Gartengestaltung im Hochformat

Baumstamm mit Aushöhlung für Pflanzen
Für die Bepflanzung mit Epiphyten vorbereiteter Baumstamm im Menschenaffenhaus im Zoo Heidelberg

Projektarbeit für Gehegegestaltung im Zoo Heidelberg

„Was sind das für seltsam ausgehöhlte Baumstämme, die seit Kurzem im Menschenaffenhaus stehen?“, mag sich mancher Besucher des Zoo Heidelberg in den letzten Tagen gefragt haben.

Die Antwort geben Sonja Wiegert und Alicia Wolf, zwei junge Damen, die im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes und des Freiwilliges Ökologischen Jahres die Gärtner im Tiergarten unterstützen.

Sie lernen dabei, dass Gartenarbeit im Zoo weit mehr beinhaltet, als nur Unkrautjäten und Laubkehren und konnten dies nun in einer besonderen Projektarbeit zeigen. Während der letzten Monate beschäftigten sich die beiden jungen Frauen mit einem speziellen Thema: Epiphyten.

Das Projekt zu diesem besonderen Pflanzentyp wurde gemeinsam mit Wolfgang Müller, Leiter des Gartenbereichs im Zoo Heidelberg, geplant. „Wir machten uns Gedanken, wie wir den Bereich zwischen den Pflanzen am Boden und den Kletterbereichen für die Krallenäffchen mit geeigneten Pflanzen gestalten können. Dabei haben wir uns an den tropischen Wäldern orientiert.“ erklärt Alicia Wolf die Idee und schildert, dass Epiphyten Pflanzen sind, die auf anderen Pflanzen wachsen und sich beispielsweise in Astgabelungen ansiedeln, in denen sich Regenwasser sammelt. Sie nutzen dabei die exponierte Lage, um mehr Licht zu bekommen. Schönblühende Vertreter dieses Pflanzentyps, zu dem auch Farne und Moose zählen, sind Orchideen. Als geeignete Anpflanzplätze wurden in zwei Kastanienstammstücke Vertiefungen gesägt und ausgehöhlt. In diese pflanztopfgroßen Löcher werden später unterschiedliche Pflanzen eingesetzt, sodass eine optisch attraktive Zwischenebene in der Gehegegestaltung entsteht.

„Es ist auf jeden Falle eine interessante Aufgabe und wir haben sehr viel über die Eigenarten unterschiedlicher Pflanzen gelernt“, sind sich beide Frauen einig. Während sich die jungen Gärtnerinnen intensiv mit der Wahl der sogenannten Aufsitzerpflanzen beschäftigen, recherchierten Alicia und Sonja alles Wissenswerte über die Epiphyten, um nicht versehentlich eine für die Tiere schädliche Pflanze auszuwählen. Sie ermittelten, welches Substrat benötigt wird und wie tief die Aushöhlungen gefüllt sein müssen. Zu jeder Aushöhlung wurde ein „Abfluss“ für überschüssiges Wasser eingeplant, damit der Trägerstamm nicht zu faulen beginnt. Bei der Auswahl der Pflanzen galt es zudem, unterschiedliche Blühzeiten sowie die Pflegebedingungen zu beachten.

Da einer der Stämme im Gehege stehen wird, in dem auch ein Goldaguti lebt, dürfen die Pflanzen nicht zu tief angesetzt werden. Das Aguti knabbert als typischer Nager alles an, was in seiner Reichweite sitzt und würde die Pflanzen sicher bald als Futter entdecken. „Wir sind gespannt, wie die kleinen Äffchen auf die Neuerung im Gehege reagieren und hoffen, dass sie die Pflanzen nicht gleich ausbuddeln und die Mulden für sich selbst beanspruchen.“ gibt Sonja zu bedenken. In den nächsten Tagen werden sie die Pflanzen besorgen und die Stämme bestücken. So kann sich im Laufe der nächsten Wochen zeigen, ob das neue Gestaltungskonzept bald Blüten tragen wird - sofern es auch den Äffchen gefällt.

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