Geschichte des Zoos

Prof. Dr. Carl Bosch

Vergangenheit und Zukunft des Heidelberger Zoos

 „Lasst uns für die in der Zivilisation zusammengeballten Menschen einen wirksamen Gegenpol schaffen, eine Erholungsstätte des Friedens bei unseren Tieren.“

Prof. Dr. Carl Bosch, Nobelpreisträger und Gründervater des Heidelberger Tiergartens

 

1933 bis 1964 - Gründung und Aufbau

1932/33 konnte der Ornithologe und Studienrat Prof. Dr. Otto Fehringer den Nobelpreisträger Prof. Dr. Carl Bosch als Gründervater und Mäzen des Heidelberger Tiergartens gewinnen. Im Juli 1933 wurde der Gesellschaftervertrag für den „Kurpfälzischen Tiergarten mit Vogelwarte“ zwischen Prof. Dr. Carl Bosch und der Stadt Heidelberg unterzeichnet. Bereits einen Monat zuvor, im Juni 1933, wurde die „Gesellschaft der Tiergartenfreunde e.V.“ gegründet, die bis heute dem Zoo eng verbunden ist. Die Arbeiten an den Tiergehegen und Besucherwegen begannen im August 1933. Nach dem Richtfest im März 1934 konnten Besucher den Zoo gegen ein geringes Entgelt besichtigen. Die offizielle Eröffnung des Tiergartens fand am 20. November 1934 unter Leitung von Prof. Dr. Fehringer statt, dem ersten zoologischen Direktor des Heidelberger Tiergartens. Der Tiergarten hielt zunächst vor allem kleinere Tiere und Vögel, aber auch Rotwild, zwei Bären, ein Kamel und 20 Affen. 1934 zählte der Heidelberger Tiergarten ca. 90.000 Besucher. Da die Einnahmen aus den Eintrittsgeldern nicht zur Deckung der Kosten reichten, konnte der Tiergarten nur dank der Zuwendungen von Prof. Dr. Bosch, der Stadt Heidelberg und der Unterstützung der Tiergartenfreunde weiter bestehen.

Kriegsjahre, Zerstörung und Wiederaufbau Während der Kriegsjahre stagnierte die Entwicklung des Zoos. Prof. Fehringer kehrte zurück in den Schuldienst, Boschs Hausarchitekt Max Strang übernahm die Leitung. Am 22. März 1945 wurde der Tiergarten durch Fliegerbomben fast vollständig zerstört. Viele Tiere starben oder mussten erschossen werden, da ihre Gehege zerstört waren. Vorsorglich wurde damals bereits die Schließung des Tiergartens oder die Umwandlung in einen Gutshof oder Reitstall diskutiert. Aber die Witwe des verstorbenen Geschäftsführers Max Strang, Emmy Strang übernahm ehrenamtlich die Leitung des Tiergartens und baute ihn mit Unterstützung ihrer Schwester Anna Fuhrmeister und Else Bosch, der Witwe des 1940 verstorbenen Mäzens wieder auf. Die Gesellschaft der Tiergartenfreunde e.V. mit dem rührigen Vorsitzenden Karl Ebert führte ab 1955 mehrere Lotterien durch, deren Erlös zum Bau neuer Tierunterkünfte sowie der Anschaffung wertvoller Tiere beitrug. Unter anderem wurde so der Bau des Elefantenhauses mit Außenanlage, des kleinen Affenhauses und die Anschaffung der asiatischen Elefantenkuh Rani möglich.

