Es summt wieder im Zoo Heidelberg – neuer Bienenstand erklärt die faszinierende Lebensweise der fleißigen Tiere

Der neue Bienenstand im Zoo Heidelberg

Heidelberg, 28. September 2012  S. Richter  Wie war das doch gleich mit den Bienchen und Blümchen? Ziemlich kompliziert, stellt sich heraus, wenn man die interaktiven Tafeln am neuen Bienenstand studiert. Nach einigen Jahren ohne Bienen freut sich der Zoo Heidelberg über den neuen Stand, den Daniel Obergfell im Rahmen seiner Abschlussarbeit selbst angefertigt hat. Der engagierte angehende Biologielehrer und Imker hat mit Schülern der Freien Aktiven Montessori-Schule Zuzenhausen außerdem dafür gesorgt, dass das „Holzhaus“, in dem die Bienen leben und arbeiten, einen bunten Anstrich erhalten hat.
Zu finden ist der Bienenstand in der Nähe des Elefantenhauses. Durch eine Öffnung im unteren Teil des Häuschens gelangen die Bienen nach draußen auf „ihre“ Wiese; sie können natürlich auch größere Exkursionen unternehmen. Damit weder Besucher noch Bienen zu Schaden kommen, trennt eine Glasscheibe Tier und Besucher. An zwei Seiten des Bienenstandes befinden sich Türen, hinter denen das bunte Treiben der Honigproduzenten bewundert werden kann.

Die Tafeln informieren den Besucher, wie komplex ein Bienenstaat angelegt ist. Angeführt wird er von einer einzigen Bienenkönigin, deren Aufgabe es ist, sich fortzupflanzen. Zur Auswahl stehen dafür bis zu 1000 Drohnen, männliche Bienen, die der kurze Spaß mit der Königin teuer zu stehen kommt. Denn diese stachellosen Bienen sterben direkt nach der Kopulation. Die erfolglosen Verehrer werden nach der Paarungszeit mit Bissen und Stichen „vom Hof“ gejagt. Diese niedere Arbeit erledigt das Fußvolk: Zwischen 10.000 und 50.000 ausschließlich weibliche Arbeiterbienen leben in einem Staat und sind in den zirka sechs Monaten, die ihr Arbeiterinnenleben dauert, vielbeschäftigt: Neben vielen anderen Aufgaben schwirren sie zur Nektarernte aus: Dabei signalisieren sie sich gegenseitig mit sogenannten „Tänzen“, wo genau es die beste Ausbeute gibt. Von dem süßen Saft brauchen sie zirka drei Kilo, um daraus einen Kilo Honig zu machen.

Honig ist bei den meisten Menschen beliebt, doch wir haben den emsigen Insekten noch viel mehr zu verdanken als einen leckeren Brotaufstrich: Durch ihren Besuch zahlreicher Blüten tragen sie Pollenstaub weiter, den sie bei der nächsten Pflanze hinterlassen. Auch andere Insekten bestäuben Pflanzen, doch es sind zum Großteil die Honigbienen – man geht von 70% aller Blütepflanzen aus – , die dafür sorgen, dass Ernten deutlich besser ausfallen, wenn sie in der Nähe summen. Vielleicht schwärmen ja die Zoobienen bis ins Handschuhsheimer Feld aus –  den Bauern sind sie bestimmt herzlich willkommen. Bis es wieder richtig geschäftig auf der Bienenweise wird, müssen sich sowohl Bauern als auch Besucher allerdings noch bis zum kommenden Frühling gedulden.

Infokasten – Imker gesucht

Wenn die emsigen Tierchen dann wieder munter werden, würde sich der Zoo Heidelberg auf einen erfahrenen Imker freuen, der sich in den folgenden Jahren um dieses schöne Projekt kümmern möchte, nachdem Herr Obergfell es mit so viel Engagement aufgebaut hat. Wer Interesse hat, meldet sich bitte unter 06221/64550 oder zooinfo@heidelberg.de