Eine Liebesgeschichte der besonderen Art

Zebra Damen-Trio. Foto von Rose v. Selasinsky

Heidelberg, 29. Juli 2011 / S. Richter Eine „Liebesgeschichte“ der besonderen Art spielt sich derzeit im Heidelberger Zoo ab. Seit März dieses Jahres wird die Zebraherde des Tiergartens durch die Stute Kijana ergänzt und zählt nun neben dem Männchen fünf weibliche Tiere.

Kijana verträgt sich ausgesprochen gut mit Hengst Ngoro und schürt somit Hoffnungen, dass sie die angestrebte Rolle der Zuchtstute erfüllen kann. Das Ganze erscheint zunächst nicht besonders ungewöhnlich, zumindest solange man Kijanas Vorgeschichte nicht kennt. Die Damara-Zebrastute lebte zuvor im Zoo Krefeld, wo sie ein sehr aggressives Verhalten sowohl gegenüber ihren Artgenossen als auch ihren Pflegern an den Tag legte. Dies ging sogar so weit, dass sie vom Rest der Herde isoliert werden musste. Da Zebras aber ausgesprochen soziale Herdentiere sind, war dieser Zustand nicht über einen längeren Zeitraum haltbar. Als mögliche Ursache für die Verhaltensauffälligkeit Kijanas wurde die Sozialstruktur der Krefelder Zebragruppe vermutet. Diese bestand aus einem Hengst und einer weiteren Stute, die beide jünger sind als Kijana. Normalerweise ist es die Rolle des Hengstes seine Damen zu dominieren und so für Ruhe in der Herde zu sorgen. Auf Grund des Altersunterschiedes gelang dies jedoch nicht.
Der Heidelberger Hengst Ngoro hat eine ganz andere Lebensgeschichte. Er kam in jungen Jahren in die Heidelberger Zebraherde. Jedoch wurde er von den alteingesessenen Stuten Heidi, Hilda und Angela zunächst nicht als Herdenführer und bis heute nicht als Paarungspartner akzeptiert. Die drei Damen verbindet von jeher eine enge, stabile Freundschaft. Sie stehen fast immer einträchtig beieinander, weshalb sie von den Zoomitarbeitern liebevoll „Die drei von der Tankstelle“ genannt werden. Inzwischen tritt Ngoro innerhalb der Herde sehr dominant auf, was in der Vergangenheit bisweilen soweit ging, dass er andere Bewohner der Savannenlandschaft, wie die Blessböcke, angriff. Durch die Integration Kijanas erhoffte man sich nun, dass sie sich unterordnen und ihre alten Verhaltensmuster ablegen würde. Tatsächlich neutralisieren sich die beiden starken Zebrapersönlichkeiten gegenseitig, denn Ngoro muss all seine überschüssige Energie darauf verwenden, Kijana im Zaum zu halten. Der Hengst hat inzwischen das Interesse an dem Damentrio Heidi, Hilda und Angela gänzlich verloren und hält seine neue Favoritin getreu dem Motto „Spiel nicht mit den Schmuddelstuten“ mit vollem Körpereinsatz von ihnen fern. Ansonsten haben sich die Hoffnungen auf ein friedliches Miteinander innerhalb der Herde bestens erfüllt.