Bronzezeitliche Siedlung im Zoo Heidelberg

Fundstelle der bronzezeitlichen Siedlung

Heidelberg, 4. November 2011 / S. Richter  Heute fand auf dem Gelände des neuen Zoo-Servicecenters eine für den Zoo eher ungewöhnliche Presseeinladung gemeinsam mit dem Kurpfälzischen Museum der Stadt Heidelberg statt. Auf dem Zoogelände wurde im Zuge der Bauarbeiten ein Siedlungsgrundriss aus der Mittleren Bronzezeit, d.h. aus der Zeit 1.600 – 1.300 v. Chr., ausgegraben. Da auf den fruchtbaren Böden des Neckarschwemmkegels – besonders in den ufernahen Regionen von Neuenheim – seit der Jungsteinzeit gesiedelt wurde, werden alle in den Boden eingreifenden Maßnahmen von der Archäologischen Denkmalpflege am Kurpfälzischen Museum überwacht, um prähistorische Funde vor der Zerstörung durch die Baumaschinen dokumentieren und gegebenenfalls bergen zu können. Besondere Bedeutung für die Archäologen hat die neue Fundstelle, da sie unmittelbar neben der größten jungsteinzeitlichen Fundstelle Heidelbergs liegt, nämlich jenen beiden Gruben der Rössener Kultur, die 1902 vom Heidelberger Archäologen Karl Pfaff ausgegraben und als „Pfaff’s Große Grube“ berühmt wurden.
Hintergrundinformation Ulrike Pecht, Kurpfälzisches Museum der Stadt Heidelberg: Im August dieses Jahres wurde mit den Erdarbeiten unter Aufsicht des Grabungstechnikers des Kurpfälzischen Museums Einhard Kemmet begonnen. Tatsächlich zeichnete sich am 13. September eine zirka 10 x 15 Meter große dunkle Verfärbung ab, die sich deutlich vom anstehenden Mutterboden absetzte. Dank dem Entgegenkommen des Direktors des Zoos Heidelberg Dr. Wünnemann konnte der Befund archäologisch untersucht bzw. die Fundbergung durchgeführt werden. Die Ausgrabung wurde von Dr. Peter König (ehrenamtlich), Fred Kleinberger (ehrenamtlich) unter Mithilfe von Baggereinsatz durch die Firma Indurec unter der Leitung von Einhard Kemmet durchgeführt. Auch der Zoo freut sich über den ungewöhnlichen Fund – wenngleich ein solcher immer ein Risiko für den Fortgang von Baumaßnahmen bedeuten kann. Umso mehr dankt der Zoo dem Kurpfälzischen Museum, wie kompetent und schnell die Untersuchungen durchgeführt wurden, so dass die Baumaßnahmen zügig weiter gehen können.
Die Ausgrabung erbrachte erstmals für Heidelberg einen Siedlungsgrundriss der Mittleren Bronzezeit, d.h. aus der Zeit 1.600 – 1.300 v. Chr. Grundrisse mittelbronzezeitlicher Häuser wurden in Süddeutschland mehrfach ausgegraben, so etwa im Hegau. Es handelt sich dabei um langrechteckige zwei- bis dreischiffige Gebäude in Pfostenbauweise mit Lehmwänden. Die Pfostenlöcher und Siedlungsgruben der Heidelberger Ausgrabung lassen sich derzeit noch nicht zu einem schlüssigen Grundriss zusammenfügen, dazu sind längere wissenschaftliche Vergleiche und Untersuchungen notwendig. Das wenige Fundmaterial (Scherben von Großgefäßen, ein kleines Henkeltöpfchen, eine Geweihstange – vielleicht als Werkzeug benutzt - sowie einige Tierknochen) datieren den Befund aber eindeutig in die sogenannte Hügelgräberbronzezeit.
Die Benennung dieser Menschheitsepoche erfolgte nach dem zu dieser Zeit vorherrschenden Bestattungsritus: Tote in gestreckter Körperhaltung unter künstlich aufgeschütteten Hügeln. Nur wenig ist im Rhein-Neckar-Raum bislang aus dieser Zeit ausgegraben worden. Neben einer Siedlung in Lützelsachsen b. Weinheim sind es in erster Linie einige Grabfunde aus Bergheim und Handschuhsheim sowie aus Eppelheim und Mannheim. Dem Heidelberger Neufund kommt damit eine ganz besondere Bedeutung zu.