Auf Tuchfühlung mit Löwenäffchen

Goldgelbes Löwenäffchen

Es bietet sich ein ungewohntes Bild im Zoo Heidelberg. An drei Tiergehegen stehen junge Menschen mit Klemmbrettern in der Hand und protokollieren jede kleinste Bewegung. Im Zoo findet ein Kurs der besonderen Art für Biologiestudenten der Universität Heidelberg statt. In dem Praktikum Tiergartenbiologie geht es um Verhaltensforschung, Gehegeplanung und darum „wie ein Zoo funktioniert“.

Bereits im zehnten Jahr findet in diesen Wochen im Zoo Heidelberg das Praktikum „Tiergartenbiologie“ statt. Auf dem Programm stehen Exkursionen durch den Zoo Heidelberg und Frankfurt sowie ein Besuch bei der „Zoologischen Gesellschaft Frankfurt“. Inhalt des freiwilligen Unikurses ist es, neben dem Kennenlernen des Zooablaufs das Verhalten einer ausgewählten Tierart zu erforschen. „Die Studenten haben die Aufgabe, für die Tiere eine geeignete Beschäftigung zu entwickeln, ein ideales Gehege zu planen, eine Schautafel zu entwerfen sowie eine Unterrichtseinheit zu konzipieren“, erklärt die Kuratorin des Zoos und Praktikumsleiterin Sandra Reichler.
Bereits am Wochenende zuvor hatten sich die Studenten in einem Seminar mit Themen rund um Zoo und Tierhaltung beschäftigt.
Immer zu dritt befassen sich die Studenten mit einer Tierart. In diesem Jahr sind es die Goldgelben Löwenäffchen, die Varis und die Fossas. Den Löwenäffchen wurde zum Beispiel ein Raubvogel aus Pappe präsentiert. Nach einem schrillen Warnruf hat der Vater seine beiden Sprösslinge sofort gepackt und ist mit ihnen auf den Rücken in den dichter bewachsenen Teil des Geheges geflohen. „Wir möchten mit diesem Versuch Verhaltensweisen hervorrufen, die die Tiere ansonsten in ihrem Zooalltag nicht zeigen müssen“, erklären die Studen-ten. „Und das ist uns gelungen“. Anschließend wurde ein selbstgebauter Stocherkasten in das Gehege gehängt, den die Tiere mit großer Begeisterung sofort untersucht haben. „Löwenäffchen stochern in freier Wildbahn in Felsspalten und Astlöchern herum. Diese Situation wollten wir nachstellen“ so die Studenten. Wie die Tiere auf diese Einflüsse reagieren, wird alle 30 Sekunden in einem Protokoll festgehalten und im Anschluss ausgewertet.

Etwa 110 Studenten haben im Laufe der Jahre an dem Kurs teilgenommen. Aber nicht nur die Studenten profitieren von diesem außergewöhnlichen Angebot: Etwa ein Drittel der entwickelten Beschäftigungsideen wurden vom Heidelberger Zoo übernommen. Manche wurden von Mitarbeitern des Zoos auch weiterentwickelt. So wird erreicht, dass der Zooalltag für die Tiere niemals eintönig wird.

„Das Praktikum war faszinierend und wir haben sehr viel mitgenommen“, betonen die Studenten. Das Praktikum wird auch in den nächsten Jahren stattfinden. Es gibt noch viele Tiere im Zoo, die noch nicht in den Genuss studentischer Einzelbetreuung gekommen sind.

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