Außergewöhnliches Flüsterprojekt

Schuldirektor Eberhard Wolff und Zoodirektor Dr. Klaus Wünnemann am Flüs
Schuldirektor Eberhard Wolff (links) und Zoodirektor Dr. Klaus Wünnemann am Flüsterspiegel

Auszubildende übergeben Flüsterspiegel an den Zoo Heidelberg

„Flüstere mir mal was“ heißt es ab sofort im Zoo Heidelberg. Direkt vor dem Teich der Pelikane steht seit Ende letzter Woche ein sogenannter Flüsterspiegel: Zwei große gewölbte Schalen in leuchtendem Grün stehen im Abstand von 17 m und ermöglichen den Besuchern den Selbstversuch. Über diesen weiten Abstand ist es möglich, auch leise gesprochene Worte – unhörbar für Außenstehende – auf die gegenüberliegende Seite zu übertragen. Die Funktionsweise erklärt sich über die besondere Art der Schallübertragung.

Die Anlage mit den beiden ca. 140 cm hohen Parabolspiegeln entstand als europäisches Schulprojekt der Carl-Bosch-Schule Heidelberg und der Landesberufsschule Hallein (A) in Zusammenarbeit mit dem Physikalischen und dem Kirchhoff-Institut der Universität Heidelberg. Gemeinsam entwickelten Auszubildende und Lehrkräfte diese Anlage als anschauliche Präsentationsmöglichkeit der Schallübertragung. Die Umsetzung wurde durch die großzügige Unterstützung von Frau Gerda Tschira ermöglicht.

Bei der offiziellen Übergabe, die am Freitag im Rahmen eines kleinen Empfangs im Zoo stattfand, dankten der Zoodirektor Dr. Klaus Wünnemann und die Schulleitung beider Schulen besonders den Auszubildenden und Schülern, die sich sowohl in der Planung als auch in der konkreten Umsetzung vor Ort einbrachten. Eberhard Wolff, Schuldirektor der Carl-Bosch-Schule Heidelberg, erläuterte in seiner Ansprache den Grundgedanken der Zusammenarbeit als positive Ebene für das kulturelle Verständnis mit dem Nachbarland. Dies bestätigte auch Manfred Kastner, Landesschulrat für Salzburg, der mit einem Team der Landesberufsschule Hallein angereist war, in seinen Worten über die gute Beziehung der beiden Schulen. Frau Gerda Tschira, Schirmherrin des Projekts, erfreute die Gäste durch die Zusammenfassung der Projektgeschichte in Gedichtform.

Nachdem die Auszubildenden selbst den Anwesenden sowohl die Idee und Umsetzung als auch die Funktion der Flüsterspiegel erklärten, waren alle eingeladen, es selbst auszuprobieren und vor den Parabolspiegeln Platz zu nehmen. Der Standort Zoo offenbart interessante Betrachtungsparallelen zu physikalischen Aspekten. Viele Tiere machen sich ebenfalls die Schallübertragung durch Nutzung entsprechender Formen zu nutze. Durch die Verwendung von Höhlen oder Mulden verstärken verschiedene Tiere den Schall ihrer Rufe und erreichen dadurch eine akustische Verstärkung.

Hören wurde bereits als Thema in der Zoo-Ausstellung „So hören Tiere“ aufgenommen, die seit März im Explo Heidelberg besucht werden kann und nach dem Umzug des Explo künftig im Zoo zu sehen sein wird. „Die Wahrnehmungsformen von Tieren und entsprechender Technik über interaktive Objekte zu vermitteln, ist eine interessante Ergänzung zu den klassischen Zoothemen“ betont Zoodirektor Dr. Klaus Wünnemann die Idee, das Objekt im Zoo zu installieren. „Wer bei so manchem Tier genau hinschaut, kann immer wieder faszinierende Phänomene entdecken, die sich der Mensch zunutze gemacht und in unterschiedlicher Technik umgesetzt hat. Und die Natur hat noch wesentlich mehr Raffinesse zu bieten.“

Es ist die zweite Anlage, die von Auszubildenden der Carl-Bosch-Schule umgesetzt wurde. Bereits 2015 wurde eine erste Flüsterspiegelanlage von Auszubildenden und Lehrkräften der Landesberufsschule Hallein/Salzburg und der Carl-Bosch-Schule sowie Ausbildern des Kirchhoff- und des Physikalischen Instituts der Universität Heidelberg an einer Schule für Behinderte in Salzburg aufgestellt. Und weitere Projekte in Zoos sollen möglichst folgen, wie von beiden Schulen zu hören war.

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