Dummes Huhn, blöde Kuh, schlauer Affe?

Dr. Vanessa Schmitt beobachtet und notiert das Verhalten der Gorillas
Dr. Vanessa Schmitt beobachtet und notiert das Verhalten der Gorillas

Im Zoo Heidelberg geht man der Sache auf den Grund

Sind wir Menschen wirklich so viel schlauer als Tiere? Und welches Tier ist eigentlich am intelligentesten? Die Frage nach den Ursprüngen menschlicher Intelligenz wird bereits seit langer Zeit von Wissenschaftlern diskutiert und erforscht. Unter Leitung von Verhaltensforscherin Dr. Vanessa Schmitt wird in den nächsten drei Jahren die Intelligenz einzelner Tierarten im Zoo Heidelberg untersucht. Das Projekt widmet sich vorrangig den kognitiven Fähigkeiten der verschiedenen Tierarten. Dabei werden insbesondere die unterschiedlichen Affenarten in die Studien einbezogen. Gefördert von der Klaus Tschira Stiftung werden dazu spezielle Touchscreen-Computer-Systeme entwickelt, an denen die Tiere verschiedene Aufgaben lösen können. Die Tiere lernen durch Versuch und Irrtum die Computerbildschirme zu bedienen und erhalten kleine Futterbelohnungen zur Motivation. Ob Gorillas, Schimpansen oder Orang-Utans besser im Memory spielen sind, wird sich zeigen.

Unterschiedliche Forschungsthemen gehören neben Artenschutz und Bildung zu den Hauptaufgaben moderner wissenschaftlich geführter Zoos und werden im Zoo Heidelberg vielseitig umgesetzt. „Wir freuen uns sehr, diesen Bereich dank der Unterstützung durch die Klaus Tschira Stiftung nun noch intensiver ausführen zu können“ betont Diplom-Biologin Sandra Reichler, als Kuratorin des Zoos auch für die Forschung und Wissenschaft zuständig. „Viele Fragestellungen lassen sich nur an Tieren untersuchen, die in Menschenobhut leben. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Freiland- und Zooforschung ist wichtig, jede neue Erkenntnis kann letztendlich auch helfen, bedrohte Arten zu erhalten.“

Neben den wissenschaftlichen Studien zur Kognition der Tiere, werden auch Untersuchungen zum Einfluss der Touchscreen-Aufbauten auf das Wohlbefinden der Tiere durchgeführt. Im Zoo ist es wichtig den Tieren viele Beschäftigungsmöglichkeiten zu bieten, wie zum Beispiel die bereits vorhandenen Stocherkästen, aus denen die Affen Nüsse angeln können.

Durch die neue Möglichkeit der Beschäftigung am Touchscreen sollen die Tiere nicht nur körperlich, sondern auch geistig gefordert und gefördert werden. Dieses sogenannte kognitive Enrichment ermöglicht es den Tieren zum Beispiel, eigene Entscheidungen zu treffen, und dabei auch mal falsch zu liegen. Wird diese neue Beschäftigungsaufgabe von den Tieren angenommen? Dazu wird das Verhalten der Tiere vor und nach dem Aufbau der neuen Touchscreen-Systeme genau dokumentiert und Veränderungen werden analysiert. Neben den Affen sollen im Laufe des Projektes weitere Tierarten in den Genuss der neuen Beschäftigungsmöglichkeit kommen. So können zum Beispiel Vögel mit ihrem Schnabel ebenfalls einen Touchscreen bedienen und stehen vielen Affen in ihren Fähigkeiten in nichts nach.

Transparenz und Herausforderung auch für die Zoobesucher: Nicht nur die Tiere sollen an der neuen Technik Spaß finden. Die Besucher des Zoos werden anhand von Informationsunterlagen über die Arbeiten aufgeklärt und können im nächsten Jahr auch selbst aktiv werden. Mit einer Touchscreen-Station auf Besucherseite können die Studien mit den Tieren live miterlebt werden und wer möchte, kann sich in Intelligenzspielen mit den Tieren messen. 

Über das Forschungsprojekt können sich interessierte Besucher über die Fähigkeiten und Besonderheiten ihrer nächsten tierischen Verwandten informieren. Da besonders die großen Menschenaffen in der Natur vom Aussterben bedroht sind, ist es dem Zoo Heidelberg in Bezug auf die Artenschutzprojekte ein Anliegen, über die Bedrohung der noch wildlebenden Arten zu informieren. Das neue Kognitionsprojekt wird somit Informationen und  wissenschaftliche Erkenntnisse über die Intelligenz von Tieren liefern, ihr Wohlbefinden steigern und dem Zoobesucher ein neues und einprägendes Erlebnis bieten.

Der Zoo Heidelberg wird regelmäßig über die neusten Ergebnisse des Forschungsprojektes berichten.

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