Frühe Integration von Kiki war erfolgreich!

Gorilla-Kinder Kiki und Banjoko

Heidelberg, 15. September 2010
Europas erste Integration eines Gorillababys ohne Ersatzmutter war im Zoo Heidelberg erfolgreich. Kiki lebt als voll akzeptiertes Mitglied in der Gorillagruppe des Zoos. Die dabei gewonnen Erkenntnisse helfen den mit der Erhaltungszucht der Gorillas beschäftigten Forschern.
Der jüngste Gorilla in der Heidelberger Menschenaffengruppe ist Esiankiki, kurz Kiki genannt. Sie ist jetzt drei Jahre alt, turnt durch das Gehege und verhält sich so wie andere Gorillas in ihrem Alter das auch tun würden. Dabei hat Kiki in ihrem jungen Dasein schon einiges erlebt und schwierige Zeiten durchgemacht. Ihre Mutter Doba hatte nicht genug Milch, so dass Kiki eine Woche nach ihrer Geburt fast verhungert wäre. Dank der Hilfe von Tierpflegern, Zootierärztin und Kinderärzten der Kinderklinik Heidelberg wurde sie gerettet. Mutter Doba konnte jedoch ohne Milch nicht für ihr Baby sorgen, eine Handaufzucht durch den Menschen war unumgänglich. So eine künstliche Aufzucht bedeutet für einen kleinen Menschenaffen jedoch keinen idealen Start ins Leben, denn wichtiges Gorillaverhalten lernen die Kleinen durch den Kontakt mit einer Gruppe von Artgenossen. Daher war es das Ziel des Heidelberger Zooteams, Kiki so früh wie möglich wieder mit ihren Artgenossen zusammen zu bringen und die Aufzucht durch die Pfleger auf das Nötigste zu beschränken.
Hierzu wurde ein kleiner Käfig ins Gorillagehege eingebaut, der das neue zu Hause von Kiki werden sollte. So konnte sie engen Kontakt zur Gruppe aufbauen und diese beobachten, gleichzeitig war sie hier sicher und konnte von den Pflegern problemlos mit der Flasche gefüttert werden. Als sie alt und mobil genug war, um den Käfig alleine wieder aufzusuchen und zur Fütterung selbständig zum Pfleger ans Gitter zu kommen, wurde der Käfig geöffnet. Kiki konnte nun von Tag zu Tag immer länger mit der Gruppe zusammen sein. Zunächst nur mit den Weibchen, später auch mit dem 200 kg schweren Silberrücken Bobo. „Anfangs stockte uns der Atem, wenn der riesige Bobo seine wenige Monate alte und erst 5 kg schwere Tochter berührt und auf den Arm genommen hat“ berichtet Bernd Kowalsky, leitender Tierpfleger im Affenrevier, „doch Bobo ist ein ganz toller Gorillamann, sehr vorsichtig und sanftmütig“. Bobo hat sicher viel zum Gelingen dieses außergewöhnlichen Weges der Integration beigetragen. Bisher wurden handaufgezogene Jungtiere frühestens mit 3-4 Jahren wieder in eine Gorillagruppe integriert. Kiki verbrachte schon mit weniger als einem Jahr den Tag mit ihrer Gorillafamilie, seit sie 18 Monate alt ist, ist sie sogar 24 Stunden mit der Gruppe zusammen. Eine so frühe Integration glückte bisher nur dreimal in Europäischen Zoos, und noch nie ohne dass sich ein bestimmtes Weibchen als Ersatzmutter herausgestellt hatte. Die Entwicklung von Kiki wird von den Wissenschaftlern, die für die Erhaltungszucht der Gorilla in Europa verantwortlich sind, mit großem Interesse verfolgt. Die Erfolgsgeschichte von Kiki wird helfen, dass auch andere Zoos Gorillababys, die von der Mutter nicht aufgezogen werden, frühzeitig wieder mit ihren Artgenossen zusammenbringen. Die Heidelberger Gorillas waren immer alle sehr freundlich zu Kiki. Sie akzeptierten sie als Gruppenmitglied, auch wenn keines der Weibchen wirklich die Mutterrolle übernommen hat. Der Prozess der frühen Integration dauerte sehr lange und erforderte viel Geduld und Fingerspitzengefühl, vor allem von Seiten der Tierpfleger. Wenn man Kiki nun als voll akzeptiertes Gruppenmitglied mit völlig normalem Gorillaverhalten durch die Anlage toben sieht, weiß man, dass sich der ganze Aufwand gelohnt hat.
„Sicher hatte Kiki einen deutlich schwereren Start ins Leben als ein von der Mutter aufgezogenes Gorillajungtier, das die ersten Monate in engem Kontakt zu seiner Mutter verbringt. Aber dadurch, dass sie nie ganz den Kontakt zu ihren Artgenossen verloren hat und so früh wieder mit der Gruppe zusammen leben konnte, hat sie gelernt, sich wie ein ganz normaler Gorilla zu verhalten“ erklärt Sandra Reichler, Biologin und Kuratorin im Zoo. „Dadurch sind alle Voraussetzungen geschaffen, dass Kiki auch als erwachsenes Tier ein glücklicher Gorilla werden kann. Das ist das Wichtigste und darauf sind wir sehr stolz.“
Pressehinweis: Nähere Informationen unter Tel: 06221-645519, Dipl.-Biol. Sandra Reichler, Zoo Heidelberg, oder Email: sandra.reichler@heidelberg.de