Nachwuchs bei kleinsten Primaten im Zoo / Kaiserschnurrbarttamarine und Goldgelbe Löwenäffchen

Heidelberg, 12. April 2012, S. Richter  Der Zoo Heidelberg freut sich über possierlichen und gesunden Nachwuchs bei seinen kleinsten Primaten. Anfang März kamen bei den Kaiserschnurrbarttamarinen Zwillinge zur Welt und bei den Goldgelben Löwenäffchen ein Jungtier.

Kaiserschnurrbarttamarine und Goldgelbe Löwenäffchen haben viel gemeinsam. Beide Arten gehören zu den Krallenaffen, kleine, allesfressende Primaten, die ausschließlich in Süd- und Mittelamerika vorkommen. Dier Tiere leben in kleinen Familiengruppen von bis zu zehn Tieren und weisen ein stark ausgeprägtes Sozialverhalten auf. Dieses äußert sich zum Beispiel darin, dass der Nachwuchs von beiden Elternteilen gleichermaßen liebevoll umsorgt wird. Bei allen Krallenaffenarten ist väterliche Fürsorge ganz normal und die Männchen beteiligen sich intensiv an der Jungenaufzucht. Besucher können beobachten, wie die Väter Ihre Kinder auf dem Rücken tragen und regelmäßig der Mutter zum Säugen überreichen. Mit rund drei Monaten wird der Nachwuchs entwöhnt und gegen Ende des zweiten Lebensjahres sind die Tiere geschlechtsreif.

Leider ist die Familienidylle der Krallenaffen in ihren Heimatländern stark durch die fortschreitende Abholzung der tropischen Regenwälder und die Jagd bedroht.

Anfang der 80er Jahre wären die Goldgelben Löwenäffchen fast komplett ausgerottet worden. Sie bewohnen ausschließlich die Küstenregenwälder Brasiliens. Nur durch die Wiederansiedlung von im Zoo geborenen Tieren konnten die Löwenäffchen gerettet werden. Interessant zu wissen: Alle Löwenäffchen auf der Welt gehören dem brasilianischen Staat – auch die Äffchen im Zoo Heidelberg. Sie werden von der brasilianischen Naturschutzbehörde an ausgewählte zoologische Gärten verliehen. Löwenaffen gehören auch zu den ersten Tieren, bei denen die Wiederansiedlung zoogeborener Tiere in freier Wildbahn erprobt wurde. Das dabei gewonnene Wissen ist heute die Basis für Wiederansiedlungsprojekte bei den unterschiedlichsten Tierarten auf der ganzen Welt.  Inzwischen leben viele zoogeborene Löwenaffen wieder in Brasilien in den letzten Resten ihres Lebensraumes und haben dort schon neue Populationen begründet. Das Goldgelbe Löwenäffchen ist daher ein berühmtes und erfolgreiches Beispiel dafür, wie die Zoos zum Überleben von Tierarten im Freiland beitragen. Sie gehören zu den schönsten und auffälligsten Affen überhaupt. Ihren Namen verdanken sie der prächtigen, goldfarbenen Mähne, die das feingliedrige Gesicht umrahmt.

Für den Kaiserschnurrbarttamarin nimmt der Zoo Heidelberg seit 2011 am Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP) teil. Ihren Namen verdanken die Kaiserschnurrbarttamarine übrigens ihrem langen weißen Schnurrbart, der links und rechts wie gezwirbelt absteht und an den Deutschen Kaiser Wilhelm II erinnern soll. Allerdings weisen die Bartspitzen der kleinen Affen nach unten. Der Schweizer Zoologe Emil Goeldi, der die Art für die Wissenschaft beschrieb, gab ihm den Artnamen „imperator“ wohl als Scherz. Aus dem Scherz wurde ein Name, der nach den Regeln der wissenschaftlichen Nomenklatur die Jahrhunderte überdauern wird. Bei den Kaiserschnurrbarttamarinen tragen auch die Damen einen Bart, und selbst die Jungtiere bekommen ihn lange bevor sie erwachsen sind.