Artenschutztag „Südostasien“ im Zoo Heidelberg

Portrait einer goldfarbenen Wildkatze
Goldkatze

Europaweite Kampagne zum Schutz bedrohter Tierarten

Am Sonntag, den 15. Juli, steht der Zoo Heidelberg ganz im Zeichen des Schutzes bedrohter Tierarten in Südostasien. Im Zuge der Beteiligung des Zoos an der europaweiten Artenschutzkampagne „Südostasien 2012/2013“ können sich die Besucher an diesem Tag zwischen 12.00 und 17.00 Uhr auf spannende, interaktive Weise über verschiedene Projekte zur Erhaltung dieses faszinierenden Lebensraums informieren. Der Erlös der jeweiligen Aktionen fließt direkt in Maßnahmen vor Ort.

Zoo und Zooschule haben ein vielfältiges Programm aufgestellt, das ganz im Dienste der südostasiatischen Tierwelt steht. Neben zahlreichen Schautafeln klären Informationsstände zu den Themen „Palmöl“ und „Fairtrade“ den Besucher über das Leben und die Bedrohung der Tiere und darüber auf, wie das eigene Konsumverhalten zum Artenschutz beitragen kann. Die Infostände finden sich im Eingangsbereich des Menschenaffenhauses und beim Raubtierhaus. Zudem gibt es gesonderte „Südostasien“-Führungen, die von den Zoorangern der Zooschule angeleitet werden. Diese starten um 13.00 Uhr, 14.00 Uhr und 15.00 Uhr am Wunschbrunnen im Eingangsbereich.

Auf spielerische Art können Kinder und Jugendliche im Eingangsbereich die südostasiatische Tierwelt kennenlernen und gleichzeitig noch den Zoo verschönern: Der große Holzzaun, der wegen des Umbaus des Bärengeheges aufgestellt wurde, wird mit den Silhouetten typischer Südostasien-Bewohner verziert, die nur darauf warten, leuchtendbunt ausgemalt zu werden. Die Farben hierfür stellt der Zoo bereit. Hat sich ein fleißiger Maler in eines der Tiere besonders verliebt, besteht die Möglichkeit, an einem weiteren Stand Buttons mit den Motiven der Tiere zu erstehen. Darüber hinaus kann man am Losstand mit ein bisschen Glück unter anderem attraktive Preise aus dem neu eröffneten Zooshop gewinnen.

Zusätzlich zu den regulären Fütterungen gibt es mehrere Sonderfütterungen: Um 15.00 Uhr findet eine kommentierte Menschenaffenfütterung statt, bei der vor allem die südostasiatischen Orang-Utans im Mittelpunkt stehen werden.
Eine ganz besondere Erfahrung wird um 13.30 Uhr bei den Asiatischen Elefanten ermöglicht: Für eine kleine Spende dürfen sich die Besucher im Apfelweitwurf üben und Thai, Voi Nam, Tarak und Gandhi mit den fliegenden Leckerbissen versorgen. Auch wenige Meter weiter darf mitgemacht werden: Die quirligen Kurzkrallenotter warten ab 14.00 Uhr darauf, von den Besuchern mit ihrer Leibspeise, den Miesmuscheln, gefüttert zu werden und lassen sich gewiss einige Kunststückchen einfallen, um sich eine möglichst große Portion abzuholen. Gleich nebenan werden um 14.30 Uhr die neugierigen Binturongs von den Tierpflegern mit Beschäftigungsfutter verwöhnt.

Der Aktionstag zugunsten bedrohter Tierarten in Südostasien verspricht nicht nur vielseitige Unterhaltung. Mit dem Besuch und der Teilnahme an den Aktionen leisten Zoogäste gleichzeitig auch einen wichtigen Beitrag zum Natur- und Artenschutz.
Der Europäische Zoo- und Aquarienverband EAZA führt seit 2000 jedes Jahr eine Kampagne durch, um Artenschutzprojekte zu unterstützen. Wie alle Zoos, die Mitglied der EAZA sind, nimmt auch der Zoo Heidelberg regelmäßig mit eigenen Aktionen teil. Die Hauptziele der Kampagnen sind, auf bedrohte Tierarten aufmerksam zu machen und entsprechende Projekte mit Geldspenden zu unterstützen. Die EAZA-Kampagne 2012/2013 widmet sich bedrohten Tierarten in Südostasien und möchte auch auf kleinere, unbekannte Tierarten (ab einem Kilo Gewicht) aufmerksam machen, die in ihrem Lebensraum ebenso gefährdet sind wie die großen bekannten asiatischen "Flaggschifftierarten", wie z.B. Tiger oder Orang-Utan. Ziel der „EAZA Southeast Asia Campaign“ ist es, einen Fond in Höhe von 750.000 Euro einzurichten. Die Gelder fließen in nachhaltige Projekte vor Ort. Auch im Zoo Heidelberg leben zahlreiche Tiere aus Südostasien, wie zum Beispiel Sumatra-Tiger, Asiatischer Elefant, Orang-Utans, asiatische Kurzkrallenotter, Binturongs, Asiatische Goldkatze, Spitzhörnchen, Papua-Hornvogel.

