Nachwuchs bei den seltenen Schopfhirschen im Zoo Heidelberg

Die kleine Schopfhirschfamiile einträchtig beim Futtern

Heidelberg, 23. November 2011 / S. Richter Als Jörg Kubacki, Leiter des Robben- und Raubtierreviers, bei seiner frühmorgendlichen Runde am 15. Oktober die Tür zum Schopfhirsch-Stall öffnete, glaubte er zunächst, seinen Augen nicht zu trauen. Gebettet auf einem Lager aus Stroh lag ein frisch geborenes Schopfhirschkalb. Mit dem Nachwuchs hatte niemand gerechnet, umso größer war die Freude über die Geburt der kleinen „Maya“.
Da Vater „Goofy“ in diesem Jahr einen komplizierten Beinbruch hatte, musste man annehmen, dass er körperlich für lange Zeit nicht in der Lage wäre, mit seiner Partnerin „Mieke“ für Nachwuchs zu sorgen. Inzwischen ist der Bruch gut verheilt und Mutter Mieke kümmert sich liebevoll um die kleine Maya.
Schopfhirsche sind im südlichen und zentralen China sowie in Myanmar in tropischen und subtropischen Bergwäldern verbreitet und in Zoos sehr selten. Der Zoo Heidelberg ist einer von nur fünf Zoos in Europa, der Schopfhirsche hält und im Jahr 2011 ist der Zoo Heidelberg wahrscheinlich der einzige europaweit, in dem ein Schopfhirschkind geboren wurde.
Da der Lebensraum der seltenen Hirschart durch Abholzung immer weiter vernichtet wird, sind Zoonachzuchten sehr wertvoll für den Fortbestand dieser schönen Tiere. Zur Sicherheit wurde das Jungtier mit seiner Mutter zunächst im Innenstall untergebracht. Nach zwei Wochen kamen Mutter und Kind in ein Absperrgehe getrennt von Vater Goofy und den Kleinen Pandas. Die Kleinen Pandas sind zwar nicht bedrohlich für die Schopfhirsche, hätten aber das Kleine verletzen können. Seit dieser Woche ist die junge Familie auch gemeinsam auf der Außenanlage zu sehen. Zwar leben die dämmerungs- und nachtaktiven Schopfhirsche in freier Wildbahn einzelgängerisch und gelten als sehr scheu. Die Schopfhirsche im Zoo Heidelberg äußern hingegen ein auffällig soziales Verhalten und zeigen sich öfter dem Besucher.
Die drei Schopfhirsche bewohnen im Zoo Heidelberg gemeinsam mit den Kleinen Pandas ein großes Gehege. Von Frühjahr bis Spätherbst gesellt sich zu ihnen ein Trupp griechischer Landschildkröten. Die gemischte Wohngemeinschaft ist ein schönes Beispiel für eine gelungene Vergesellschaftung verschiedener Tierarten in einem Gehege.
Schopfhirsche erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von 110 bis 160 Zentimeter. Ihr raues Fell ist dunkelbraun oder dunkelgrau gefärbt, die Lippen, die Ohrspitzen, die Unterseite des Schwanzes und manchmal die Augenregion sind leuchtend weiß. Namensgebendes Merkmal dieser hübschen Tiere ist der schwarzbraune, hohe Haarschopf am Kopf. Das Geweih, das nur die Männchen tragen, besteht aus zwei kleinen Spießen, die meist gänzlich im Schopf verborgen sind. Männchen haben außerdem verlängerte, bis zu fünf Zentimeter lange, obere Eckzähne, die aus dem Maul ragen.
Zur Kommunikation untereinander dient ein lautes Fiepen. Die Nahrung der Schopfhirsche besteht aus Gräsern, Blattwerk, Kräutern, Früchten sowie auch Aas. Im Heidelberger Zoo erhalten sie zusätzlich ausgewähltes Gemüse, Haferflocken, Kraftfutter sowie ab und zu ein rohes Ei oder Hundefutter.