Binturongs und Kurzkrallenotter – eine quirlige südostasiatische Wohngemeinschaft

Tolles Bild von Heidrun Knigge: Kurzkrallenotter blickt keck und knackt die Muschel

Heidelberg. 8. März 2012, S. Richter  Der Südostasien-Bereich im Zoo Heidelberg erfreut sich steigender Beliebtheit und nicht nur die zahlreichen Fans der grauen Riesen zieht es in Richtung Elefantenhaus. In unmittelbarer Nachbarschaft zu den vier jungen Elefantenbullen leben eine Familie quirliger Kurzkrallenotter und ein Pärchen Binturongs. Bei dieser Art Wohngemeinschaft ist immer etwas los, dafür sorgen schon die fünf Kurzkrallenotter, die in einem fort miteinander spielen, übereinander purzeln, mit ihren flinken, kurzen Krallen Muscheln öffnen oder quietschend und fiepend mit dem Besucher Kontakt aufnehmen.
Kurzkrallenotter sind auch als Zwergotter bekannt und in Südostasien heimisch. Mit einem Gewicht von maximal fünf Kilogramm, einer Kopfrumpflänge von 45 bis 61 cm und einer Schwanzlänge von 25 bis 35 cm machen die Tiere ihrem Namen alle Ehre: Kleiner und geselliger ist keine andere Otter-Art.
Direkt nebenan lebt das Binturong-Pärchen „Bibsi“ und „Kajan“. Wer jetzt nicht weiß, was ein Binturong ist, steht mit der Frage nicht alleine da. Auf den ersten Blick lässt sich der Binturong nicht einordnen. Große, bernsteinfarbene Augen, ein plumper, kurzbeiniger Körper und langes, dunkelgraues Fell. Ist das ein Bär? Weiße Tasthaare am Kopf, dichte Büschel auf den Ohren und ein langer, buschiger Schwanz. Vielleicht doch eher eine Katze? So geht es aber nicht nur dem Zoobesucher. Wurde der Binturong früher noch der Familie der Kleinbären zugeordnet, zählt er heute zu den Schleichkatzen. Binturongs sind dank ihres langen Greifschwanzes und kräftigen Beinen für ihre Kletterkünste bekannt und die dominante Bibsi – bei den Binturongs haben die Frauen das Sagen – nutzt inzwischen gerne die Gelegenheit, den Kurzkrallenottern einen Besuch abzustatten. Das Gehege der Binturongs ist über einen Gittergang mit dem Außengehege der Kurzkrallenotter verbunden, durch den sie bequem hin und herwechseln können. Während Binturong-Mann Kajan das Ganze noch eher misstrauisch beäugt, fasste Bibsi sofort Mut und ist seitdem regelmäßig bei den Nachbarn zu Gast.
Im Zoo Heidelberg sind tierische Wohngemeinschaften in vielen Gehegen anzutreffen. So teilen sich auch die syrischen Braunbären mit den flinken Korsakfüchsen ein Gehege und die Faultier-Familie lebt mit zahlreichen Vogelarten in der Südamerika-Voliere. Biologen haben festgestellt, dass sich viele Tiere besonders wohlfühlen, wenn sie in einer Gemeinschaft leben. Haben die weniger dominanten WG-Bewohner genug Rückzugsmöglichkeiten, so profitieren alle Tiere davon und es bietet ihrem Alltag zusätzlich Abwechslung. Die tierische Wohngemeinschaft wird im Zoo als Vergesellschaftung bezeichnet. Auch für den Zoobesucher ist es besonders spannend, verschiedene Tierarten gemeinsam zu beobachten.