger Geruchsspuren kreuz und quer im Gehege und verstecken Honig. Neugierig folgen die Bären der Spur, um herauszufinden, woher der neue Geruch stammt und werden mit der begehrten Süßspeise belohnt. Bei den Kamelen werden Düfte eingesetzt. Zum großen Vergnügen der Tiere werden die Äste im Gehege regelmäßig mit frischem Aloe Vera-Gel oder Minze abgerieben und verteilt. So hat nahezu jedes Tier seine speziellen Vorlieben. Bei Sumatra-Tiger „Tebo“ steht das Würzmittel „Fondor“ auf der aromatischen Hitliste ganz oben, während Tigerdame „Tila“ eine große Vorliebe für alle Damen- und Herrendüfte pflegt.

Dateien

Kleiner Großer Kudu im Zoo Heidelberg

Kudu-Jungtier im Stroh
Nachwuchs bei den Großen Kudus - Foto: Zoo Heidelberg

Scheuer Nachwuchs war zunächst hinter den Kulissen im Afrikahaus

„Vorübergehend geschlossen“. Am Afrikahaus im Zoo Heidelberg stießen die Besucher vor knapp zwei Wochen auf den Hinweis, dass am Freitag, 31.07. ein Kudu-Mädchen zur Welt kam. Jetzt ist es wieder für die Besucher geöffnet und das junge Kudukalb kann beobachtet werden. Die Großen Kudus zählen zu der Familie der Antilopen. Mit großen, dunklen Augen betrachtet das Kalb bereits aufmerksam die Umgebung und dreht die auffallend beweglichen, großen runden Ohren nach jedem Geräusch in der Nähe. Das Afrikahaus, in dem sich die Innengehege der Großen Kudus befinden, wurde in den ersten Tagen als Ruhezone für Mutter und Tochter übergangsweise geschlossen. Das Jungtier konnte dort bereits seine ersten Schritte tun und zu Kräften kommen, bevor es mit den anderen Tieren auf der Afrikaanlage zusammentreffen wird.

Als sogenannter „Ablieger“ wird das Kudukalb auch im Außenbereich anfangs häufig im Strohbett liegen, während die Mutter zum Fressen unterwegs ist. In ihrer Heimat, den afrikanischen Savannengebieten, liegen die Jungtiere oft stundenlang reglos gut getarnt im hohen Gras, wenn die Mutter auf Nahrungssuche ist. Einzig die Ohren und die wachsamen Glanzaugen sind dabei in Bewegung, um die Umgebung zu beobachten. Trotz der eindrucksvoll schraubenförmig gedrehten Hörner der männlichen Kudus mit Längen bis über ein Meter verlassen sich die Tiere vorrangig auf ihre gute Tarnung im Versteck. Das graubraune Fell mit den 6-10 cm langen weißen Streifen, die von der Rückenmitte nach unten laufen, verschmilzt dabei optisch mit der Umgebung. Sie sind jedoch auch gute Sprinter und können sehr weit springen. Mit einer Schulterhöhe von bis 150 cm können bei Gefahr auch hohe Zäune bis zu drei Meter mühelos überwunden werden.

In einigen Tagen wird das Jungtier im Außengehege mit den anderen Bewohnern der Afrikaanlage schrittweise zusammengeführt. In Heidelberg leben dort neben den Großen Kudus auch Blessböcke, Zebras, Strauße und Bronzeputen. Das Terrain reicht bis hinüber zu dem Teich der Pelikane.

Dateien

Faultierbaby geboren

Faultiermutter mit Kind
Faultiermutter mit Jungtier unterwegs in der Voliere - Fotos: Heidrun Knigge/Zoo Heidelberg

Kindersegen im Zoo Heidelberg hält an

Bei den Faultieren in der Südamerikavoliere zeigt sich ein neues Gesicht. Das Zweifinger-Faultierpaar „Wilma“ und „Fred“ hat erneut Nachwuchs. Fest an den Bauch der Mutter geklammert, lässt sich das Ende Juli (Fr. 31.07.) geborene Jungtier herumtragen. Dort kann es sich in die langen Haare des Fells seiner Mutter einkuscheln. Das Jungtier selbst hat noch ein sehr kurzhaariges Fell.

Für das Heidelberger Elternpaar ist es bereits das vierte Jungtier. Mutter und Kind sind in den kühleren Stunden am Tag bereits wieder in den Kletterbereichen der begehbaren Voliere in der Nähe des Elefantenhauses zu beobachten.

