Für Besucher ist das Füttern der Zootiere ausdrücklich verboten

Das Schild "Füttern verboten" hängt im Zoo nicht ohne Grund

Heidelberg, 24. Juli 2013, S. Richter  Der Zoo Heidelberg bietet eindrucksvolle Erlebnisse mit Tieren und – wo immer möglich – den Besuchern einen direkten Kontakt zum Tier. Leider gefährden einige wenige Besucher mit ihrem falschen Verhalten diese Erlebnisse und Kontakte. Hinweistafeln mit der Aufforderung „Bitte nicht füttern“ und „Nicht über die Absperrung klettern“ sind keineGängelei gegenüber tierliebenden Zoobesuchern.
Ganz im Gegenteil, es gibt handfeste Gründe. Absperrungen schützen Tier und Mensch. Tiere, die von Zoogästen gefüttert werden, können ernsthaft erkranken. Was vielleicht gut gemeint ist, kann für einzelne Zootiere sogar tödlich enden.Erlaubt ist das Füttern nur dort, wo spezielle Futterautomaten aufgestellt sind. „Och, nur ein kleines Stück Schokolade“, „der Orang-Utan mag Kaugummi, der streckt doch die Hand danach aus“, „so ein Apfel kann wohl nicht schaden“, so oder so ähnlich lauten die Antworten von „ertappten“ Zoobesuchern, spricht man sie unmittelbar auf ihr Verhalten an. Leider aber kann jeder zugesteckte oder ins Gehege geworfene Gegenstand, sei es etwas Essbares oder ein vermeintliches Spielzeug, den Tieren schaden. Man stelle sich nur einmal vor, auf welche Menge es sich summiert, wenn nur 10 Prozent der Besucher an einem gutbesuchten Sonntag – das sind etwa 350 Gäste – ihr Stückchen Zucker an Ziegen oder Esel verfüttern. Darüber hinaus führen auch Lebensmittel, die allgemein als „gutes Futter“ angesehen werden, zu Schäden; Brot zum Beispiel kann bei Wiederkäuern böse Koliken hervorrufen. Selbst Obst wie eine Banane hat im Gehege der Gorillas nichts zu suchen, da es viel zu energiehaltig ist. Im schlimmsten Fall endet die Ignoranz des Fütterungsverbots mit dem Tod eines Tieres. „Wir sind sehr froh darüber, dass sich die meisten Besucher daran halten oder auch unser Anliegen unterstützen, indem sie unvernünftige Besucher bitten, sich an die Vorschriften zu halten“, erklärt Zootierärztin Dr. Julia Stockklausner. „Das Wohlbefinden der Tiere ist uns sehr wichtig, deshalb erhalten alle unsere Tiere sorgfältig zusammengesetztes und auf ihre speziellen Bedürfnisse angepasstes Futter durch die Pfleger. Die Menge des Futters ist genau berechnet. Das Füttern durch Besucher ist also klar im Interesse der Tiere verboten, im ganzen Zoo weisen Schilder darauf hin“. Dennoch beobachten Zoomitarbeiter immer wieder, wie sich Besucher über die Hinweisschilder hinwegsetzen, Absperrungen überklettern oder Gegenstände in die Gehege werfen.
Zoodirektor Dr. Klaus Wünnemann nimmt dazu klar Stellung: „Der Zoo Heidelberg bietet eindrucksvolle Erlebnisse mit Tieren und – wo immer möglich – den Besuchern direkten Kontakt zum Tier. Leider gefährden einige wenige Besucher mit ihrem falschen Verhalten diese Erlebnisse und Kontakte. Es wäre überaus schade, wenn wir zum Schutz unserer Tiere wieder zu massiven Absperrungen zurückkehren und begehbare Gehege schließen müssten“.
Unerlaubtes, zusätzliches Füttern durch Zoobesucher kann aber nicht nur zu Erkrankungen, Allergien oder gar zum Tod eines Tieres führen und macht die Einhaltung artgerechter Diäten unmöglich. Auch lernen die Tiere durch die Besucher sehr rasch, dass es Leckereien gibt, wenn sie betteln. Dieses Bettelverhalten führt zu Futterneid und provoziert Aggressionen zwischen den Tieren. Nicht zuletzt erhöht es auch das Verletzungsrisiko für die fütternden Besucher.
Natürlich ist es bei jedem Zoobesuch immer ein einzigartiges und äußerst unterhaltsames Erlebnis, Tiere bei der Fütterung zu erleben. Deshalb werden bei einigen Zootieren feste Fütterungszeiten durch die Pfleger angeboten. Nahezu alle Tierarten erhalten darüber hinaus aber auch über den gesamten Tag verteilt kleinere Futterrationen. Außerdem befinden sich beim Streichelzoo, bei der Löwenanlage, dem Yellowstone-See und dem Flamingosee Behälter mit speziellem Tierfutter. Für einen kleinen Betrag können Besucher dort Futter ziehen, um Ziegen, Enten und Fische zu füttern. Für Tier und Mensch ganz sicher ein Genuss ohne Reue. Das Futter ist gesund und von der Menge genau berechnet – sind die Futterautomaten an einem besucherstarken Tag bereits am Nachmittag leer, werden sie auch nicht mehr aufgefüllt, wenn die Tiere schon ihre Tagesration bekommen haben.