Klettern in luftigen Höhen: Die neue Schimpansen-Außenanlage ist eröffnet

Schimpansen-Mann Henry ist begeistert und schwingt sich in luftige Höhen.

Heidelberg, 26. August 2011 / S. Richter

Endlich ist es soweit: Heute wurde die umgebaute Außenanlage für die Heidelberger Schimpansen eröffnet. Schimpansen und Zoobesucher zeigen sich begeistert.

Mit der Fertigstellung der neuen Außenanlage im August wird gewährleistet, dass die Tiere noch in diesem Jahr die wärmenden Sonnenstrahlen des Spätsommers genießen können.
Im Laufe der Umbauarbeiten wurde zunächst der zirka drei Meter tiefe Graben, der die Schimpansen von den Besuchern trennte, aufgefüllt. Diese Maßnahme bedeutet auf der einen Seite eine Vergrößerung der nutzbaren Fläche des Geheges. Auf der anderen Seite können die Schimpansen nun aus nächster Nähe beobachtet werden, nur eine Glaswand steht zwischen den Besuchern und ihren nächsten Verwandten. Vor allem hinsichtlich der Beschäftigungsmöglichkeiten erreicht die Anlage ein ganz neues Niveau. Ein regelrechtes Kletterparadies wurde in den letzten Monaten errichtet. In den Baumkronen von fünf Esskastanien kann sich die fünfköpfige Schimpansengruppe, bestehend aus vier Weibchen und einem Männchen, von nun an nach Herzenslust austoben und ihr natürliches Kletterverhalten in der dritten Dimension ausleben.

Die Maße
Fläche vor dem Ausbau: 160 qm nutzbare Fläche; bedingt durch den Trockengraben von rund 80 qm. Nachher: 240 qm nutzbare Fläche durch Auffüllen des Trockengrabens plus Erweiterung um die 3. Dimension in einem definierten Volumen von zirka 1100 Kubikmetern. Das entspricht ungefähr der Größe von 2 Einfamilienhäusern mit drei Stockwerken. Das Gesamtgehege wurde mit einem Stahlnetz eingefasst und wird von fünf Stahlpylonen getragen.
Ermöglicht wurde dies durch die tatkräftige Unterstützung mehrerer Partner, denen ein besonderer Dank gilt. Ausgesucht wurden die Baumkronen aus dem widerstandsfähigen Holz zunächst vom städtischen Forstamt. Das behutsame Absägen unter Schonung des Geästs übernahm die Firma Baum Braun. Bevor das Gehölz seiner neuen Bestimmung zugeführt werden konnte, wurde es von einem Kran der Kurt Scholl GmbH verladen. Ein über das komplette Areal gespanntes Stahlnetz lässt nun auch den Einsatz von Spielzeug zu, da nun nicht mehr die Gefahr besteht, dass dieses von den Tieren auf die Besucher geworfen wird. Insgesamt wurde so ein wichtiger Schritt für eine artgerechte Tierhaltung unternommen.


Die Schimpansengruppe: Innerhalb der Schimpansengruppe sind unter den Damen Susi und Heidi sowie Lulu und Conny freundschaftlich verbunden. Lulu zeichnet sich durch ihre helle Färbung aus, Heidi ist am korpulentesten gebaut. Conny ist ein Westlicher Schimpanse und in den Augen der Tierpfleger besonders intelligent. Henry, der jüngste der Gruppe und einzige Mann kam schon als junges Schimpansenkind in den Zoo Heidelberg. In typischer Schimpansenmanier  imponiert  er gerne und macht auf sich aufmerksam.

Information zu Schimpansen
Schimpansen sind mit einer 98-prozentigen Übereinstimmung des Erbguts unsere nächsten lebenden Verwandten und der am weitesten verbreitete Menschenaffe, jedoch nehmen Lebensraum und Bestände zusehends ab, weshalb er auf der Roten Liste bedrohter Tierarten als „stark gefährdet“ geführt wird. In freier Wildbahn kommen die Tiere in vier Unterarten in West-, Zentral- und Ostafrika vor. Dort bilden sie komplexe Sozialstrukturen und leben in Gruppen von bis zu 80 Tieren, die wiederum in mehrere Kleingruppen untergliedert sind. Da Schimpansen nicht sesshaft sind, sondern nomadenhaft in Gebieten von 8 bis 15 km² umherstreifen, kann es bei einem Aufeinandertreffen mit einer anderen Gruppe zu heftigen Auseinandersetzungen kommen.
Ähnlich wie Menschen sind Schimpansen Allesesser. Neben Vogeleiern, Fisch, Fleisch von kleinen bis mittelgroßen Säuger und Insekten, stehen Blätter, Knospen, Samen, Mark, Rinde und Früchte auf ihrem Speiseplan. In manchen Fällen kommt es auch zur Jagd auf andere kleinere Affenarten.
Um sich untereinander zu verständigen bedienen sich die Primaten einer Vielzahl an Lautäußerungen, die zum Teil über weite Entfernungen zu hören sind und dem Zusammenhalt der Gruppe dienen. Auf kurze Distanz kommunizieren die Individuen vorwiegend über Mimik und Gestik. Dabei muten Drohgebärden, Umarmungen, Streicheln oder auch Küssen durchaus menschlich an. Kommt es zu Auseinandersetzungen innerhalb einer Gruppe, so werden diese teilweise dadurch beendet, dass der Unterlegene dem Gewinner die Hand reicht. Gegenseitige Fellpflege schafft hiernach ein neues Vertrauensverhältnis.
Besonderen Einfallsreichtum beweisen Schimpansen in Sachen Werkzeuggebrauch. Dünne Zweige sowie Grashalme werden benutzt, um Termiten aus ihrem Nest zu angeln. Sind Schimpansen schmutzig, finden sie in Blättern gut geeignete Waschlappen. Zusammengeknäuelte oder zerkaute Blätter dienen den Tieren als Schwämme, mit deren Hilfe Wasser von ansonsten unerreichbaren Stellen aufgesaugt werden kann. Je nachdem in welcher Region eine Schimpansengruppe lebt, entwickeln sich unterschiedliche Traditionen hinsichtlich des Werkzeuggebrauchs. Die Schimpansen Westafrikas nutzen zum Beispiel Steine als Hammer, um die Schale von Nüssen auf zu brechen. Solche Verhaltensweisen werden von Generation zu Generation weiter gegeben und wurden bei Gruppen in Ostafrika bislang nicht beobachtet.