Junge Wachtelkönige im Zoo Heidelberg

Wachtelkönig-Küken

Kleine Küken werden ganz schnell groß

Im Vogelrevier herrscht eine besondere Elternfreude. Zum ersten Mal haben die Wachtelkönige erfolgreich Nachwuchs aufgezogen. Und das gleich fünffach! Damit leistet der Zoo Heidelberg einen entscheidenden Beitrag zur Wachtelkönighaltung in Zoos.

Die in Eurasien verbreitete und damit auch in Deutschland heimische Art wird nur in sieben Mitgliedszoos des Europäischen Zooverbandes gehalten. Viele der dort gehaltenen Wachtelkönige sind aufgrund der geringen Menge an Zuchttieren eng miteinander verwandt. Der Zoo Heidelberg kam 2014 durch einen tragischen Umstand an ein genetisch unverwandtes Weibchen. Es stammt aus einem Gelege, das nur knapp vor einer Mähmaschine gerettet wurde. Da es daraufhin mit der Hand großgezogen werden musste, war eine Auswilderung nicht mehr möglich und es kam nach Heidelberg mit der Hoffnung, hier zur Zucht beizutragen.

Am 10. Juli zeigte sich nun der Erfolg. Aus den 6 gelegten Eiern schlüpften fünf kleine schwarze und hungrige Küken. Da der Vater unmittelbar nach dem Schlüpfen der Jungen von der Mutter getrennt werden musste, die einen ausgeprägten Beschützerinstinkt zeigte, begann ein Fulltime-Job für das junge Weibchen.

Die kleinen Nestflüchter werden jedoch nur wenige Tage von der Mutter selbst mit Insekten und Sämereien gefüttert. Schnell lernen die Kleinen, wie sie an Nahrung gelangen.

Obwohl alle Küken am gleichen Tag geschlüpft waren, entwickelten sie sich unterschiedlich schnell. Nach knapp zwei Wochen fingen drei Küken bereits an, das typische Wachtelkönig-Federkleid zu entwickeln, während die anderen beiden noch deutlich kleiner und noch komplett schwarz befiedert waren. Doch bereits jetzt, nach vier Wochen, sind die Unterschiede – auch zur Mutter – kaum noch zu erkennen.

Da Wachtelkönige bereits mit einem Jahr geschlechtsreif werden, wird die „Wachtelkönigin“ bald versuchen, ihren eigenen Nachwuchs aus dem Revier zu vertreiben. Spätestens dann heißt es für die Kleinen „Adieu, Heidelberg“ zu sagen und in einem anderen Zoo die Zucht dieser bedrohten einheimischen Art zu unterstützen.

Als Wiesenbrüter legen Wachtelkönige ihre Nester bevorzug in dichten Wiesen, was ihnen leicht zum Verhängnis werden kann. Da die erste Mahd inzwischen teils bereits im Frühjahr stattfindet, fällt sie in die Brutzeit der kleinen Vögel. Beim vermehrten Mähen mit großen Mähwerken werden die Gelege im dichten Gras meist nicht entdeckt und übermäht.

Der Bestand der Wachtelkönige ist in den letzten Jahren stark zurückgegangen. Aufgrund der versteckten Lebensweise ist eine exakte Bestandsschätzung jedoch schwierig. Sie erfolgt meist nach Gehör anstatt auf Sichtungen zu vertrauen, denn der kleine Rallenvogel verrät sich besonders während der Paarungszeit durch sehr laute Revierrufe. So erhielten Sie in früheren Zeiten zahlreiche lautmalerische Namen wie „Wiesenknarre“, „Schnärz“, „Schnerper“, „Schnarrwachtel“, oder „knarrendes Rohrhuhn“. Heute sind seine Rufe selten geworden und er wird eher mit der unverwandten Wachtel verwechselt.

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