In der für die Faultiere typischen Haltung hängen die Tiere kopfüber an den Ästen. In einigen Wochen wird auch das Jungtier selbstständig feste Nahrung aufnehmen. Für das im letzten Jahr in Heidelberg geborene Faultier-Mädchen, das noch bis kurz vor der Geburt den „Kuschelplatz“ in Wilmas Fell für sich beanspruchte, haben wir in der Zwischenzeit einen guten Platz in einem anderen Zoo gefunden. Um kein Neidverhalten gegenüber dem neuen Jungtier aufkommen zu lassen, lebt die junge Dame bis dahin in einem separaten Bereich. In freier Wildbahn werden die älteren Jungtiere vor der Geburt des neuen Nachwuchses eigenständig entwöhnt und trennen sich von den Elterntieren, sodass der Umzug für das gut einjährige, im Juni 2014 geborene, Mädchen dem natürlichen Verhalten bei Faultieren entspricht.

Ob es sich bei dem diesjährigen Nachwuchs um ein Männchen oder Weibchen handelt, ist speziell bei Faultieren nicht leicht zu erkennen. Die äußeren Geschlechtsmerkmale sind nicht stark ausgeprägt, sodass nur eine DNA-Analyse Sicherheit verspricht. Dazu werden in den nächsten Tagen ein paar Haare genommen, die zur Untersuchung in ein Labor kommen. Mit Spannung werden dann die Ergebnisse erwartet, bevor die Entscheidung für einen Namen fallen kann.

Dateien

Kunsthandwerk aus Simbabwe

Nilpferdskulpturen Shona-Art
Zu Gast: Nilpferde aus Simbabwe im Zoo. Foto: Zoo Heidelberg

Bildhauer-Workshops und Künstler zu Gast im Zoo-Heidelberg

Und es gibt doch Nilpferde in Heidelberg! Diese tummeln sich jedoch nicht etwa in einem Teich, sondern stehen reglos auf der Wiese. Bei näherer Betrachtung ist leicht zu erkennen, dass die 50 bis 100 cm großen Tiere aus Stein dennoch ebenfalls großes Interesse bei den Zoo-Besuchern wecken.

Die glänzend polierten Flusspferde sind Teil der Ausstellung der Shona-Art-Künstler, die bereits seit 2011 regelmäßig in den Sommermonaten Workshops für begeisterte Hobby-Bildhauer anbieten.

Von August bis Mitte September bietet der Galerist Bastian Müller, Galerie Shona-Art, im Zoo Heidelberg auch in diesem Jahr Bildhauerworkshops mit den Künstlern Washington Matafi, Diana Nyakudya und Tago Taszvitya an. Bearbeitet werden eigens aus Simbabwe importierte Serpentinsteine. Dieses teils weiche, teils harte Gestein mit vielfältigen Farbnuancierungen zeichnet die Besonderheit der Skulpturen aus, die in der internationalen Steinbildhauerszene zu den Highlights gehören. Mit Hammer, Meißel, Raspel und Feile bewaffnet, erschaffen die Workshop-Teilnehmer ihre ganz eigene, individuelle Shona-Skulptur; eine faszinierende Erfahrung, bei der die Künstler mit professionellem Rat und Tat zur Seite stehen und tiefere Einblicke in die Shona-Kultur ermöglichen. „Die faszinierende Technik der Shona und ihre wunderschönen Steine haben mich begeistert. Das gute Wetter, die Musik aus Zimbabwe, die ganze Stimmung unterm Zelt auf einer großen Wiese inmitten der Skulpturen haben die Kursteilnehmer inspiriert.“ berichtet Frau Alexa Gwinner, eine der Kursteilnehmerinnen, die bereits in der ersten Woche, den Workshop besuchten. Alle drei Dozenten verfügen über langjährige Erfahrung und sprechen fließend Englisch. So ist es auch für Teilnehmer mehrere Workshops im Zoo Heidelberg immer wieder ein Erlebnis, wie Frau Grabbert in ihren persönlichen Dankesworten an Shona-Art erklärt: „Es war mein dritter Kurs und es ist mir wichtig Ihnen mitzuteilen, dass ich mir nichts Vergleichbares vorstellen kann. Die Anleitung von Washigton Matafi ist einfach genial. Ich freue mich schon sehr auf den nächsten Kurs bei Daina und Tago.“