 


Hintergrundinformation

Mystisch ist das richtige Wort, um Südostasien und die dort lebenden geheimnisvollen Tiere zu beschreiben. In den undurchdringlichen Wäldern Malaysias, Vietnams, Myanmars und den Philippinen kann man vielen seltenen und einzigartigen Tieren, wie den scheuen Saolas, den imposanten Kaiserreihern oder den kraftvollen Sunda-Gavialen, einer kleinen Krokodilart, begegnen.

Die meisten dieser Tiere sind weltweit unbekannt. So wurden die schönen Saolas erst 1993 in den regenreichen Wäldern Vietnams entdeckt, was als Sensation galt, da Ende des 20. Jahrhunderts sehr selten neue Säugetierarten entdeckt wurden. Eine Saola (lat. Pseudoryx nghetinhensis) oder Vietnamesisches Waldrind ist eine bis zu einem Meter große Mischung aus Rind und Antilope und kann bis heute nicht eindeutig einer Gattung zugerechnet werden. Wurden die braunen Tiere mit dem grazilen Kopf früher wegen ihrer beiden Hörner, die bis zu 50 Zentimeter lang werden können, noch zu den Ziegenartigen gezählt, ist heute die Verwandtschaft mit Rindern belegt. Saolas zählen heute zu den seltensten Huftieren der Welt.

Die größte Bedrohung für die einzigartigen Bewohner Südostasiens ist der illegale Handel, für den sie aus verschiedenen Gründen gejagt und getötet werden.

Der Handel mit Haustieren und Trophäen ist ein großes Problem. So findet man auf vielen asiatischen Märkten illegale Wildtierprodukte wie Modeartikel, Kunstgegenstände und Jagdtrophäen, die als Souvenir, teures Geschenk oder prestigevolles Statussymbol an Touristen und Einheimische verkauft werden. Von der IUCN (internationale Union für die Bewahrung der Natur und natürlicher Ressourcen) werden die sanften Saolas wie auch die eleganten Kaiserreiher (lat. Ardea insignis) als „critically endangered“, also „vom Aussterben bedroht“ eingestuft, die kleinen Sunda-Gaviale (lat. Tomistoma schlegelii) als „endangered“, also „stark gefährdet“ und die mächtigen Gaur (lat. Bos gaurus), eine asiatische Rinderart, als „gefährdet“ („vulnerable“).



Gefährdung und Aberglaube

Für die die traditionelle asiatische Medizin wird nach wie vor Wilderei betrieben. Manchen Tieren bzw. Tierteilen, wie einem Schildkrötenpanzer oder einem Horn, werden immense Heilkräfte zugeschrieben. Daher werden diese immer noch in Heiltränken und Heilpulvern verwendet. Als proteinreiche Nahrungslieferanten werden die schönen Tiere nicht unbedingt zum Nahrungserwerb gejagt, sondern vielmehr aus dem Glauben heraus, dass Stärke, Kraft und Potenz des getöteten Tieres mit dem Verspeisen auf den Jäger übergehen.

 

Lebensraumverlust

Für die faszinierenden südostasiatischen Tiere ist der enorme Verlust ihrer Lebensräume neben dem illegalen Handel die gravierendste Gefahr durch den Menschen. So werden vermehrt Straßen in bis jetzt unberührte Gebiete gebaut, was wiederum den illegalen Handel begünstigt, da nun einfacher in die artenreichen Wälder Südostasiens vorgedrungen werden kann und gejagte Tiere leichter abtransportiert werden können. In Vietnam führt zum Beispiel die Ho Chi Minh Road quer durch die Annamite Mountains, einem der wichtigsten Lebensräume der Saolas.

Geschützt werden müssen aber nicht nur die Wälder, sondern auch die außergewöhnlichen Feuchtgebiete in den großen Flussdeltas Südostasiens, da sie einen unvergleichlichen Lebensraum darstellen, sich leider auch für die Landwirtschaft eignen und daher fast immer in fruchtbares Ackerland umgewandelt werden. Als untergeordnete Bedrohungen können allgemein die Umweltverschmutzung, die wachsende Bevölkerung und der damit einhergehende Platzmangel und die Einwanderungen neuer, nicht-südostasiatischer Spezies genannt werden, die die einheimischen Arten verdrängen.
 

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