Nachwuchs bei den Kaiserschnurrbarttamarinen

Da fühlt sich jemand aber wohl auf dem Rücken von Papa

Heidelberg, 3. Juni 2011 / S. Richter Der Zoo Heidelberg freut sich über Nachwuchs bei den Kaiserschnurrbarttamarinen. Ihren Namen verdanken die kleinen Krallenaffen aus Südamerika ihrem langen weißen Schnurrbart, der links und rechts wie gezwirbelt absteht und an den Deutschen Kaiser Wilhelm II erinnern soll. Allerdings weisen die Bartspitzen der kleinen Affen nach unten. Der Schweizer Zoologe Emil Goeldi, der die Art für die Wissenschaft beschrieb, gab ihm den Artnamen „imperator“ wohl als Scherz. Aus dem Scherz wurde ein Name, der nach den Regeln der wissenschaftlichen Nomenklatur die Jahrhunderte überdauern wird. Bei den Kaiserschnurrbarttamarinen tragen auch die Damen einen Bart, und selbst die Jungtiere bekommen ihn lange bevor sie erwachsen sind.

Mutter „Aurora“ und Vater „Rinaldo“ leben seit 2010 im Zoo Heidelberg und für die beiden ist es der erste gemeinsame Nachwuchs. Das Anfang April geborene Äffchen wird von beiden Elternteilen gleichermaßen liebevoll umsorgt. Wie bei allen Krallenaffenarten ist väterliche Fürsorge ganz normal und die Männchen beteiligen sich intensiv an der Jungenaufzucht. Besucher können beobachten, wie der Vater das Jungtier auf dem Rücken trägt und regelmäßig der Mutter zum Säugen überreicht. Mit rund drei Monaten wird der Nachwuchs entwöhnt und gegen Ende des zweiten Lebensjahres sind die Tiere geschlechtsreif. Die kleine Familie lebt in einem Gehege im Kleinen Affenhaus neben den Roloway-Meerkatzen. Sie teilen sich ihr Revier derzeit mit einer vierköpfigen Familie Zwergseidenaffen, die kleinsten echten Affen, die es auf der Welt gibt. Kaiserschnurrbarttamarine gehören zu den Krallenaffen, kleine, allesfressende Primaten, die ausschließlich in Südamerika vorkommen. Ihre Fingernägel sind zu Krallen umgeformt, mit denen die Tiere nicht nur gut klettern können, sie ritzen damit auch die Rinde von Bäumen an, um an die begehrten Baumsäfte zu gelangen. Auf ihrem Speisezettel stehen aber auch Früchte, Frösche, Vogeleier und Insekten, die sie geschickt mit ihren kleinen Händen fangen. Die hübschen Äffchen durchstreifen die oberen Baumschichten des Regenwaldes in kleinen Familiengruppen von bis zu zehn Tieren. Durch die Zerstörung ihres Lebensraumes werden sie im Freiland immer seltener, in den Zoologischen Gärten gibt es ein Erhaltungszuchtprogramm, das die koordinierte Nachzucht der Tamarine beaufsichtigt. Der Zoo Heidelberg nimmt seit 2011 am Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP) für den Kaiserschnurrbarttamarin teil.