Erfolgreiche Intensivfortbildung für Tierpfleger im Zoo Heidelberg

Heidelberg, 14. Mai 2014, Steffanie Richter  Abwechslungsreiche Programme zur Beschäftigung sind ein wesentliches Element moderner Zootierhaltung und ebenso entscheidend für das Wohlbefinden der Tiere wie gesunde Ernährung und tierärztliche Betreuung. Damit es den Tieren gut geht, lassen sich die Tierpfleger im Zoo Heidelberg immer wieder etwas Neues einfallen. Auch Tiertraining ist eine Art der Beschäftigung, kann aber auch helfen, bestimmte Probleme in der Haltung zu lösen. Deshalb fördert der Zoo die gezielte Weiterbildung für seine Pfleger und konnte mit der US-Amerikanerin Barbara Heidenreich eine der weltweit erfolgreichsten Tiertrainerinnen für ein Seminar an den Neckar holen.

Wenn Uhu-Männchen „Sligo“ Hunde wahrnimmt, wird ihm sichtlich unbehaglich zumute. „Sligo“, ein prächtiger Europäischer Uhu, ist bei den Besuchern des Heidelberger Zoos sehr beliebt. Viele kennen ihn von der „Tiere Live“-Präsentation, die täglich um 13.15 Uhr auf der sogenannten Flugwiese des Zoos stattfindet. Meist thront er souverän aufrecht und mit wachem Blick auf der Hand seiner Pfleger, absolviert geschickt verschiedene Flugübungen und scheint sich durch nichts aus der Ruhe bringen zu lassen. Nur der Anblick eines noch so kleinen Hundes macht ihn nervös. Im Vordergrund für seine Pfleger steht nun, problematische Situationen so zu entschärfen, dass „Sligo“ sukzessive lernt, auf Dauer mit dem Anblick von Hunden stressfrei umzugehen.

Es braucht viel Geduld und Einfühlungsvermögen, um die Körpersprache eines Tieres zu verstehen, erklärt Barbara Heidenreich vor den Tierpflegern und Mitarbeitern des Zoos Heidelberg und Tierpflegern aus den umliegenden Zoos, die extra zu dem Seminar angereist sind. Manchmal reichen schon kleine Trainingseinheiten um große Veränderungen zu bewirken. Die US-Amerikanerin gehört zu den angesehensten Tiertrainern und arbeitet weltweit für Zoos, Arterhaltungsprogramme und Universitäten. Ihre Philosophie baut auf den Methoden der positiven Verstärkung auf. Die Schwerpunkte ihrer Tätigkeit liegen in der Weiterentwicklung und Verbesserung von Trainingsmethoden und in der Ausbildung von Zootierpflegern und Trainern. Auf dem eintägigen Seminar erläutert Heidenreich mit kurzen Filmbeispielen zum Training mit unterschiedlichen Tierarten, wie die Pfleger ihre angestrebten Ziele Schritt für Schritt und ohne Stress für die Tiere erreichen können. Sämtliche ihrer Trainingsmethoden verzichten auf jede Form des Zwangs und basieren ausschließlich auf einer guten Vertrauensbasis zwischen Mensch und Tier.
Tierbeschäftigung ist heute ein wichtiger Bereich im Zootiermanagement, mit der sich viele Wissenschaftler und Pfleger beschäftigen und die erheblich zum Wohlbefinden der tierischen Pfleglinge beiträgt.Die Haltung, Beschäftigung und das Training der vier jungen Elefantenbullen zählt beispielsweise zu den qualitativ herausragenden Beispielen für gelungenes „Enrichment“ebenso wie das ausgefeilte Beschäftigungsprogramm für die Menschenaffen. Mit den Seychellen-Riesenschildkröten wird regelmäßig ein sogenanntes „Targettraining“ geübt. Durch Konditionierung werden die Tiere dazu veranlasst, den Target-Stab mit ihrer Nase zu berühren und bei Fortbewegung des Targets den Kontakt zu halten und dem Pfleger folgen.So können die schweren Tiere auch in der Übergangszeit, wenn es nachts noch kühl wird, problemlos in ihr Innengehege geleitet werden.

Fotos © Zoo Heidelberg. Die US-amerikanische Tiertrainerin Barbara Heidenreich mit Tierpfleger Simon Borchardt und „Uhu“ Sligo