Erneut erfolgreiche Nachzucht einer hochbedrohten Art

Roloway-Meerkatzenbaby - Foto Zoo Heidelberg

Der Zoo Heidelberg freut sich über die Geburt einer Roloway-Meerkatze

Wer sich in diesen Tagen ein bisschen Zeit vor dem Gehege der Roloway-Meerkatzen im kleinen Affenhaus nimmt, kann sich nicht nur am Anblick dieser besonders schönen und eleganten Tiere mit ihren weißen Bärten und dem schwarz-braun glänzenden Fell erfreuen. Bei genauerem Hinsehen entdeckt man den jüngsten Nachwuchs von „Adriana“ und „Ghana“, der am 11. Juni im Zoo Heidelberg das Licht der Welt entdeckte. Noch hält sich das Jungtier die meiste Zeit am warmen, weichen Bauchfell seiner Mutter fest, jedoch entfernt es sich immer öfter ein paar Schritte, um seine Umwelt zu erkunden.

So schön der Anblick dieser tollen Tiere auch ist, so dramatisch ist der Kampf Ihrer Artgenossen in freier Wildbahn - den feuchten Regenwäldern im westlichen Ghana und der östlichen Elfenbeinküste. Durch die kontinuierliche Vernichtung des Regenwaldes durch Menschen und die gnadenlose Bejagung über Jahrzehnte hinweg hat die Roloway-Meerkatze einen traurigen Spitzenplatz eingenommen: Sie zählt zu den 25 bedrohtesten Primatenarten der Welt. Nach Schätzungen sind ihre Bestände aufgrund von Lebensraumzerstörung und Bejagung in den letzten drei Generationen um mehr als 50 % zurückgegangen. Nagetiere, Antilopen und eben auch Affen werden in den verbliebenen Regenwäldern gejagt, um die Märkte in den Städten mit „Bush Meat“ aus dem Regenwald zu versorgen. Aber das Fleisch der Wildtiere dient nicht der Versorgung der armen Menschen, sondern wird auf Märkten als Delikatesse an zahlungskräftige Kunden verkauft.

Angesichts dieser außerordentlich kritischen Situation ist die Geburt eines gesunden Tieres für den Zoo Heidelberg immer ein großer Grund zur Freude. „Der Zoo Heidelberg ist die bedeutendste Zuchtstätte für diese extrem bedrohte Art. Rund 30% der Roloway-Meerkatzen in allen Zoos der Welt  sind hier geboren und wurden erfolgreich aufgezogen.“ erklärt Zoodirektor Dr. Klaus Wünnemann.

Bereits im Jahr 2001 wurde vom Zoo Heidelberg das Artenschutzprogramm West African Primate Conservation Action (WAPCA) ins Leben gerufen, das sich ganz dem Schutz der Primatenarten dieses sensiblen Lebensraums verschrieben hat. Durch eine bessere Ausbildung der Wildhüter vor Ort und Schulungen der Bevölkerung zur nachhaltigen Nutzung des Regenwaldes gelang bereits ein wichtiger Schritt in diese Richtung hin zur Eindämmung der Wilderei. Mit jährlich über 25.000 Euro unterstützt der Zoo Heidelberg WAPCA, elf andere europäische Zoos steuern jeweils mindestens 2.000 Euro dazu. Mit dem Geld wird unter anderem eine Auffangstation für die Tiere in Ghana finanziert. Zur Aufklärung der Bevölkerung über eine nachhaltige Nutzung der Ressourcen des Regenwalds gehört auch die Kooperation mit Schulen, in deren Rahmen die Schüler den Nationalpark besuchen und sich in Wettbewerben und Theaterworkshops mit der Problematik auseinandersetzen. „Es sind kleine Schritte, aber sie bewirken dennoch enorm viel“, freut sich Sandra Reichler, Kuratorin im Zoo Heidelberg und Verantwortliche für die Artenschutzarbeit. Der Erfolg gibt ihr Recht: Im Jahr 2012 konnten zum ersten Mal seit über zehn Jahren wieder wildlebende Roloway-Meerkatzen in Ghana entdeckt werden. Nach weiteren bestätigten Sichtungen laufen intensive Planungen für Schutzmaßnahmen in diesem Gebiet.

Es wird nicht lange dauern, bis die kleine Roloway-Meerkatze zusammen mit ihren Artgenossen unglaubliche Kletterkünste und akrobatische Sprünge durchs Gehege vorführen wird. Und - wer weiß - vielleicht wird sie eines Tages mithelfen, in der fernen Heimat die Entwicklung der Population zu unterstützen.

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