Das Meer kommt nach Heidelberg

Der Zoo Heidelberg befindet sich in einem Entwicklungsprozess: „Wir können nicht länger zusehen, wie die natürlichen Lebensgrundlagen auf unserer Erde zerstört werden,“ erklärt Zoodirektor Dr. Klaus Wünnemann die Motivation des Zoos politischer zu werden. „Mit der neuen Ausstellung „Meere und Ozeane“ wollen wir möglichst viele Menschen bewegen, sich um die Zukunft des wichtigsten Ökosystems unserer Erde Gedanken zu machen.“

70 % der Erdoberfläche nehmen Meere und Ozeane ein, in ihnen ist über 90 % des Wassers auf der Erde enthalten.  Mehr als die Hälfte des Sauerstoffs, den wir atmen, stammt aus dem Meer. Milliarden von Menschen ernähren sich von Fisch und anderen Meerestieren. Für eine Stadt im Binnenland – wie Heidelberg – erscheint das Meer weit entfernt. Und doch beeinflusst es unser tägliches Leben und ist hochbedroht. Darauf wird der Zoo in der großen Ausstellung „Meere und Ozeane“, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird, hinweisen.  „Wo kein Besitzer sein Eigentum schützt, wird ausgebeutet, missbraucht, vermüllt – die Menschheit benimmt sich auf und mit den Meeren wie Plünderer im rechtfreien Raum eines Bürgerkrieges. Die Zeche zahlen wir alle und unsere Kinder,“ zieht Dr. Klaus Wünnemann einen drastischen Vergleich.  Ist das übertrieben? In diesem Jahr entdeckten Wissenschaftler, dass im Südpazifik ein Plastikmüllteppich in der Größe Mitteleuropas schwimmt – und das ist nur der kleine Bruder der großen Müllhalde, die im Nordpazifik treibt.

Zoologische Gärten haben weltweit über 700 Millionen Besucher – jedes Jahr. Die Zoos und die großen Naturschutzverbände haben beschlossen, zusammen gegen die Naturzerstörung vorzugehen. Am 17. Oktober haben der Weltzooverband und die Umweltorganisation der Vereinten Nationen (UNEP) hierzu eine Vereinbarung unterzeichnet. Dabei übernehmen die Zoos unter anderem die wichtige Rolle, viele hundert Millionen Menschen zu informieren und zu motivieren, sich für den Schutz der Natur einzusetzen. „Stellen sie sich unsere wunderbaren Mähnenrobben vor: Die würden Wochen brauchen, um einmal quer durch die treibenden Müllberge hindurch zu schwimmen. Mit diesen Beispielen und wissenschaftlich fundierten Informationen wollen wir den Verstand, aber auch das Herz der Zoobesucher für diese Themen gewinnen,“ erläutert Dr. Wünnemann die Strategie. Jeder kann etwas tun: Plastikverpackungen vermeiden oder wenigstens recyceln, die eigenen Abgeordneten ansprechen endlich konsequente Gesetze zum Vermeiden von Müll auf den Weg zu bringen. Das dies geht zeigen uns ausgerechnet einige der ärmsten Länder der Erde: Bangladesh zum Beispiel oder Ruanda, wo Plastiktüten bereits verboten sind – seit 2004.

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