Elefant „Thai“ ist in den Zoo Zürich umgezogen

Ein Elefant in unserem Gehege, Aufnahme von 2014
Elefant Foto: Heidrun Knigge

Am Dienstag, den 12. August 2014, hat der erste Mitbewohner die Jungbullen-WG im Zoo Heidelberg wieder verlassen. Elefant „Thai“ ist in den Zoo Zürich umgezogen, um dort mit jungen Kühen eine neue Zuchtgruppe aufzubauen.

„Es war von Anfang an klar, dass die jungen Elefantenbullen nur einige Jahre bei uns in Heidelberg bleiben würden“, erklärt Sandra Reichler, Kuratorin im Zoo Heidelberg. „Im Freiland verbringen junge Elefantenbullen die Zeit, nachdem sie ihre Geburtsgruppe verlassen müssen, in Gesellschaft anderer männlicher Elefanten, bevor sie alt genug sind, um von einer erwachsenen Kuh als Partner akzeptiert zu werden.“ Diese Junggesellenzeit ist wichtig für die Tiere, um ihre Kräfte mit anderen Bullen zu messen, Selbstbewusstsein aufzubauen und wichtige Aspekte des Sozialverhaltens zu lernen. In den Zoos werden den Elefantenbullen diese einzelnen Lebensphasen ebenfalls ermöglicht. Nach einigen Jahren unbeschwerten Lebens bei der Mutter und den Tanten in ihrer Geburtsgruppe, wechseln sie in einen Junggesellenverband bis sie alt genug sind, in einem anderen Zoo als Zuchtbulle eingesetzt zu werden. Koordiniert werden die einzelnen Stationen im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms für Elefanten (EEP). Es erarbeitet Empfehlungen auf Basis genauer Daten über die einzelnen Tiere in Europäischen Zoos, welcher Elefant in welchen Zoo umziehen und welches Tier sich mit welchem paaren soll. „Wir sind sehr froh, dass wir die Empfehlung bekommen haben, „Thai“ nach Zürich zu schicken“, erzählt Stefan Geretschläger, Revierleiter bei den Heidelberger Elefanten. „Zürich hat erst vor wenigen Wochen seinen neuen Elefantenpark mit großzügigen Gehegen eröffnet, dort wird „Thai“ es gut haben.“ 

Der Transport eines Elefanten ist immer ein logistisches Meisterstück für alle Beteiligten. Wochenlang wurde „Thai“ an seine Transportkiste gewöhnt, so dass er am Tag des Transportes ohne Probleme in die Kiste lief und sich dort auch während des Transportes sicher fühlen konnte. Bei der „Kiste“ handelt es sich um einen acht Tonnen schweren Spezialcontainer, der per Kran auf einen Sattelschlepper gehoben werden musste. Mit Begleitfahrzeug, in dem zwei Elefantenpfleger, Tierärztin und Kuratorin saßen, ging es dann Richtung Schweiz. Bei der Zollabfertigung in Basel wurden viele Papiere kontrolliert, bevor der Spezialtransport dann gegen Mittag endlich im Zoo Zürich ankam. Auch hier war bereits alles perfekt vorbereitet, der Kran wartete in der richtigen Position, um die Kiste vom LKW zu heben und vor das Elefantenhaus zu stellen. Schon nach wenigen Minuten verließ „Thai“ noch etwas vorsichtig seine vertraute Kiste und erkundete seine neuen Boxen. Als erstes konnte er sich davon überzeugen, dass das Heu und die Karotten in Zürich genauso gut schmecken wie in Heidelberg. Seine vertrauten Pfleger bleiben noch einige Tage bei ihm, um ihm die Eingewöhnung so leicht wie möglich zu machen. Seine neuen dickhäutigen Mitbewohnerinnen wird „Thai“ jedoch erst nach einiger Zeit der Eingewöhnung kennenlernen. Hier wird auch die persönliche Sympathie zwischen den Tieren eine Rolle spielen, ob die Zusammenführung einfach wird oder länger dauert. „Thai“ hat sich aber bisher immer sehr friedfertig und kooperativ im Umgang mit anderen Elefanten gezeigt, so dass die Chancen auf ein Happy End mit einer funktionierenden und harmonischen Zuchtgruppe sehr gut stehen.  

Heute, am 12. August, ist übrigens Welt-Elefantentag. Mit diesem Tag soll auf die akute Gefährdung der faszinierenden Dickhäuter aufmerksam gemacht werden, deren Bestand durch immer weiter schrumpfende Lebensräume und rücksichtslose Wilderei immer kleiner wird.

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