1964 bis 1998

In den 60er Jahren übernahm Wolfgang Rohr die Leitung des Tiergartens. Unter seiner Leitung kamen wichtige Tierarten in den Zoo. Als Anfang der 70er Jahre die Entwicklung des Tiergartens stagnierte, kam es zu hitzigen und öffentlich ausgetragenen Diskussionen. Dabei wurde klar, dass es den Heidelbergern mittlerweile und zunehmend nicht um den, sondern um ihren Zoo ging. Mit der Ernennung von Dr. Dieter Poley zum Zoodirektor 1972 sollte ein Neuanfang geschaffen werden. Unter Zoodirektor Poley entstanden viele neue Anlagen, die auch heute noch den Heidelberger Zoo prägen. Die Robbenanlage wurde überwiegend mit Lotteriegeldern der Tiergartenfreunde finanziert und 1973 eingeweiht. Zahlreiche Sponsoren ermöglichten den Bau weiterer moderner Tieranlagen: 1977 wird die Afrika-Anlage eingeweiht, 1979 das Raubtierhaus und 1981 das Bärenschaufenster. Diese Anlage ist seitdem ein Anziehungspunkt für die vielen Besucher im Eingangsbereich des Tiergartens. Schon 1982 nahm der Heidelberger Zoo eine Elefantenkuh aus schlechter Haltung auf und vergesellschaftete die afrikanische Elefantin mit den beiden asiatischen Elefantenkühen Rani und Lakshmi. Seit 1985 konnten die Zoobesucher in den neuen Volieren einen beeindruckenden Vogelbestand bestaunen. Das Urwaldhaus wurde 1988 eröffnet und verbesserte die Haltung der Menschenaffen deutlich. Das Küstenpanorama wurde 1991 eingeweiht. Die Rekordbesucherzahl von über 410.000 im Jahr 1993 belegt die erfolgreiche Entwicklung des Tiergartens und die Verbundenheit der Heidelberger mit ihrem Zoo.

1998 bis heute

1998 wird Dr. Klaus Wünnemann zum Leiter des Tiergartens ernannt. Als erstes wird die Bildungsarbeit intensiviert und die Info-Ranger gegründet. Die Zooschule, ein Bildungsangebot der Initiative Zooerlebnis e.V., nimmt im Jahr 2000 ihre Arbeit auf. Seit 2001 können Besucher im Zooshop Geschenkartikel wie Holzspielzeuge, Bücher, T-Shirts, Schleich-Tiere etc. an ihren Zoobesuch kaufen. Die Verkaufserlöse helfen die Tierhaltung zu verbessern und Naturschutzprojekte zu fördern. Dort, wo bereits 1935 eine Nachbildung des Bodensees Wassergeflügel beherbergte, wird 2002 mit dem Yellowstone-Waldsee eine neue Attraktion eröffnet. Seit der Gründung des Heidelberger Tiergartens gehören Eulen zum Tierbestand und werden erfolgreich gezüchtet. Mit Spendengeldern der Tiergartenfreunde können ab 2004 neue Eulenvolieren gebaut werden. Viele der alten Gehege werden naturnah umgestaltet und die Tierhaltung damit weiter verbessert, z.B. das Menschenaffenhaus, das Tigergehege und die Robbenanlage. Die Tierpflege wird zunehmend von gelernten Fachkräften übernommen, die sich engagiert fortbilden. Viele Tierarten wie z.B. Nashörner, Kampfrinder, Lamas, Geparde, Seehunde, Gibbons wurden aus Platzgründen an andere Zoos abgegeben. Neu in den Zoo kommen z.B. Faultiere, Riesenseeadler, Tigerpythons und die hochbedrohten Roloway-Meerkatzen, für die der Tiergarten sein wichtigstes Naturschutzprojekt beginnt. Die Besucher danken dem Zoo diese Entwicklung: 2006 besuchten erstmals mehr als 500.000 Menschen den Tiergarten. Im Jubiläumsjahr 2009 konnten die Seychellen- Riesenschildkröten ein neues Haus mit großzügiger Außenanlage beziehen. Durch den Bau des neuen Elefantenhauses, das im Juli 2010 fertiggestellt wurde, den Um- und Ausbau der Schimpansen- und Rhesusaffenanlagen in den Jahren 2011 und 2012 und die dringend notwendige Erweiterung soll die Entwicklung des Zoos zu einem modernen Naturschutzzentrum fortgesetzt werden. Der Zoo ist mit seinem Freizeitangebot nicht nur für Heidelberg eine Attraktion sondern für die gesamte Metropolregion Rhein-Neckar.

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