Frecher kleiner Flossenflitzer frisst bald frische Fische

Robbenbaby mit Mama Lea. Schönes Foto von Heidrun Knigge

Heidelberg, 15. August 2011 / S. Richter Gehört die Fütterung der mächtigen Mähnenrobben für viele Zoobesucher zu einem der Highlights, so stiehlt neuerdings ein frecher kleiner Wonneproppen den „Großen“ die Schau. Es handelt sich um ein gerade Mal vier Wochen altes Mähnenrobbenbaby, dessen speckgesunder Anblick unmittelbares Entzücken und Schutzinstinkte wachruft. Aber nicht nur das. Das Robbenmädchen ist quicklebendig und flitzt auf seinen kleinen Torpedoflossen so schnell es nur kann um den Beckenrand, so dass Mutter „Lea“ ihre liebe Mühe und alle Flossen voll zu tun hat.
Dabei soll die junge Mähnenrobbe jetzt vor allem schwimmen üben. Und auch das klappt schon sehr gut. Denn entgegen der allgemeinen Annahme können junge Seelöwen nicht von Anfang an gut schwimmen. Die ersten drei Wochen wird das Jungtier fast komplett an Land versorgt. Erst nach dem ersten Haarwechsel fängt es an, der Mutter ins Wasser zu folgen. Und auch der Speiseplan sieht für einige Zeit keinen Fisch vor. Mähnenrobbenjunge werden von ihren Müttern ein ganzes Jahr lang gesäugt, bevor die Kleinen lernen, selbst Fisch zu fressen. Inzwischen übt das am 16. Juli geborene Robbenbaby im „Mutter-Kind-Becken“ gemeinsam mit Mama Lea ungestört das Schwimmen und Tauchen. Die Kleine ist das zweite Kind von Lea und das erste Kind von Papa Atos. Generell werden nach der Geburt Mutter und Kind zunächst für einige Wochen im Robbenhaus und auf der separaten Außenanlage von der übrigen Gruppe getrennt gehalten, um den beiden eine ungestörte Aufzucht zu gönnen und das Risiko eines Unfalls zu vermeiden. Erst dann dürfen Mutter und Kind zurück in die Mähnenrobbengruppe. Diese Integration ist jedes Mal mit einigem Risiko verbunden, denn im allgemeinen Tumult einer großen Mähnenrobbengruppe kann es passieren, dass das kleinste Jungtier sich verletzt oder beim Spielen mit den anderen im Wasser ertrinkt. Daher ist es wichtig, dass die junge Robbe sowohl an Land wie auch im Wasser schon möglichst sicher und geschickt ist, bevor es zu den Artgenossen in die Gruppe kommt.
Die Heidelberger Mähnenrobbengruppe ist mit sieben Tieren eine der größten und erfolgreichsten Zuchtgruppen in einem deutschen Zoo. Die mächtigen Meeressäuger, deren Verbreitungsgebiet sich entlang der Pazifikküste Südamerikas von Peru bis Feuerland und entlang der Atlantikküste bis nach Südbrasilien erstreckt,
gelten im Gegensatz zu den zierlicheren Kalifornischen Seelöwen als aggressiver und schwierig im Umgang. Daher werden sie auch deutlich seltener in Zoos gehalten. Mähnenrobben sind Wasserraubtiere und zählen zu den Giganten der Meere. Ausgewachsene Mähnenrobbenbullen können ein Gewicht von 500 Kilo erreichen. Auch dies ist als Anpassung an ihren kalten Lebensraum zu verstehen, denn große Körper kühlen langsamer aus als kleine.
In Heidelberg zeigen diese imposanten Tiere nicht nur zweimal täglich bei der Fütterung, zu welchen Kunststücken man sie mit viel Geduld und Fingerspitzengefühl bringen kann, sie sorgen auch seit 1999 regelmäßig für Nachwuchs. Prominentes Mitglied ist der prächtige Bulle Atos, der 2005 im Heidelberger Zoo geboren wurde. Sein Markenzeichen ist der mit Bravur vorgeführ-te Flossenstand. Daneben besitzt er die Fähigkeit des Spielens der Mundharmonika. Im Gegensatz zur zweijährigen Holly, die dafür ihre Nase verwendet, setzt der Bulle hierfür ganz konservativ auf seinen Mund.