Interessierte aller Altersklassen sind eingeladen, sich ebenfalls an den Serpentinsteinen zu versuchen und den faszinierenden Entstehungsprozess der eigenen Skulptur zu erleben. Die Kurse finden täglich im Zoo Heidelberg auf der „Flamingowiese“ statt. Dank regendichter Zelte können die Workshops bei jeder Wetterlage stattfinden. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Die Teilnahmegebühr beträgt für die ersten zwei Tage je 55 Euro. Jeder weitere Tag kostet 35 Euro. Hinzu kommen noch Materialkosten in Höhe von drei Euro pro Kilo Original-Serpentinstein aus Simbabwe. Werkzeuge werden gestellt. Für die Organisation und Planung ist eine Anmeldung zu den Workshops unter Telefon 02302-9787428 oder bildhauen@shona-art.com erforderlich.

Dateien

Kugelrunde Jungtiere im Zoo Heidelberg

Kugelgürteltierweibchen mit eingerolltem Jungtier
Kugelgürteltiere im Zoo Heidelberg. Foto: Zoo Heidelberg

Zweifacher Nachwuchs bei den Kugelgürteltieren

Gleich bei beiden Gürteltierpaaren entdeckten die Pfleger im Zoo Heidelberg vor ein paar Wochen neue kleine Kügelchen. Die Jungtiere kommen nach einer Tragzeit von rund 120 Tagen, die aber auch bis zu einem Jahr dauern kann, zunächst blind zur Welt. Nicht viel größer als ein Golfball liegen die Jungen gut versteckt im Gehege, wenn die Tierpfleger sie zum ersten Mal entdecken. Bereits nach zwei bis drei Monaten sind die Kleinen von der Mutter entwöhnt. Sie sind dann etwa so groß wie ein Tennisball. Inzwischen wachsen die Jungtiere gut heran und werden bald mit den Eltern durch die Gehege streifen.

Ausgewachsen messen die Kugelgürteltiere, die auch Dreibindengürteltiere genannt werden, ca. 25 cm vom Kopf bis zum Körperende und wiegen rund 1,5 Kilogramm. Sie besitzen einen schmalen Kopf mit spitzer Schnauze, einen sechs bis acht Zentimeter langen Schwanz und sind recht hochbeinig. Die Vorderfüße haben vier Zehen mit ziemlich scharfen Krallen. Ihren Namen haben die außergewöhnlichen Tiere aufgrund ihrer speziellen Verteidigungsstellung. Sie haben die Fähigkeit, sich bei Gefahr vollständig in ihren Panzer einzukugeln. Zu diesem Zweck verbergen sie die Beine im Inneren. Der Köper wird dabei von dem starken lederähnlichen Gürtelpanzer geschützt und die harte Oberseite des Kopfes und des Schwanzes bilden den Verschluss – fertig ist die Kugel. So sind sie nahezu vor allen Fressfeinden geschützt. Einzig ein kräftiger Jaguar kann diese Festung aufbrechen. Sofern Sie sich jedoch sicher fühlen und herumlaufen, kann man die in Reihen angeordneten, lederartigen Panzerplatten gut erkennen, die im Aussehen an drei Gürtel erinnern.

Sie leben in Brasilien, Bolivien, Paraguay und dem nördlichen Argentinien und bewohnen dort vorwiegend offenes Grasland, Savannen und trockene Waldgebiete. Sie graben keine eigenen Baue, sondern verwenden verlassene Baue anderer Tiere oder ziehen sich zum Schlafen in dichte Vegetation zurück. Die Nahrung der Kugelgürteltiere besteht hauptsächlich aus Insekten und deren Larven, vorrangig Ameisen und Termiten. Mit ihren kräftigen Krallen brechen sie deren Bauten auf oder reißen die Rinde von morschen Bäumen, um an ihre Nahrung zu gelangen. Auch Früchte gehören zu ihrem Speiseplan.

Der Zoo Heidelberg züchtet Kugelgürteltiere bereits seit 2004 und hat seitdem über 15 Jungtiere erfolgreich aufgezogen, von denen viele in zahlreichen anderen europäischen Zoos leben. In Heidelberg können die Zoobesucher den munteren Gürteltiermann „Arnold“ bei der beliebten Präsentation „Klein, aber oho!“ hautnah erleben. Im Wechsel mit anderen Tieren lässt er sich gerne von den interessierten Besuchern beobachten und auch mal anfassen. Die Präsentation findet täglich um 12:00 Uhr statt.

Dateien
Inhalt abgleichen